Wo Hayeks Aufstieg begann

Nicolas G.Hayek war Präsident des Weltkonzerns Swatch. Seine ersten Erfahrungen sammelte er aber im Berner Seeland in einer Giesserei.

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Am 22.Januar 1954 betrat ein Mann die Gemeindeverwaltung in Kallnach und sagte, er wolle sich anmelden. Als «Hayek Mezger Nicolas» ist er im Archiv der Gemeindeschreiberei vermerkt, «zugezogen von Beirut». Niemand konnte damals wissen, dass der Zugezogene gut 30 Jahre später die Schweizer Uhrenindustrie retten würde und bei seinem Tod am 28.Juni 2010 Trauerbotschaften aus der ganzen Welt für den Verwaltungsratspräsidenten der Swatch Group eintreffen würden.

Hayeks erster Arbeitsplatz in der Schweiz befand sich an der Fabrikstrasse: Die Eisengiesserei Ed. Mezger. Eduard Mezger hatte 1946 die stillgelegte Giesserei gepachtet und 1949 gekauft. Ein paar Jahre zuvor hatte sich Hayek in Beirut in Mezgers Tochter Marianne verliebt, die als Au-pair in einer libanesischen Familie arbeitete. 1951 heirateten die beiden.

Alleine an der Spitze

In Kallnach kam Nicolas G. Hayek zu seiner ersten Führungsposition. Nachdem Schwiegervater Eduard Mezger einen Schlaganfall erlitten hatte, übernahm Hayek das Ruder. Dies trotz erheblicher Hürden: Seine Deutschkenntnisse waren noch rudimentär, seine berufliche Erfahrung gering. Bald hatte er sich aber Autorität verschafft, da er auch selber mal Hand anlegte und den Kontakt mit der Belegschaft suchte. 1956 reiste Hayek alleine an die Internationale Giessereifachmesse nach Düsseldorf, stellte einen kleinen Stand auf und betrieb Networking. Bald konnte er erste Erfolge vorweisen. So erteilten die SBB einen Grossauftrag für die Lieferung von Bremsbelägen.

Differenzen mit Mezger

Am 11.Juni 1954 meldete sich Hayek in Kallnach ab und zog mit der Familie nach Aarberg. Hayeks Schwiegervater erholte sich wieder von seinem Hirnschlag und kehrte ins Unternehmen zurück. Offenbar verstanden sich Mezger und Hayek aber nicht sehr gut. Schwager Fritz Mezger, der 1962 ins Unternehmen eintrat, dieses ab 1976 führte, heute aber nicht mehr darin tätig ist, hat gegenüber Hayek-Biograf Jürg Wegelin bestätigt, dass das Verhältnis angespannt gewesen sei. Weitere Angaben machte er auch gegenüber dieser Zeitung nicht. Jedenfalls verliess Hayek kurz nach Wiedereintritt seines Schwiegervaters die Giesserei und gründete sein eigenes Unternehmen.

Am 11.September 1957 zogen die Hayeks ins aargauische Schinznach-Bad. Bereits zuvor hatte er in Zürich eine Filiale der Beratungsfirma Knight Wendling gegründet. Nach einer sehr harzigen Anfangsphase folgten erste Aufträge in Deutschland, Hayek erarbeitete sich erste Erfolge, verdiente Geld, baute ein Haus in Meisterschwanden AG und gründete seine eigene Hayek Engineering.

Der Rest ist beeindruckende Geschichte.

Quellen: Jürg Wegelin: «Mister Swatch. Nicolas Hayek und das Geheimnis seines Erfolgs» (Nagel & Kimche); Nicolas G. Hayek: «Im Gespräch mit Friedemann Bartu. Ansichten eines Vollblut-Unternehmers» (Verlag Neue Zürcher Zeitung).

(Berner Zeitung)

Erstellt: 05.07.2010, 07:52 Uhr

Kallnach BE

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