«Wir wünschen uns viele Denner-Kinder»

Der neue Denner-Chef Peter Bamert sieht eine steigende Akzeptanz der Discounter. Ab Mai verkauft der nach Coop zweitgrösste Weinhändler seine Tropfen auch im Internet. Und neben Elmex bezieht Denner drei weitere Produkte via Parallelimport aus dem Ausland.

Denner-Chef Peter Bamert sieht beim Wein Umsatzpotenzial.

Bruno Schlatter

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Herr Bamert, es gibt Migros-Kinder, und es gibt Coop-Kinder. Wird es bald auch Denner-Kinder geben?
Wir wünschen uns natürlich sehr viele Denner-Kinder. Aber der Kunde wählt seinen Einkaufsort heute anders aus, als das vor ein, zwei Generationen der Fall war. Im Vordergrund steht die Nähe zum Kunden, die Erreichbarkeit, und da ist Denner mit seinen 752 Filialen sehr gut aufgestellt.

Anders als früher verkauft Denner heute auch Früchte und Gemüse und generell mehr Frischwaren. Wie weit sind Sie in diesem Bereich?
Das Frische-Konzept hat man vor drei Jahren initiiert, mittlerweile sind gegen 70 Prozent aller Läden umgestellt. Bei den anderen ist das zum Teil nicht möglich, weil sie zu klein sind, und wenn ein genereller Umbau ansteht, warten wir mit der Umstellung zu. Bei den Kunden kommt die Frische gut an. Für uns ist sie ein Frequenzbringer, und Frequenz ist das A und O im Detailhandel.

Trotz neuem Konzept: Filialen von Aldi und Lidl wirken oft frischer und sauberer als Denner-Filialen.
Da muss ich Ihnen widersprechen: Unsere Läden sind sauber und einladend. Aber unser Filialnetz ist historisch gewachsen. Von Ausnahmen abgesehen, hat Denner nicht auf der grünen Wiese Schuhschachteln hingestellt, sondern ist in Dorfzentren und Quartieren und arbeitet mit bestehender Bausubstanz. Doch die Läden sind übersichtlich, und die Kunden fühlen sich wohl.

In kleinen Denner-Filialen muss man an der Kasse oft lange warten. Ist Ihre Personaldecke zu dünn?
Nein, wir haben überall zwei oder mehr Kassen. Aber wir planen die Einsätze nach den Kundenströmen, und da kann es schon sein, dass man mal etwas länger warten muss, bis eine zusätzliche Kasse öffnet. Wir sind ein Discounter, und als solcher schauen wir auf die Kosten. Gleichzeitig arbeiten wir laufend daran, die Kundenfreundlichkeit weiter zu verbessern.

Das Frische-Sortiment befriedigt Sie nach eigener Aussage noch nicht ganz. Weshalb?
Habe ich das so gesagt? Vielleicht habe ich gemeint, dass ich am liebsten in jedem Laden das ganze Frische-Angebot hätte. Aber als Händler sind wir ständig am Optimieren. Von 1900 Artikeln sind aktuell 450 im Frische-Bereich.

In der Branche heisst es, Denner fehle für Früchte und Gemüse die Fachkompetenz. Was sagen Sie dazu?
Der Kunde sieht das offensichtlich anders, denn wir setzen Jahr für Jahr mehr um. Vielleicht bieten wir etwas weniger Marktatmosphäre als andere, aber unser Sortiment ist übersichtlich.

Rentiert das Segment, oder machen Sie eine Mischrechnung, weil Sie damit Kunden in die Läden holen?
Der Bereich ist für sich rentabel.

Sie wollen nicht nur mehr Frische, sondern auch mehr Wein verkaufen. Wie wollen Sie das erreichen?
Wir sind die Nummer zwei im Schweizer Weinhandel und decken bis zu einem Preis von etwa 30 Franken alle wichtigen Provenienzen ab. Zudem sind wir der grösste Bordeaux-Grand-Cru-Verkäufer. Bei Weinen zwischen 15 und 30 Franken sehen wir noch Potenzial.

Wie wollen Sie das ausschöpfen?
Spätestens Anfang Mai wird man Weine bei uns auch online bestellen können. Das Bestellen im Internet wird immer populärer. Weil wir unsere Markstellung ausbauen wollen, müssen wir da präsent sein. Wir werden damit neue Kunden erreichen und erwarten keine Kannibalisierung der Umsätze in den Läden. Im Denner-Wineshop werden alle 300 Flaschenweine erhältlich sein, die wir national verkaufen – zu den gleichen Preisen wie in der Filiale.

