ZKB kündigt Schweizern mit Wohnsitz USA die Hypothek

Den Schweizer Banken war bis vor kurzem jeder Kunde recht. Doch die USA lehrten die Banker das Fürchten.

Schweizerisch-amerikanische Doppelbürger mit Hypothekarkredit bei der Staatsbank müssen davon ausgehen, dass diese auf den Verfallstermin hin gekündigt wird: Zürcher Kantonalbank. (16.06.2012)

Schweizerisch-amerikanische Doppelbürger mit Hypothekarkredit bei der Staatsbank müssen davon ausgehen, dass diese auf den Verfallstermin hin gekündigt wird: Zürcher Kantonalbank. (16.06.2012) Bild: Keystone

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Die Zeiten haben sich geändert: Besonders suspekt sind vielen Banken heute all jene Kunden, die einen Bezug zu den USA haben. Sie können noch so brav, noch so bieder, noch so sauber sein. Sie können ihre Vermögenswerte korrekt deklarieren und versteuern. Wenn sie ihren Wohnsitz in den USA haben, kennt heute manche Bank kein Pardon mehr. In aller Regel wird die Geschäftsbeziehung aufgelöst.

Franz Wottle (Name geändert) ist schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger. Er lebt und arbeitet in den Vereinigten Staaten, hat aber nach wie vor einen engen Bezug zu seinem Heimatland. So besitzt er seit Jahren in der Schweiz eine Liegenschaft. Sie ist vermietet und mit einer Hypothek von knapp 300'000 Franken teilweise fremdfinanziert – bei der Zürcher Kantonalbank. Wottle hat bei der ZKB eine Festhypothek abgeschlossen, die im Jahr 2015 ausläuft.

Rund 70 Kunden betroffen

Völlig überraschend hat er kürzlich von seinem Kundenberater erfahren, dass er nicht mit einer Erneuerung seiner Hypothek rechnen könne. ZKB-Sprecherin Evelyne Brönnimann bestätigt: «Die Fest- oder Liborhypothek einer US-Person wird zum Ende der Laufzeit grundsätzlich nicht erneuert und ist somit quasi gekündigt.» Als US-Personen gelten nicht nur Bürger der Vereinigten Staaten, sondern auch Doppelbürger oder Schweizer, die ihren Wohnsitz in den USA haben – also auch Wottle.

Er ist nicht der Einzige, der mit seinem Hypothekarkredit bei der Staatsbank nicht länger erwünscht ist. Um die 70 Kunden sind von dieser Massnahme betroffen. Alle müssen davon ausgehen, dass ihre Hypothek auf den Verfallstermin hin als gekündigt gilt, auch wenn sie davon noch nichts wissen. Laut Brönnimann werden sie im September ein entsprechendes Schreiben erhalten.

Kaum Alternativen

Für die Betroffenen stellt sich die Frage: Was tun? Die wenigsten Banken sind heute noch bereit, Kunden mit Bezug zu den USA zu übernehmen. Franz Wottle hat bei Postfinance angeklopft und ist abgeblitzt. Sprecher Alex Josty sagt zwar: «Schweizer, die aufgrund der Definition auch US-Persons sind, werden uneingeschränkt angenommen – auch wenn sie im Ausland leben.» Wottle lebt im Ausland. Er ist Schweizer. Und doch will ihm Postfinance keinen Kredit geben. Sein Problem: Er ist nicht nur Schweizer, sondern auch US-Bürger. Deshalb fällt er bei Postfinance durch das Raster.

Es kommt hinzu, dass die Banktochter der Post selber keine Hypotheken und Kredite vergeben darf, weil ihr die Politik bis heute keine Banklizenz zubilligen will. Deshalb vergibt das Finanzinstitut Kredite nur indirekt über Partner – die Valiant und die Münchener Hypothekenbank. «Die Partner wollen keine US-Persons vermittelt erhalten», sagt Josty, «aus diesem Grund wurde der Antrag abgelehnt.»

Auf offenere Ohren stiess Wottle bei Raiffeisen, obwohl auch die Genossenschaftsbankengruppe grundsätzlich keine Geschäftsbeziehungen mehr mit Personen eingeht, die in den USA wohnen. Sprecher Jens Wiesenhütter sagt aber: «Hinsichtlich Hypotheken für Liegenschaften in der Schweiz kann davon ausgegangen werden, dass dieses Produkt nicht dazu missbraucht wird, ausländische Steuerpflichten zu umgehen.» Deshalb seien Ausnahmen möglich, auch bei Kunden mit Wohnsitz USA. Wiesenhütter fügt aber bei: «Unabdingbar ist, dass der Kunde steuerkonform ist.» Wottle kann also hoffen. Noch hat er den Kredit von Raiffeisen aber nicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2012, 08:38 Uhr

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