Wo das Interesse an Schweizer Uhren sinkt

Der Schweizer Uhrenexport ist im ersten Halbjahr 2013 nur um 0,8 Prozent gestiegen. Bisher konnte die Branche mit zweistelligen Zuwachsraten glänzen. Bei einzelnen Ländern ist der Einbruch drastisch.

Der Export von Schweizer Uhren nach Grossbritannien stieg um 28,4 Prozent: Besucher an der Messe Basel World.

Der Export von Schweizer Uhren nach Grossbritannien stieg um 28,4 Prozent: Besucher an der Messe Basel World. Bild: Keystone

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Die Schweizer Exportindustrie entwickelt sich angesichts der anhaltenden Eurokrise weiterhin bescheiden. Sie hält sich aber im grünen Bereich und schliesst das erste Halbjahr 2013 mit einem Plus von 0,4 Prozent ab. Die Ausfuhren der Uhrenindustrie stagnierten nahezu.

Insgesamt beliefen sich die Schweizer Exporte im ersten Semester auf 100,28 Milliarden Franken. Im zweiten Quartal lief das Geschäft besonders gut, stand doch ein Plus von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu Buche. Alles in allem kommt die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) in ihrer Mitteilung zum Schluss, der Aussenhandel habe sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres «wenig bewegt».

Die grösste Steigerung von allen Exportbranchen verzeichnete die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Sie konnte die Ausfuhren um 9,6 Prozent vergrössern. Mit einem Wert von 4 Milliarden Franken machen ihre Ausfuhren jedoch nur 4 Prozent aller Schweizer Exporte aus. Zugelegt hat auch der mit 41,3 Milliarden Franken wichtigste Exportsektor, die Pharma- und Chemieindustrie. Hier wurde ein Zuwachs von 3,9 Prozent verzeichnet.

Stagnation auf hohem Niveau

Die Schweizer Uhrenindustrie könnte derweil nach Jahren des schier ungebremsten Wachstums an eine Grenze gestossen sein. Die Ausfuhren der Uhrenbranche stiegen nur noch um 0,8 Prozent. Bis anhin hatten sie jeweils mit zweistelligen Zuwachsraten geglänzt, vor einem Jahr etwa hatten sie sich um satte 16,5 Prozent vergrössert.

Der Januar habe noch auf dem Niveau des Vorjahres abgeschnitten, teilte der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH mit. In den Monaten Februar, Mai und Juni sei dann jedoch ein Exportrückgang von rund 3 Prozent verzeichnet worden. Damit ist auf hohem Niveau eine erste Stagnation eingetreten. Der Uhrenverband betont, das Wachstum halte durchaus an, einfach auf einer bescheideneren Grundlage.

Insgesamt beliefen sich die Ausfuhren der Uhrenindustrie auf 10,2 Milliarden Franken. Grösster Abnehmer ist unverändert Hongkong mit 2 Milliarden Franken Wertanteil, auch wenn dies 11,1 Prozent weniger als im Vorjahr entspricht. Um 1,1 Prozent auf 1,09 Milliarden Franken kletterten die Exporte ins zweitgrösste Absatzland USA. Auch an die grossen Abnehmer in der EU wurden mit Ausnahme von Frankreich mehr Uhren geliefert.

Gesamthaft betrachtet waren Schweizer Produkte in der EU weniger gefragt, nahmen die Ausfuhren zum wichtigsten Handelspartner Deutschland gemäss den Angaben der EZV doch um 6 Prozent und in die EU allgemein um 1 Prozent ab. Die Exporte in Richtung Nord- und Lateinamerika ihrerseits legten zu: Die USA bezogen 5 Prozent mehr Güter, Kanada 13 und Argentinien gar 36 Prozent mehr.

Im Monat Juni allein beliefen sich die Ausfuhren aller Industrien auf 16,7 Milliarden Franken und damit 1,2 Prozent weniger als im Juni 2012. Wie die EZV aber ausführt, ist dies einem fehlenden Arbeitstag im Gegensatz zum Vorjahresmonat geschuldet. Um diesen Effekt bereinigt legten die Exporte um 3,3 Prozent zu.

Die Importe schliesslich verringerten sich im Juni bereinigt um den Sondereffekt um 0,4 Prozent. Über die gesamten sechs Monate gerechnet verringerten sich die Einfuhren um 0,6 Prozent und betrugen somit 87,93 Milliarden Franken. Für die Handelsbilanz ergibt dies einen neuerlichen Rekordüberschuss von 12,3 Milliarden Franken. (wid/sda)

Erstellt: 18.07.2013, 11:31 Uhr

Uhrenexport im ersten Halbjahr 2013

Land Wert in Mio. CHF Veränderung zum ersten Halbjahr 2012

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