Zu viele Überstunden: Computer werden zwangsmässig abgestellt

Südkorea will radikal gegen zu viele Überstunden vorgehen. Dagegen gibt es Widerstand von unerwarteter Seite.

Arbeiten zu viel: Mitarbeiter in Südkorea.

Arbeiten zu viel: Mitarbeiter in Südkorea. Bild: Kim Hong-Ji/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

2069 Stunden arbeiteten Angestellte in Südkorea im Schnitt pro Jahr. Staatsangestellte verbrachten sogar noch mehr Zeit im Büro: Hier waren es 2739 Stunden – rund 1000 Stunden mehr als in anderen entwickelten Ländern. Schweizer arbeiteten im Vergleich rund 1590 Stunden jährlich, wie Daten der OECD zeigen.

Um ihre Angestellten zu schonen, will die Lokalregierung der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Beschäftigten nun mit einer neuen Initiative dazu bewegen, früher nach Hause zu gehen. Diese wird in drei Schritten ausgerollt: Ab Ende März sollen die Computer jeden Freitag um 20 Uhr abgeschaltet werden. In einer zweiten Phase, die im April beginnt, werden die Computer an zwei Freitagen im Monat bereits um 19.30 Uhr heruntergefahren. Ab Mai soll die Arbeitszeit am Ende der Woche dann sogar bis maximal 19 Uhr verkürzt werden.

Zwei Drittel wollen Ausnahme

Ausnahmen können erteilt werden, Mitarbeiter müssen aber triftige Gründe nennen, um länger arbeiten zu dürfen. Diese Option hat offenbar bereits ein grosser Teil der Belegschaft in Anspruch genommen: Nach Angaben der Lokalregierung haben 67,1 Prozent der Angestellten eine Ausnahme beantragt.

Umfrage

Was halten Sie vom zwangsmässigen Abschalten der Arbeitscomputer, um Überstunden zu begrenzen?





Um Angestellte im ganzen Land zu ihrer Freizeit zu zwingen, hat Südkorea bereits weitere Massnahmen ergriffen. Anfang Monat wurde ein Gesetz erlassen, das die maximale Wochenarbeitszeit von 68 auf 52 Stunden reduzierte. Hierzulande beträgt die wöchentliche Höchstarbeitszeit je nach Branche zwischen 45 und 50 Stunden.

Recht auf Unerreichbarkeit

Im Nachbarland Frankreich, wo die durchschnittliche Arbeitszeit im Jahr bei 1472 Stunden liegt, gilt seit letztem Jahr ein sogenanntes Recht auf Abschalten. Arbeitnehmer müssen also nicht mehr rund um die Uhr erreichbar sein. Firmen ist zwar nicht verboten, Mitarbeiter nach Arbeitsende zu kontaktieren. Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern müssen aber mit Sozialpartnern aushandeln, wie Mitarbeiter geschützt werden sollen. Strafen für Brüche dieser Regeln gibt es allerdings nicht. In der Schweiz gibt es keine entsprechende gesetzliche Regelung.

Erstellt: 23.03.2018, 13:49 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...