Hintergrund

Wo steht die Börse Ende 2012?

Seit Anfang Juni haben die Aktienmärkte rund 15 Prozent zugelegt. Auch die Bilanz 2012 fällt nach drei Quartalen positiv aus. Kommt es gar noch zu einem Jahresendrally? Die Prognosen von drei Analysten.

Solche Börsentage gab es in den letzten Monaten einige: Handel in Frankfurt am 20. September 2012, als es kräftig aufwärts ging.

Solche Börsentage gab es in den letzten Monaten einige: Handel in Frankfurt am 20. September 2012, als es kräftig aufwärts ging. Bild: Reuters

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Am besten stehen im Börsenjahr bisher die amerikanische Technologiebörse Nasdaq und der deutsche Aktienindex DAX da. Beide Indizes haben im laufenden Jahr über 20 Prozent zugelegt. Bei der Nasdaq muss man sagen: trotz Absturz der Facebook-Aktie. Die Gründe für die positive Entwicklung bei Nasdaq und DAX: Zyklische Titel – Unternehmen die sich stärker mit der Konjunktur entwickeln – legten überproportional zu. Bernt Hartmann von der Liechtensteiner VP Bank dazu: «Die Erwartungen waren zu Beginn des Jahres sehr negativ. Da brauchte es für eine Aufwärtsbewegung nur wenig positive Nachrichten.»

Der Schweizer Börsenindex SMI legte in den letzten knapp vier Monaten von rund 5700 Punkten auf über 6600 Punkte zu, ein Anstieg von 16 Prozent. Anfang Juni war die Unsicherheit mit der Wahl in Griechenland besonders gross, die Grexit-Angst machte die Runde. Seither aber beruhigte sich die Lage.

SMI: Rückgang auf 6200 Punkte, oder noch höher

Wo aber steht der SMI Ende Jahr? «Bis Ende Jahr sehen wir bei den Aktien einen Rückgang von fünf bis zehn Prozent. Beim SMI haben wir die Zielgrösse 6200 Punkte», sagt Sarasin-Chefanalyst Philipp Bärtschi. Der Grund: «Die Märkte haben sich von den makroökonomischen Bedingungen entkoppelt und überproportional zugelegt. Jetzt kommt die Korrektur.» Bärtschi glaubt, dass viele Unternehmen nun bei der Gewinnentwicklung enttäuschen werden. «Das hat man zum Beispiel schon bei Intel gesehen, Nike hat ebenfalls die Erwartungen zurückgenommen.»

Auch für Hartmann ist an den Aktienmärkten fürs Erste Ende der Fahnenstange: «Ende Jahr liegen wir leicht tiefer als jetzt. Das wird sich so um drei Prozent bewegen.» Das wären dann rund 6350 Punkte für den SMI. «Das Rally der letzten Monate ist aber nicht breit abgestützt», sagt er. Übers ganze Jahr gesehen werde dennoch ein Plus stehenbleiben, so der Analyst. Noch Potenzial nach oben sieht ZKB-Analyst Martin Hüsler: «Die Schweizer Börse dürfte sich in den nächsten Monaten moderat positiv entwickeln.» Auf eine Zahl will sich der Fachmann nicht festlegen.

Positive Börse trotz schlechter Nachrichten

Dass 2012 vermutlich trotz gewaltiger wirtschaftspolitischer Turbulenzen als positives Jahr in die Börsengeschichte eingeht, erklärt Hüsler so: «Die Unternehmen sind zumeist mit gesunden Bilanzen in den Abschwung gegangen.» Oder anders gesagt: Es war genug Reserve vorhanden, um schwierige Phasen gut zu überstehen. Geholfen habe auch, dass die «relative Attraktivität von Aktien gegenüber Bonds» noch immer hoch sei.

«Wir hatten jetzt Unterstützung durch die Notenbanken. Die Hoffnung allerdings, dass dies auch in der Realwirtschaft ankommt, ist übertrieben», sagt Bärtschi. Auch Hartmann warnt: Der Fluss an guten Nachrichten – vor allem vonseiten der Notenbanken – gehe nun zurück. «Jetzt kommen wieder Konjunkturdaten, und die werden nicht gut sein», sagt Hartmann. Auch er erwartet vermehrt Gewinnwarnungen vonseiten der Unternehmen.

«Die Chancen für einen Aufschwung 2013 stehen gut»

ZKB-Analyst Hüsler sieht die Gefahren für einen Rückschlag bei den schwer umzusetzenden Reformmassnahmen in Spanien und Italien. Und auch in Übersee drohe eine negative Entwicklung. Dann nämlich, «wenn die Lokomotive USA unerwartet in die Rezession zurückfallen würde». Den negativen Szenarien zum Trotz: Sarasin-Chefanalyst Bärtschi gibt fürs nächste Jahr einen positiven Ausblick: «Die Chancen für einen Aufschwung 2013 stehen gut.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.09.2012, 12:22 Uhr

Sarasin-Chefanalyst Philipp Bärtschi: «Bis Ende Jahr sehen wir bei den Aktien einen Rückgang von 5 bis 10 Prozent. Beim SMI haben wir die Zielgrösse 6200 Punkte.»

Bernd Hartmann, VP Bank: «Ende Jahr liegen wir leicht tiefer als jetzt. Das wird sich so um drei Prozent bewegen.» Das wären dann rund 6350 Punkte für den SMI.

ZKB-Analyst Martin Hüsler: «Die Schweizer Börse dürfte sich in den nächsten Monaten moderat positiv entwickeln.» (Bild: zvg)

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