Zürcher Firma bringt Hollywood auf europäische Bildschirme

Acetrax aus Kloten arbeitet mit seiner Online-Videothek mit den grossen TV-Herstellern zusammen. Der Firma ist ein Coup gelungen: Sie hat sich die Online-Rechte für Filme aller grösseren Hollywood-Studios gesichert.

Kinofilme schauen, wann man will – Video on demand als grosses Geschäft.

Kinofilme schauen, wann man will – Video on demand als grosses Geschäft. Bild: Keystone

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«Sherlock Holmes», «Valentine’s Day», «Invictus»: Das Film-Angebot des Zürcher Start-ups Acetrax liest sich wie die aktuellen Schweizer DVD-Charts. Dahinter steckt ein Coup: Die kleine Firma mit acht Mitarbeitenden hat sich die europäischen Online-Rechte für Spielfilme und Serien aller grösseren Hollywood-Studios gesichert.

Das Angebot aus Kloten ist so gut, dass dort nun die Elektronikhersteller Schlange stehen. Soeben hat Acetrax eine Vereinbarung mit dem TV-Hersteller Panasonic bekannt gegeben: Der Elektronikkonzern lanciert dieser Tage eine ganze Reihe von TV-Geräten, die den Zugang zur Online-Videothek von Acetrax bereits eingebaut haben. Und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Grossbritannien, Deutschland, Irland, Österreich, Frankreich und Italien.

Die Schweiz war Hollywood egal

Durch die Präsenz auf den TV-Bildschirmen werden die Schweizer auf einmal ein ernstzunehmender Faktor auf dem Markt für Spielfilm-Downloads. Der Marktanteil von Panasonic im TV-Markt beträgt etwa 13 Prozent. Zudem stehen Verträge mit zwei weiteren Fernseh-Herstellern kurz vor dem Abschluss. «Wenn das klappt, wird der Zugang auf unsere Online-Videothek bald auf jedem zweiten neuen Fernseher installiert sein», sagt Martin Staub, Verwaltungsratspräsident bei Acetrax.

Dass Acetrax es geschafft hat, mit praktisch allen grossen Filmstudios Rahmenverträge für die Online-Filmrechte in Europa abzuschliessen, ist eine beachtliche Leistung. Schweizer Anbieter haben sich damit bislang schwergetan. «Die Studiobosse interessieren sich nicht für die kleine Schweiz. Darum war es auch klar, dass wir uns nicht auf den lokalen Markt beschränken konnten», so Staub. Heute ist Acetrax der bevorzugte Partner der Hollywood-Studios für den Online-Vertrieb in Europa.

Intelligentes Geschäftsmodell

Den Kontakt zu den Filmfabriken verdankt das Zürcher Start-up einem potenten Partner: Der koreanische Konzern Samsung beauftragte Acetrax damit, eine Lösung zu entwickeln, die Filme aufs Handy bringt. «Dass ein grosser Elektronikhersteller in Europa auf uns setzte, hat uns viele Türen geöffnet», so Staub. Das Kino für Samsung-Handys gibt es in Grossbritannien und Italien seit gut einem Jahr.

Acetrax’ Geschäftsmodell beschränkt sich nicht auf die Verträge mit Geräte-herstellern. Um genug Volumen zu erzeugen, verkauft das 2006 gegründete Start-up sein System und seine Rechte für rund 2000 Titel auch an Telecomanbieter oder Online-Plattformen, welche die Acetrax-Online-Videothek unter eigenem Namen betreiben. Einer der Kunden ist der italienische Telecomkonzern Wind, der 18 Millionen Mobilfunk- und 1,6 Millionen Breitbandkunden hat. In der Schweiz betreibt Acetrax die Online-Videothek der Internetplattform Cineman. «Auch kleinere Kabelnetzanbieter kämen als Kunden infrage, weil sie die Filmrechte kaum im Alleingang beschaffen können», sagt Präsident Staub.

Die Gerätehersteller sind am Umsatz beteiligt

Für die Gerätehersteller ist die Zusammenarbeit interessant, weil sie dahinter neue Einnahmen wittern. Sie haben gesehen, wie Apple mit iTunes die Kontrolle im Geschäft mit digitaler Musik übernommen hat – und wollen auf keinen Fall, dass sich das im TV-Geschäft wiederholt. Im Gegenteil. «Die Hersteller wollen ihr eigenes iTunes-System. Sie wollen nicht nur mit dem Gerät, sondern auch mit den Inhalten Geld verdienen», so Staub. Die Gerätehersteller sind am Umsatz beteiligt, die ihre Kunden bei Acetrax machen. Im Gegenzug wird der Acetrax-Dienst prominent auf dem Gerät platziert: Mit der Original-TV-Fernbedienung ist das Angebot immer nur zwei Knopfdrücke entfernt.

Acetrax erschliesst via TV-Hersteller einen ganz neuen Markt. Heute haben vor allem die Kunden von Cablecom und Swisscom via TV Zugriff auf eine Online-Videothek, und das auch nur, wenn sie deren Digital-TV-Angebot abonniert haben. Ohne monatliche Grundgebühr gibt es Online-Filme fast ausschliesslich für den Computer. Das macht Acetrax für Kunden interessant, die mit dem TV-Grundangebot zufrieden sind und keine monatliche Gebühr zahlen wollen – und ein entsprechend ausgerüstetes TV-Gerät besitzen.

7,5 Millionen Geräte Ende Jahr

Wie viele das sein werden, ist offen. Aber nach der Vereinbarung mit Panasonic glaubt Staub an den grossen Durchbruch. «Selbst wenn es in der Schweiz nur wenige sind. Unser Markt ist ganz Europa. Das ist ein riesiges Potenzial», sagt Staub. Er rechnet damit, dass bereits bis Ende Jahr 7,5 Millionen Geräte verkauft sind, auf denen die Acetrax-Software installiert ist. «Dazu gehören Panasonic-Fernseher und Samsung-Handys. Aber auch Asus-Laptops werden künftig mit vorinstallierter Acetrax-Software ausgeliefert.» Von den 7,5 Millionen Besitzern wird nur ein kleiner Teil die Möglichkeit, Filme zu schauen oder zu kaufen, tatsächlich nutzen. Trotzdem ist Staub überzeugt: «Wir werden die Gewinnschwelle noch in diesem Jahr überschreiten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.07.2010, 18:59 Uhr

Der Präsident des Verwaltungsrats von Acetrax glaubt nach der Zusammenarbeit mit Panasonic an den grossen Durchbruch des Unternehmens: Martin Staub.

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