Wird Roger Federer jetzt zum Papst?

Der Tennisstar hat ein Tabu gebrochen und sich zum ersten Mal politisch geäussert. Mit dem richtigen Feingefühl darf er dies durchaus wiederholen.

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Er hat es tatsächlich getan. Völlig überraschend brachte Roger Federer seine Bewunderung für die Klimajugend um Greta Thunberg zum Ausdruck und stellte sich damit in aller Öffentlichkeit gegen die von der Bewegung heftig kritisierte Credit Suisse – einer seiner Hauptsponsoren –, mit der er «den Dialog nutzen» wolle.

Es ist in der Sportgeschichte wohl einmalig, dass ein globaler Superstar bei einem derart grossen und brisanten Politthema seinen Geldgeber provoziert. Tatsächlich muss man dazu schon die Aura eines Federer haben, und vielleicht muss es dabei auch um die Rettung der Erde gehen, dass solches überhaupt geschehen kann.

«Roger Federer muss nicht zur mahnenden Stimme wie der Papst oder der UNO-Generalsekretär werden.»

Auf jeden Fall setzt der 38-Jährige damit einmal mehr neue Massstäbe. Bisher haben es Sportler tunlichst vermieden, Konflikte mit ihren Sponsoren zu riskieren – egal, in welche Händel oder Skandale diese verwickelt waren. Federer unterliess es in seiner langen Karriere bislang, sich überhaupt politisch zu äussern – obwohl er regelmässig dazu aufgefordert worden war. Er sei in diesen Dingen kein Experte und könne und wolle deshalb nichts dazu sagen, entschuldigte er sich jeweils. Es war die perfekte Antwort, um sich elegant aus allen Anfragen und Bittstellungen herauswinden zu können.

Seit vergangenem Samstag funktioniert dieser Trick nicht mehr. Nachdem Federer das bislang geltende Tabu selber gebrochen hat, werden fortan Aktivistinnen und Journalisten mit einigem Recht fragen, warum er seine Popularität nicht auch für den Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen, Homosexuellen und Oppositionellen in seinem Zweitwohnsitz Dubai oder gegen die teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen von Sportartikelherstellern einsetzen könne.

Roger Federer muss nicht zur mahnenden Stimme wie der Papst oder der UNO-Generalsekretär werden. Aber im richtigen Moment, mit der gebotenen Zurückhaltung und ebenso klug wie fein austarierten Statements könnte er tatsächlich mit ganz wenig ganz viel bewirken.

Und da er für manche fast zu perfekt und zu glatt ist, würde er damit an Profil gewinnen. Zu verlieren hat er nichts, noch braucht er sich vor irgendwas zu fürchten. Weil, hey, er ist schliesslich Roger Federer.



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Erstellt: 12.01.2020, 18:26 Uhr

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