Zalando verkauft künftig auch Kosmetika und Parfüme

Der Onlinehändler eifert weiter Amazon nach und weitet sein Produktangebot aus. Der Versand von Parfüm und Kosmetik dürfte dabei nur eine Etappe sein.

Der nächste Expansionsschritt von Zalando: Kosmetika und Parfüme. Bild: Keystone

Der nächste Expansionsschritt von Zalando: Kosmetika und Parfüme. Bild: Keystone

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Das Amazon Europas ist Zalando zwar nicht. Aber neben Hellofresh, Zooplus und mit Abstrichen Outfittery ist der Onlinemodeversand unbestritten eines der grössten Aushängeschilder des Kontinents. Gestern verkündete er den nächsten Expansionsschritt: Ab Frühjahr 2018 steigt der Onlinehändler in den Verkauf von Kosmetika und Parfüm ein. Ein Schritt, über den in der Branche bereits spekuliert wurde, nachdem Zalando vor Monaten die Lizenz für den Transport von leicht entflammbaren Produkten wie Parfüm beantragt hatte.

Das Angebot gilt zunächst nur für Deutschland, erst in einem zweiten Schritt soll es auf die anderen 15 europäischen Länder ausgeweitet werden, in denen Zalando präsent ist.

Co-Vorstandschef Rubin Ritter bezeichnete die Ausweitung des Sortiments in dem Bereich als «nächsten logischen Schritt». Drei Viertel der Zalando-Kunden sind weiblich, es liegt nahe, dass sie bei Zalando auch Artikel kaufen würden, die sie bislang eher in Läden und nicht im Internet suchten. Der Beautymarkt ist einigermassen zersplittert. Die eine herausragende Marke gibt es nicht, schon gleich gar nicht online.

Nur ein geringer Teil des Beautymarktes mit einem Volumen von 80 Milliarden Euro in Europa wird derzeit über das Internet umgesetzt. Händler wie Douglas oder Sephora verkaufen überwiegend in ihren Läden. Kaum ein Händler fiel bislang durch eine klare, offensive Onlinestrategie auf. Bei Douglas dürfte sich das voraussichtlich unter der vom Autohersteller Opel kommenden neuen Unternehmenschefin Tina Müller ändern. Aber die hat gerade erst ihren neuen Job angetreten. Zalando hat einen zeitlichen Vorsprung.

Grundsätzlich eröffnet der Vorstoss auf dem Beautymarkt Zalando weitere Möglichkeiten: Das Unternehmen hat gute Chancen, in dem Bereich Marktanteile zu gewinnen, weil die Konkurrenz online relativ schwach ist. Wobei der Erfolg von Zalando davon abhängen wird, welche Marken das Unternehmen anbietet.

Dazu wollte Ritter gestern nichts sagen. Zum Preisniveau erklärte er, dass alle Preiskategorien bedient werden sollen. Flankiert werde die Beautyoffensive von einem eigenen Konzeptstore in Berlin. Dort soll nicht nur das Sortiment verkauft, sondern auch Veranstaltungen zu Produkteinführungen, Anleitungen und Beratung angeboten werden.

Die Margen verbessern

Der Vorstoss in den Beautymarkt dient Zalando auch dazu, die Margen zu verbessern. Diese liegen bei Artikeln aus dem Bereich höher als in der Modebranche, speziell bei Parfümen. Bei den Margen hapert es derzeit noch bei Zalando.

Das Unternehmen setzte bislang auf eine aggressive Wachstumsstrategie mit Raten im zweistelligen Bereich. Auch im zurückliegenden Quartal stieg der Umsatz um mehr als 27 Prozent und übertraf damit die Erwartungen. Doch das ging zum wiederholten Mal zulasten des Gewinns, auf den Anleger besonders schauen. Die offiziellen Zahlen gibt Zalando erst Anfang November heraus.

Zalando ist seit dem Börsengang vor drei Jahren am Kapitalmarkt dennoch eine Erfolgsgeschichte. Der Börsenwert hat sich seither auf fast elf Milliarden Euro verdoppelt. Der Gewinn litt zuletzt im Wesentlichen deshalb, weil Zalando relativ hohe Summen in den Service für schnelle Lieferungen investierte. So baute das Unternehmen zwei eigene Logistikzentren, um Kunden schneller beliefern zu können.

Mit Cremen und Parfümen im Angebot ist Zalando nun auf gutem Weg, das selbst gesteckte Ziel zu erreichen, in den kommenden Jahren zur «Multi-Product-Company» zu werden – mit einer Vielzahl von Erlösströmen. An die Kategorie «Wohnen» hatte Zalando vor dem Börsengang ebenfalls gedacht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Wohnen noch einmal als weitere Erlösquelle in den Fokus gerät. Mehr Männer hätte Zalando ebenfalls gern als Kunden. Die Marketingkampagne mit US-Schauspieler James Franco im März zeigt, dass Zalando hier noch Potenzial sieht. Das ultimative Ziel bleibt, dass irgendwann auch Ketten wie Zara und H & M bei Zalando verkaufen.

Aber Mode ist wie der Vorstoss in das Beautygeschäft längst nicht mehr alles bei Zalando. Von den mehr als 12'000 Mitarbeitern sind etwa 1600 digitale Entwickler. Neben dem eigenen Handelsgeschäft und Grosshandel bietet Zalando zudem Kundenanalytik und Logistikleistungen an. Ein bisschen eine Tech-Company wie Facebook oder Google will Zalando also auch sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.10.2017, 22:58 Uhr

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