Wieso Amazon Verlust an Verlust reiht

Der Onlinehändler investiert kräftig in viele neue Angebote, darunter das neue Handy Amazon Fire. Doch die Zahlen sind rot. Nun werden Kritiker laut, welche konkrete Punkte in der Firmenstrategie anprangern.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Mann bringt es auf den Punkt: «Es ist schon eine Leistung, mit einem Umsatz von knapp 20 Milliarden Dollar einen Verlust einzufahren.» Der ironische Kommentar stammt von einem Analysten eines US-Brokers als Reaktion auf die neusten Zahlen des Onlinehändlers Amazon. Tatsächlich meldete der Konzern einen Quartalsverlust von 126 Millionen Dollar. Derweil kletterte der Umsatz um 23 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar.

Rote Zahlen sind nichts Ungewöhnliches für Amazon. Von den letzten zehn Quartalen endeten vier mit Verlusten. Dem Glauben am Erfolg des Gründers und Chefs Jeff Bezos hat dies lange Zeit keinen Abbruch getan. Allein seit Anfang 2012 hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt.

Unglaubwürdige Strategie

Nun mehren sich jedoch die kritischen Stimmen. Die Strategie, die Produkte anderer statt mit äusserst dünnen Margen plötzlich mit hohen Profiten zu verkaufen, sei nicht glaubwürdig, sagt US-Analyst Horace Dediu. Er hat sich unter anderem intensiv mit dem Geschäftsmodell von Apple beschäftigt. Auch Microsoft sei es bisher nicht gelungen, sich von der auf PC fokussierten Strategie zu lösen und vom Boom mobiler Geräte zu profitieren. Für ihn zeigt das Beispiel, wie schwer sich gewisse IT-Konzerne tun, sich auf neue Realitäten einzustellen.

Kritiker werfen Amazon vor, sich allzu stark zu verzetteln. Vom neuen Handy, das heute lanciert wird, über den E-Book-Reader Kindle bis hin zu Fernseh-Streaming-Diensten und Cloud-Angeboten ist das Unternehmen an mehreren Fronten gleichzeitig aktiv. Der Aufbau dieser neuen Dienste kostet viel Geld, ohne dass jedoch Amazon transparent machen würde, wie viele Millionen in welches Projekt fliessen. Allein für den Cloud-Dienst namens Amazon Web Services (AWS) wurden im vergangenen Jahr «Tausende neuer Mitarbeiter» eingestellt. Gleichzeitig wurden die Preise verschiedener Dienstleistungen von AWS um bis zu 50 Prozent gesenkt, um gegen die Konkurrenz von Google und Microsoft zu bestehen.

Lieferungen auch am Sonntag

Aber auch im angestammten Geschäft investiert Amazon kräftig. So wurden in den USA zahlreiche neue Warenlager eröffnet, um die Kunden noch schneller mit ihren Einkäufen zu beliefern. Zudem werden die Produkte in zahlreichen US-Städten auch sonntags ausgeliefert. Aber auch ausserhalb des Heimmarkts breitet sich der Onlinehändler aus. So hat Amazon damit begonnen, Indien als neuen Markt zu erschliessen. Im Shop Amazon.in sind bereits 17 Millionen Artikel erhältlich.

Und heute folgt also das neue Handy namens Amazon Fire. Experten zweifeln jedoch am durchschlagenden Erfolg, ist es doch gleich teuer wie die neusten Smartphones von Apple und Samsung. Kommt hinzu, dass es für neue Player in der Regel schwierig ist, die Kunden zu überzeugen, sich für zwei Jahre an ein neues Gerät zu binden. Wie in der Schweiz werden Smartphones in den USA vergünstigt abgegeben, wenn man als Kunde einen Zweijahresvertrag eingeht.

Amazon erhofft sich mit dem eigenen Handy, dass die Benutzer noch stärker die eigenen Angebote nutzen. So erhält der Kunde den Dienst Amazon Prime ein Jahr lang gratis dazu. Mit diesem erhält man Tausende von E-Book-Titeln und ein Fernseh-Streaming-Angebot gratis, zudem entfallen die Versandgebühren für Warenlieferungen. Kunden, die Amazon Prime nutzen, sind für den Konzern in der Regel lukrativer, da sie die Dienste intensiver nutzen.

Weitere Verluste erwartet

Es wird interessant, zu sehen, wie lange Amazon der wachsenden Kritik an den ausbleibenden Gewinnen standhalten kann. Seit Anfang Jahr ist der Aktienkurs um 10 Prozent getaucht. Heute dürfte als Reaktion auf die schlechten Zahlen nochmals ein Verlust in ähnlicher Grösse hinzukommen. Zumindest verloren die Aktien gestern Abend nachbörslich 10 Prozent. Der Taucher dürfte auch mit dem düsteren Ausblick in Verbindung stehen. Für das laufende Quartal hat das Unternehmen erneut rote Zahlen angekündigt, der operative Verlust werde sich zwischen 410 und 810 Millionen Dollar bewegen.

Erstellt: 25.07.2014, 13:45 Uhr

Artikel zum Thema

Amazon macht überraschend viel Verlust – Aktie rutscht ab

Jeff Bezos Expansionsstrategie belastet den US-Onlinehändler mit einem Minus von 126 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es noch sieben Millionen gewesen. Mehr...

Wie gut ist das Amazon-Smartphone?

Das erste Telefon des Onlinehändlers wird ab morgen in den USA verkauft. Das kritisieren amerikanische Journalisten am Fire Phone. Mehr...

Amazon zahlt kaum Steuern – jetzt will die EU genau hinschauen

Multinationale Unternehmen zeigen sich kreativ, wenn es ums Optimieren der Steuern geht. Jetzt ist genug, finden EU-Wettbewerbshüter Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Willkommen auf dem E-Bauernhof

Im Jahr 2050 gilt es, 9,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Somit muss bis dann die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent erhöht werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Schwingt das Tanzbein: U2-Sänger Bono Vox während eines Konzerts im australischen Brisbane. (12. November 2019)
(Bild: Chris Hyde/Getty Images) Mehr...