Hintergrund

Zattoo & Co. müssen ihr Angebot einschränken

Das Angebot der Web-TV-Anbieter mit zeitversetztem Fernsehen wird stark gestutzt. Ausserdem wird das Überspringen von Werbung schwieriger.

Sendearchiv auf sieben Tage beschränkt: Zattoo Web-TV.

Sendearchiv auf sieben Tage beschränkt: Zattoo Web-TV. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei Zattoo sind es heute bis zu 90 Tage, bei Wilmaa und Teleboy ein Monat: So weit zurück können Nutzer der Web-TV-Dienste im Fernsehprogramm blättern, um verpasste Sendungen anzuschauen. Noch. Ab dem 1. Januar 2013 ist damit Schluss. Neu darf die TV-Zeitmaschine maximal 7 Tage in die Vergangenheit reichen. Für TV-Anbieter wie Sunrise und Swisscom heisst das gleichzeitig, dass sie ihr Angebot ohne rechtliche Bedenken ausbauen können. Sie decken mit ihren Archiven heute maximal die letzten 30 Stunden ab. Darauf haben sich die Verwertungsgesellschaften mit den Nutzerverbänden geeinigt, wie Valentin Blank von Suissimage bestätigt: «Es wird künftig kein legales Angebot mehr geben, bei dem man mehr als 7 Tage im Programm zurückgehen kann.»

Der Einigung war ein erbitterter Streit vorausgegangen. Sogar das Aus für sämtliche Angebote mit zeitversetztem Fernsehen stand im Raum. Es ging um die Frage, ob das unter Begriffen wie Catch-up-TV oder Replay-TV bekannte Angebot überhaupt legal sei. Die Eidgenössische Schiedskommission hat nun die Auffassung der Fernsehanbieter gestützt – und damit vor allem den Hollywoodstudios eine Abfuhr erteilt. Diese hatten sich dafür eingesetzt, dass die Anbieter die Erlaubnis jeweils direkt bei den Rechteinhabern einholen müssen – statt das kollektiv via Verwertungsgesellschaft zu erledigen.

Überspringen der Werbung nicht mehr möglich

Die Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (Safe), in deren Vorstand die US-Filmindustrie sitzt, war nicht einmal zur entscheidenden Anhörung der Schiedskommission zugelassen worden. «Wir haben aber auf Antrag der Verwertungsgesellschaften einen Schriftsatz von Safe zu den Akten genommen», sagt Kommissionspräsidentin Laura Hunziker. Die Filmstudios waren auch nicht mit dabei, als die Parteien die neuen Tarife aushandelten.

Eine wichtige Neuerung ist auch der Umgang mit Werbung: Künftig muss der Anbieter zusätzlich bezahlen, wenn er seinen Kunden die Möglichkeit geben will, bei Werbeblöcken vorzuspulen. Überspringen können Konsumenten die Werbung künftig nur noch dann, wenn der Sender das unterstützt.

Statt des bisher verwendeten Tarifs von 80 Rappen pro Nutzer und Monat gelten neu folgende Tarife:

  • Für ein Archiv der letzten 30 Stunden bleibt der Tarif bei 80 Rappen.
  • Bei 7 Tagen beträgt er 1.20 Franken.
  • Bei Werbeblöcken vorzuspulen, kostet zusätzlich 30 Rappen.

Die Gebühren fliessen via TV-Anbieter an die Verwertungsgesellschaften. Zur Frage, ob die teils höheren Kosten auf die Kunden überwälzt werden, wollte sich kein Anbieter äussern.

Zwar muss die Schiedskommission diese Tarife erst noch genehmigen. Das ist jedoch eine Formsache. Theoretisch könnten die Hollywoodstudios zwar noch beim Bundesverwaltungsgericht dagegen klagen. «Offen ist, ob die Hollywoodstudios als Kläger zugelassen würden», sagt Hunziker. Offiziell begrüssen alle Beteiligten die Einigung. «Damit gibt es weiterhin eine legale Möglichkeit, zeitversetzt fernzusehen. Die Schweiz nimmt hier eine gewisse Pionierrolle ein», sagt Blank von Suissimage.

Erstellt: 04.12.2012, 07:00 Uhr

Artikel zum Thema

Die Chefs mögen Internet-TV nicht

Was tun, wenn der Match in der Arbeitszeit stattfindet? Wer im Büro sitzt, guckt ihn im Webbrowser. Doch das kann Probleme verursachen. Mehr...

Zattoo kommt auf den Fernseher

Der Web-TV-Anbieter kommt via Set-Top-Box auf den heimischen Fernseher. Zattoo plant auch Apps für Smart TV. Mehr...

Fernsehen aus der Zeitmaschine

Hintergrund TV-Anbieter zeichnen neuerdings das ganze TV-Programm auf, damit die Kunden verpasste Sendungen zeitverzögert anschauen können. Sender wie die SRG sind davon nicht begeistert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Animalische Athletik: Ein Tiertrainer im Zoo von Sanaa, Jemen, reizt eine Löwin so sehr, dass sie wortwörtlich die Wände hochgeht. (Januar 2020)
(Bild: Mohamed al-Sayaghi) Mehr...