Wird die Schweiz zum Paradies für Hedgefondsmanager?

Mit harten Bandagen geht die EU nun gegen Finanzakrobaten vor, um zerstörerische Spekulationen auf Länder und Währungen künftig zu verhindern. Hedgefondsmanager könnten in der Schweiz Zuflucht finden.

George Soros hat sich einst mit zerstörerischen Spekulationen gegen das britische Pfund einen Namen in der Finanzwelt gemacht. Heute sieht er sich als Philantrop.

George Soros hat sich einst mit zerstörerischen Spekulationen gegen das britische Pfund einen Namen in der Finanzwelt gemacht. Heute sieht er sich als Philantrop. Bild: Keystone

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Die Tinte auf dem EU-Papier zur Regulierung der Hedgefondsmanager ist kaum trocken. Seit wenigen Wochen ist verbrieft, dass Hedgefondsmanager nicht mehr tun können, was sie wollen. Jetzt geht es ans Eingemachte, die Richtlinie wird technisch umgesetzt. Wurden bisher nur juristische Personen, also Hedgefondsfirmen angesprochen, so geht es nun um die Manager selbst, die strenger kontrolliert werden sollen. Sowohl, was ihre Geschäftspraktiken betrifft, als auch ihre Entlöhnung.

Für die Schweiz könnten in der Folge goldene Zeiten anbrechen: «Die EU will ein Vergütungslimit einbauen. Da könnten noch sehr viele Hedgefondsmanager in die Schweiz kommen», heisst es von der Swiss Funds Association (SFA). Man-Investments-Sprecher Marc Duckeck: «Die Schweiz ist für Hedgefonds attraktiv, weil nach wie vor viele Investoren hier ihren Sitz haben. Mit Zürich und Genf bietet sich den Vermögensverwaltern eines der dichtesten Netze an Investoren und Privatbanken weltweit. Hinzu kommt natürlich auch der relativ niedrige Steuersatz, der es für einige interessant macht, hier zu leben und zu arbeiten.» Mussten die Manager in London 50 Prozent Steuern zahlen, sind es in Genf nur 40 Prozent. Überdies wurden die Aufsichtsregeln in Grossbritannien verschärft. Investor Mike Lielacher und einst Börsenguru aus Österreich: «Das Kapital ist mobil, die Manager auch. Viele Hedgefondsmanager haben ihren Arbeitsplatz übers Wochenende spontan in die Schweiz verlegt, um den höheren britischen Steuern und den schärferen Regeln zu entkommen.»

«Skandalöse» Gagen

Den Diskussionen im Ausland um die Flucht vor dem Fiskus kann sich die Schweiz nicht mehr entziehen. Im Kreuzfeuer der internationalen Kritik wegen der angeblichen Beihilfe zur Steuerhinterziehung will die Schweiz deshalb kein Risiko eingehen und tritt die Flucht nach vorne an: Die Finanzmarktaufsicht (Finma) formuliert für die Schweiz neue Regeln, die so eng formuliert sein sollen, dass sich Hedgefonds künftig auch hierzulande zusammenreissen müssen. Bei dieser Revision sind Bestimmungen vorgesehen, die zum Ziel haben, «dass die Schweiz nicht Anziehungspunkt von Anbietern wird, die in anderen Ländern nicht mehr arbeiten dürfen». Umgekehrt soll für Anbieter aus der Schweiz unverändert die Möglichkeit bestehen, ihre Leistungen im EU-Raum anzubieten.

Die Regelungen sowohl in der EU als auch in der Schweiz - sind laut Hato Schmeiser, Professor und Risiko-Experte an der Universität St. Gallen längst überfällig, die Hedgefonds seien ausser Rand und Band geraten: «Einzelne Manager haben dort so viel verdient, dass man das Bauchgefühl nicht mehr los wird, der Letzte in der Nahrungskette zu sein. Der gesunde Menschenverstand kann das nur noch als skandalös bezeichnen.» Laut Hedge Fund Research hat der Chef des US-Hedgefonds Appaloosa Management, David Tepper, im Jahr 2009 die höchste Hedgefonds-Gage aller Zeiten von vier Milliarden Dollar abgeräumt. Auf Platz zwei landete Investor George Soros mit einem Einkommen von 3,3 Milliarden Dollar. Die Politik trägt laut Schmeiser die Hauptschuld an diesen Entwicklungen, indem sie durch Steuerbegünstigen und fehlende Regeln Oasen für Hedgefonds geschaffen habe. Trotz neuer Reglemente der Finma in der Schweiz, die auch für Hedgefonds-Managerboni gelten sollen, hofft Schmeiser weiter auf eine Selbstregulierung der Hedgefonds. Denn nach den bestehenden Regeln gibt es zwischen den Ländern nach wie vor zu viele Umgehungsmöglichkeiten.

Singapur und Hongkong boomen

«Die stärkste Zuwanderung an Hedgefondsmanagern gibt es derzeit in Singapur und Hongkong», so Börsenguru Lielacher, ein Trend, den auch die SFA offiziell bestätigt: «Die Wachstumsraten sind in Singapur und Hongkong am höchsten.» Doch in absoluten Zahlen konzentriert sich das meiste Hedgefondskapital immer noch auf die USA. Rund 78 Prozent der Hedgefondsfirmen residieren in New York und Chicago, rund zwölf Prozent in London, und der Rest entfällt auf die Schweiz, Singapur und Hongkong. Das weltweite Hedgefondsvermögen beläuft sich auf 2000 Milliarden US-Dollar. Davon liegen 1580 Milliarden in den USA, 240 Milliarden in Grossbritannien und etwas weniger als 180 Milliarden in der Schweiz. Hierzulande macht das Volumen der Hedgefonds allein rund ein Fünftel des gesamten Fondsvolumens von fast 800 Milliarden Dollar aus (640 Milliarden Franken).

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.07.2011, 06:24 Uhr

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