Roaming

«Wir zeigen der Politik, dass sich der Markt bewegt»

Der Swisscom-Chef sagt, Roaming-Tarife könnten nicht politisch festgelegt werden. Wegen des neuen Roaming-Angebots will er nun sparen.

«Wir werden im Ausland höhere Einkaufskosten haben»: Urs Schaeppi, der 54-jährige Ingenieur und Betriebswirtschafter, steht seit November 2013 an der Unternehmensspitze der Swisscom.

«Wir werden im Ausland höhere Einkaufskosten haben»: Urs Schaeppi, der 54-jährige Ingenieur und Betriebswirtschafter, steht seit November 2013 an der Unternehmensspitze der Swisscom.

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Hat die Swisscom die Roaming-Tarife gesenkt beziehungsweise abgeschafft, weil die Politik hier seit Jahren Druck macht?
Das neue Angebot haben wir aufgrund von Kundenbedürfnissen entwickelt. Immer mehr Kunden nutzen heute ein Smartphone und wollen dieses auch im Ausland nutzen. Das neue Angebot hilft uns aber sicher auch auf der politischen Schiene. Wir können der Politik zeigen, dass sich der Markt bewegt – und er die Roaming-Preise schneller senkt, als es ein Gesetz tun würde.

Im Parlament sind zwei Vorstösse hängig, die darauf abzielen.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte, wenn die Politik die Roaming-Preise festlegen würde. Schliesslich müssen wir unsere Einkaufspreise mit den ausländischen Mobilfunkgesellschaften aushandeln. Wir können diese Preise nicht selbst festlegen.

Der Swisscom-Handykunde gibt pro Jahr im Durchschnitt 88 Franken für Telefongespräche, SMS und Surfen im Ausland aus. Das Gratis-Roaming in Europa wird Sie nun viel Umsatz kosten.
Das ist so, es geht um rund 100 Millionen Franken. Wir werden diesen Rückgang aber teilweise kompensieren – mit zusätzlich verkauften Datenpaketen, mit Kunden, die zu einem teureren Abo wechseln, und wir hoffen auch auf Neukunden. Den anderen Teil des Umsatzrückgangs werden wir kompensieren müssen, indem wir effizienter arbeiten und sparen.

Swisscom-Kunden werden nun im Ausland mehr telefonieren und mehr im Internet surfen. Werden Sie den ausländischen Netz­anbietern mehr bezahlen müssen?
Ja, wir werden im Ausland höhere Einkaufskosten haben.

Ihre Konkurrentin Orange hat einen neuen Besitzer, der für Billigpreis­strategien bekannt ist. Wollen Sie mit Ihrer Offensive neuen Angeboten von Orange zuvorkommen?
Die Roaming-Kosten sind bei unseren Kunden ein Thema, deshalb haben wir das neue Angebot lanciert. 70 Prozent unserer Kunden kaufen sich neu ein Smartphone und wollen heute auch im Ausland so kommunizieren wie zu Hause. Die Kunden entscheiden sich jedoch nicht primär wegen des Roamings für oder gegen einen Anbieter und ein Abo; hier sind andere Faktoren wichtiger.

Wie bewerten Sie das Roaming-Angebot, das Sunrise am Dienstag lanciert hat?
Tarife der Konkurrenz kommentiere ich nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.02.2015, 21:12 Uhr

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