«Wir galten als Weltmeister im Risikomanagement»

Der ehemalige UBS-Chef Peter Wuffli beschreibt in seinem Buch «Liberale Ethik», wie er den drohenden Kollaps der Bank erlebt hat. Und beteuert, nicht fahrlässig gehandelt zu haben.

«In Sicherheit gewogen»: Peter Wuffli während einer Pressekonferenz 2006.

«In Sicherheit gewogen»: Peter Wuffli während einer Pressekonferenz 2006. Bild: Keystone

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«Die Finanzkrise war nicht ein Naturereignis, gewissermassen ein Tsunami. Sie wurde von Menschenhand verursacht und ausgelöst.» So beginnt der Auszug aus Peter Wufflis Buch «Liberale Ethik», den die «Bilanz» als Vorabdruck veröffentlicht hat. Die Krise, so Wuffli, sei aber auch nicht das «böswillige Werk einiger weniger Bankmanager mit unlauteren Motiven» gewesen. Vielmehr habe sie mit dem «menschlichen Verhalten einiger zehntausend Akteure» zu tun gehabt, «denen im Rückblick betrachtet ein vernünftiges Mass abhanden gekommen war».

«Keine naive Modellgläubigkeit»

Im besagten Kapitel seines Buches, das am 30. September erscheinen wird, behandelt Wuffli seine turbulente Zeit als UBS-Chef.

«Ich glaube nicht, dass die verantwortlichen Führungspersonen in den Banken einer naiven Modellgläubigkeit verfielen», schreibt er etwa über die Krise. Jedoch habe der Bankenwelt die Vorstellungskraft für solche Verwerfungen und deren Konsequenzen gefehlt. Im Rückblick habe man falsche Geschäftsprioritäten gesetzt und zu wenig Bescheidenheit an den Tag gelegt.

Die UBS habe das Image einer Bank gehabt, die die Lehren aus der Kreditkrise in den 90ern konsequent gezogen hatte. «Wir galten damals als Weltmeister im Risikomanagement und wurden wohl deshalb etwas zu selbstsicher», so Wuffli. «Unsere Risikomanager waren überzeugt, dass entsprechende Marktrisiken abgesichert waren und unsere Gegenparteien über eine gute Kreditqualität verfügten.» Aber offenbar habe man nicht zu den «führenden Häusern» auf diesem Gebiet gehört.

«Prioritäten waren falsch»

Doch nicht nur hat die Finanzkrise die UBS zu einem schlechten Zeitpunkt erwischt, Wuffli räumt weitere Fehler ein: «Gewisse strategische Prioritäten waren im Rückblick und in Kenntnis der Faktenlage, wie sie sich heute darstellt, falsch.» Auch habe er in gewissen Situationen auf die falschen Personen gesetzt.

Unterstellungen, wonach er von Geldgier getrieben worden sei, widerspricht er entschieden und betont, er habe mit dem Zerfall der UBS-Aktienpreise auch rund die Hälfte seines Vermögens verloren. Auch habe er nicht fahrlässig gehandelt.

Und Steuerflucht sei ihm immer fremd gewesen: «Rigorose Steuerehrlichkeit war für mich schon von Jugend an ein klares Gebot, das ich von meinem Vater übernommen habe.» Zusammen mit seiner Frau habe er in 25 Jahren rund 53 Millionen Franken Steuern bezahlt. (reh)

Erstellt: 24.09.2010, 16:08 Uhr

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