«Wir kommen nicht mit dem Hammer»

Wie Postfinance-Chef Hansruedi Köng den möglichen Einstieg ins Hypotheken- und Kreditgeschäft einschätzt.

Stellenabbau wird wie geplant umgesetzt: Im Juni informierte Postfinance-CEO Hansruedi Köng in Bern über ein Sparprogramm. (7. Juni 2018)

Stellenabbau wird wie geplant umgesetzt: Im Juni informierte Postfinance-CEO Hansruedi Köng in Bern über ein Sparprogramm. (7. Juni 2018) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Lange hat sich der Bundesrat gegen die Aufhebung des Kreditverbots gewehrt. Wie konnten Sie ihn umstimmen?
Der Entscheid geht in eine gute Richtung und freut mich sehr. Wir waren aufgerufen, eine Gesamtschau der Handlungsoptionen zu präsentieren. Dabei wurde mehr und mehr deutlich, dass die aktuelle Entwicklung nicht nachhaltig ist, da wegen der tiefen Zinsen unsere wichtigste Einnahmequelle, das Zinsergebnis, immer stärker unter Druck gerät. Diese Argumente dürften den Bundesrat am Ende überzeugt haben, die Fesseln bezüglich Kredit- und Hypothekenvergabe zu lösen.

Waren Sie nicht von der Kehrtwende überrascht?
Wir haben kurz vor Veröffentlichung der Medienmitteilung erfahren, welchen Entscheid der Bundesrat gefällt hat. Wir wussten im Vorfeld nur, dass er sich heute mit dem Thema beschäftigt. Letztlich überrascht mich die Entscheidung aber nicht, weil sie einfach die Vernünftigste ist.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass das Vorhaben die Zustimmung im Parlament findet?
Das Aufheben des Kreditvergabeverbotes bedingt eine Teilrevision des Postorganisationsgesetzes, das stimmt. Ich bin kein Hellseher, bin aber davon überzeugt, dass auch die National- und Ständeräte am Ende einsehen werden, dass dieser Schritt im Interesse der Schweiz und ihrer Bürgerinnen und Bürger ist. Denn ohne Aufhebung des Kreditverbots droht der Postfinance ein massiver Wertverlust.

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Fürchten Sie nicht, dass eine unheilige Allianz aus Linken und Bürgerlichen das Vorhaben bodigt? Den Linken dürfte die Teilprivatisierung nicht schmecken, den Bürgerlichen die Aufhebung des Kreditverbots.
Beide Seiten werden sehen, dass ein Beharren auf ihrer Position Postfinance grossen Schaden zufügen würde. Es gab in der Vergangenheit bereits Vorstösse, die eine Aufhebung des Kreditverbots forderten, doch diese wurden stets vor der parlamentarischen Debatte zurückgezogen. Heute ist die Lage eine andere, der Handlungsdruck ist gross.

Der Hypothekenmarkt gilt jetzt schon als Wettbewerbsintensiv, wie wollen Sie hier punkten?
Der Markt für Hypotheken in der Schweiz ist mit rund 1000 Milliarden Franken Volumen riesig. So wenig wir als Investor den Schweizer Markt für Obligationen dominieren, so wenig würden wir auch den Hypothekarmarkt dominieren. Wir wollen pro Jahr einige Milliarden in Hypotheken investieren und kommen nicht mit dem Hammer in den Markt. Wir streben einen prozentual tiefen, einstelligen Marktanteil an. Auch Pensionskassen und Versicherer sind in den Hypothekenmarkt eingetreten, ohne, dass ein ruinöser Preiskampf ausgelöst wurde. Den werden auch wir nicht lostreten, denn der Preis ist nur ein Unterscheidungskritierium. Wir wollen bei unseren Kundinnen und Kunden auch mit Service-Qualität punkten.

Der Schweizer Hypothekarmarkt wächst seit Jahren und ist auf rund eine Billion Franken angestiegen:

Wer hat am meisten Anteile im Land? Diese Grafik zeigt die Stärke der Raiffeisen:

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