Wo das Bussenbarometer steht

Die Rechtskosten von Credit Suisse und UBS steigen seit der Finanzkrise stark an – und haben mittlerweile eine erstaunliche Höhe erreicht.

Fast alle Bussgelder der Grossbanken flossen in die USA: Das Department of Justice in Washington. Foto: Keystone

Fast alle Bussgelder der Grossbanken flossen in die USA: Das Department of Justice in Washington. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mehr als 260 Milliarden Dollar – so hoch ist die Schätzung der Busszahlungen, die die achtzehn grössten europäischen und amerikanischen Banken seit der Finanzkrise begleichen mussten. Die Aufstellung der Beträge nach Jahren zeigt zwar deutlich, dass der Höhepunkt 2014 mit 65 Milliarden Dollar überschritten wurde und die Bussenlast seither abnimmt (vgl. Grafik unten). Doch ausgestanden ist die Sache nicht.

Bussenzahlungen seit der Finanzkrise

Grafik vergrössern

UBS hat sich jüngst einer weiteren Altlast entledigt, als sie mit der Staatsanwaltschaft von New York gegen Zahlung von 230 Millionen Dollar einen Streitfall beilegte – wegen Tricksereien mit den mit Wohnhypotheken besicherten Wertpapieren vor der Finanzkrise. Die britische Barclays hat vor Wochenfrist ebenfalls für solche Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) einen Deal mit der US-Justizbehörde DoJ geschlossen.

Diese RMBS sind die insgesamt teuersten Altlasten. Mehr als 150 Milliarden Dollar haben Banken bislang wegen minderwertiger Verbriefungen bezahlt. Spitzenreiter ist Bank of America, die allein rund ein Drittel dieser Summe aufbringen musste. Sie belegt nicht nur die Spitze, sondern erscheint gleich drei Mal in der Liste der bislang teuersten Rechtsfälle (vgl. Tabelle unten).

Die 10 bislang kostspieligsten Einigungen

Grafik vergrössern

Hart getroffen wurden auch die beiden Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS: Eine Aufstellung von «Finanz und Wirtschaft» zeigt, dass UBS seit 2009 für Rechtsfälle fast 12 Milliarden Franken aufwenden musste. Bei Credit Suisse summieren sich die Bussen sowie bestehende Rückstellungen auf gut 13 Milliarden Franken Im Vergleich zu dem über die Periode erwirtschafteten Vorsteuergewinn hat UBS knapp ein Drittel für Rechtsstreitigkeiten aufgewendet, Credit Suisse fast die Hälfte.

Deutliche Unterschiede gibt es bei den Themen, für die die beiden Schweizer Grossbanken büssten. Auf den ersten Blick ins Auge sticht die hohe Summe von 5,3 Milliarden Dollar, die Credit Suisse für die Beilegung des RMBS-Falles mit dem DoJ bereitstellen musste. 2,5 Milliarden Dollar davon flossen direkt. 2,8 Milliarden Dollar muss die Bank für künftige Erleichterungen für US-Wohnhypothekarnehmer zur Verfügung stellen. Es ist diese Einigung, die die bisherigen Rechtskosten der Credit Suisse aktuell über diejenigen der UBS hebt. Doch UBS gehört neben Royal Bank of Scotland und HSBC zu den wenigen Banken, die noch keine entsprechende Einigung mit dem DoJ eingegangen sind – auch wenn sie in anderen RMBS-Fällen bereits Zahlungen leisten mussten.

Die Rechtskosten der CS

Grafik vergrössern

Gemäss Informationen von «Finanz und Wirtschaft» erwägt UBS, in diesem Fall statt einer Ablasszahlung vor Gericht zu gehen. Diesen Weg hatte bereits Barclays eingeschlagen. Die Briten haben sich diese Woche dennoch auf einen Vergleich mit dem DoJ eingelassen. Statt wie ursprünglich gemunkelt mit 5 Milliarden Dollar kam Barclays nun mit einer Zahlung von 2 Milliarden Dollar davon. Credit Suisse und UBS waren vor der Finanzkrise allerdings deutlich grössere Player im RMBS-Bereich.