Heisst das, Ihr Weinsortiment sieht in jeder Region anders aus?
Wir ergänzen das Sortiment in den Läden mit regionalen Spezialitäten, im Tessin etwa finden Sie mehr Merlot.

Was kostet die Hauszustellung?
Wir werden eine Pauschale verlangen, die unsere Kosten decken soll. Testen Sie uns mit der ersten Bestellung.

Denner verkauft 75 Prozent Markenartikel, 25 Prozent eigene Marken. Bleibt es bei diesem Mix?
Als Discounter konzentriert man sich auf die sogenannten Schnelldreher, die von den Kunden am meisten gekauften Artikel. Das sind sehr oft Markenartikel. Daneben führen wir oft ein günstigeres, aber qualitativ gleichwertiges Produkt der eigenen Marke. In Zukunft wird das vielleicht noch etwas mehr der Fall sein. Aber wir ändern die Strategie nicht, der Trend geht seit Jahren in die Richtung. Eigenmarken schaffen Kundenbindung und machen einen Anbieter einzigartig.

Dank Parallelimport gibt es Elmex im Denner nun 15 Prozent günstiger. Sind solche Abschläge demnächst bei weiteren Artikeln zu erwarten?
Wir suchen laufend nach neuen Möglichkeiten, parallel zu importieren und so die Preise zu senken. Gelungen ist uns dies auch bei der Zahnpasta Meridol, ebenfalls aus dem Hause Gaba, und bei Damenhygieneartikeln der Marken o.b. und Always. Da konnten wir dank Beschaffung im Parallelmarkt ebenfalls die Preise senken.

Lidl Schweiz beschafft ja Produkte von Mars via deutsches Mutterhaus. Fühlen Sie sich benachteiligt?
Sicher ist das eine Einschränkung; der Schweizer Konsument wird zudem bestraft. Wir sind mit den Konzernen der Markenartikelindustrie laufend am Verhandeln und wollen auch zu Europa-Preisen beschaffen, aber sie sperren sich dagegen. Es ist nach wie vor so, dass Sie als Konsument gewisse Artikel beim Discounter im Ausland zu einem Preis erhalten, der unter unserem Einstandspreis liegt. Das ist stossend und ungerecht, und deshalb wird Denner weiterhin dagegen ankämpfen.

2010 will Denner 10 bis 15 neue Standorte eröffnen. Ersetzen diese zum Teil bestehende Läden?
Nein, das sind ganz neue Standorte. In den ersten vier Monaten haben wir bereits vier Läden eröffnet. Wir wollen die noch vorhandenen Lücken im Filialnetz schliessen und in erster Linie qualitativ wachsen, nicht zuletzt auch mit dem Pavillonkonzept, das Denner und Migros unter einem Dach vereint.

Wie laufen diese Kombi-Filialen?
Sehr gut. Der Standort Rüschlikon zum Beispiel ist ohne Anlaufzeit durchgestartet. Die Nähe von Migros und Denner wird vom Kunden geschätzt und bringt beiden Partnern Vorteile. Der einzige Unterschied zu anderen ist, dass die Verkäufe in der zweiten Wochenhälfte deutlich zunehmen.

2010 dürfte für den Detailhandel ein schwieriges Jahr werden. Und für Denner erst recht, weil die Discounter ihr Netz weiterausbauen. Was sind Ihre Erwartungen?
Ich denke tatsächlich, dass es kein einfaches Jahr sein wird. Die Arbeitslosenquote ist nach wie vor relativ hoch – das schlägt auf die Konsumentenstimmung. Die Konkurrenz wird härter, und auch die Preissensitivität nimmt weiter zu. Aber das Segment Discount wird in der Schweiz weiter an Beliebtheit zunehmen, denn im Ausland ist der Marktanteil derzeit noch viel grösser. Der Discounter ist heute salonfähig. Weil wir preislich attraktiv und mit unseren Läden nahe beim Kunden sind, bin ich für Denner somit zuversichtlich.

Mit Peter Bamert sprach Romeo Regenass

Erstellt: 21.04.2010, 22:20 Uhr

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