Die Rechtskosten der UBS

Grafik vergrössern

Credit Suisse ihrerseits plant gemäss FuW-Informationen, in dem noch offenen RMBS-Fall mit der New Yorker Staatsanwaltschaft – den UBS soeben für 230 Millionen Dollar beigelegt hat – vor Gericht zu gehen.

Auffallend ist, dass die Kosten für die diversen Steuerstreite bei Credit Suisse ebenfalls deutlich stärker zu Buche geschlagen haben als bei UBS. Ausschlaggebend dafür waren die Zahlungen in die USA. UBS einigte sich früh. Sie stand damals so stark unter Druck, dass die USA auf Lieferung von Kundendaten pochen konnten. Dafür beschränkten sie sich auf die Eintreibung entgangener Steuereinnahmen und verzichteten angesichts der Finanzkrise auf darüber hinausgehende Bussen. Bei Credit Suisse summierte sich allein die Strafkomponente auf 1,3 Milliarden Dollar.

Steuerthemen weiter hängig

In den Rechtskosten der UBS noch nicht enthalten ist allerdings die Kaution über 1,1 Milliarden Euro, die sie in Frankreich wegen des Vorwurfs der Beihilfe zu Steuerhinterziehung hinterlegen musste. UBS hatte eine Einigung ausgeschlagen und entschieden, vor Gericht zu ziehen. Die Rückstellungen für diesen Fall belaufen sich auf aktuell weniger als 200 Millionen Franken

Zu den grossen Bussenthemen der UBS gehört weiter die Marktmanipulation: Der Libor-Fall ist mit Einigungen über 1,4 Milliarden Dollar ihre bislang teuerste Altlast. Sie musste dafür zudem ein strafrechtlich relevantes Schuldeingeständnis ablegen, nachdem die Manipulationen im Devisenhandel sie zur Wiederholungstäterin gestempelt hatten. Den ganz grossen Bussen ist sie im Währungsfall dank Selbstanzeige jedoch entgangen. Dies wird auch für den noch offenen Devisenfall der Europäischen Kommission erwartet, der andere Banken teuer zu stehen kommen könnte.


Was noch droht

Credit Suisse hält für künftige Rechtsfälle Rückstellungen von 750 Millionen Franken bereit. Die Bank ist in zahlreiche zivile RMBS-Verfahren involviert. In einem Kreditfall haben Kläger kürzlich vor Gericht einen Schadenersatzanspruch über 351 Millionen Franken zugesprochen erhalten. Credit Suisse will Berufung einlegen. Behördliche Untersuchungen laufen wegen Finanzierungsgeschäften in Mosambik. Das Wealth Management kämpft mit Kunden, die wegen Fehlverhalten von Beratern Verluste erlitten. Die Bank ist in den Fifa-Fall involviert. Ausserdem ermitteln Behörden in Grossbritannien, den Niederlanden und Frankreich zum Vermögensverwaltungsgeschäft.

Das Sicherheitspolster der UBS beträgt 2,5 Milliarden Franken. Die grössten pendenten Fälle der Bank liegen im Bereich RMBS – insbesondere eine Lösung mit der US-Justiz. Ausserdem sind im Bereich zivile Schadenersatzansprüche ausstehend. Auch zum Thema Marktmanipulation laufen noch Untersuchungen, wobei kaum mehr hohe Bussen drohen. Gewichtig ist eine Kaution über 1,1 Milliarden Euro, die UBS in Frankreich wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Steuerhinterziehung hinterlegen musste. Die Bank will sich dagegen vor Gericht wehren. Zum grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft laufen zudem Untersuchungen in Belgien. (Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 13.04.2018, 12:46 Uhr

Artikel zum Thema

CS läuft UBS den Rang ab

Lange war die UBS das Vorzeigemodell. Doch jetzt holt die Credit Suisse sie ein. Mehr...

Milliardenbusse nach fragwürdigen Bankgeschäften

Es wäre die höchste Strafe, die die USA je einer ausländischen Bank aufbrummen. Die Deutsche Bank zittert, der Aktienkurs rasselt in den Keller. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Dürre: Ein Teich in der Nähe der texanischen Ortschaft Commerce ist vollständig ausgetrocknet. Für die nächsten zehn Tage werden in der Region Temperaturen von mehr als 37.7 Grad erwartet. (16.Juli 2018)
(Bild: Larry W.Smith/EPA) Mehr...