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Für die Anleger eine Notübung, für die Angestellten viel Unsicherheit

Der Verkauf der Stromnetzsparte bringt ABB-Chef Ulrich Spiesshofer etwas Zeit – mehr nicht.

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer kündigt den Verkauf der Stromleitungssparten an den japanischen Konzern Hitachi an. (17.12.2018)
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer kündigt den Verkauf der Stromleitungssparten an den japanischen Konzern Hitachi an. (17.12.2018)
Ennio Leanza, Keystone

Der Verkauf der ABB-Stromleitungssparte an den japanischen Hitachi-Konzern erweckt den Eindruck einer Notübung, die am Ende niemanden zufriedenstellt. Bestenfalls können sich Konzernchef Ulrich Spiesshofer und Verwaltungsratspräsident Peter Voser damit etwas Zeit von den unzufriedenen Aktionären kaufen. Mehr aber nicht.

Für die rund 2800 Beschäftigten der Stromleitungssparte in der Schweiz eröffnet der Verkauf eine sehr lange Phase der Unsicherheit. Bis zum formalen Abschluss des Deals an die Japaner sollen anderthalb Jahre vergehen. Bis dahin dürfte unklar bleiben, ob und wie stark der neue Eigentümer am Standort Schweiz Einsparungen vornehmen wird.

Spiesshofer selbst gibt sich mal wieder optimistisch, aus seinen Gesprächen mit den Japanern habe er den Eindruck gewonnen, Hitachi würde in der Schweiz eher zusätzliche Jobs schaffen, erklärt er.

Mit dem grössten Bereichsverkauf in der Unternehmensgeschichte versucht er den Befreiungsschlag: ABB-Konzernchef Ulrich Spiesshofer in Zürich. (Archiv)
Mit dem grössten Bereichsverkauf in der Unternehmensgeschichte versucht er den Befreiungsschlag: ABB-Konzernchef Ulrich Spiesshofer in Zürich. (Archiv)
Walter Bieri, Keystone
Auch für Hitachi ist der Kauf der ABB-Stromnetz-Sparte die seither grösste Transaktion: Hitachi-CEO Toshiaki Higashihara in Tokio. (17. Dezember 2018)
Auch für Hitachi ist der Kauf der ABB-Stromnetz-Sparte die seither grösste Transaktion: Hitachi-CEO Toshiaki Higashihara in Tokio. (17. Dezember 2018)
Kimimasa Mayama/EPA, Keystone
Die ABB-Stromsparte wechselt den Besitzer: Mitarbeiter in der Halbleiterfabrik in Lenzburg. (Archiv)
Die ABB-Stromsparte wechselt den Besitzer: Mitarbeiter in der Halbleiterfabrik in Lenzburg. (Archiv)
Urs Flueeler, Keystone
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Doch die Japaner selbst sind da weniger euphorisch: In der Medienmitteilung von Hitachi steht unter dem Punkt, wie viele Menschen in der neuen, fusionierten Stromsparte beschäftigt sein werden, nur lapidar: «Noch unbestimmt.» Sicher scheint dagegen, dass es im Zuge der angekündigten Reorganisation bei ABB am Konzernsitz in Zürich-Oerlikon zu Einschnitten kommen wird.

Keine Antwort auf die Wachstumszweifel

Wenig überzeugend erscheint auch die Kommunikation in Sachen Verkauf der Stromnetzssparte: Vor gerade einmal zwei Jahren hatte die ABB-Führung sich dem Verkauf widersetzt und dies mit den blendenden Zukunftsaussichten des Geschäfts begründet: Mit der Sparte würde man «die Chancen der Energiewende und der Vierten Industriellen Revolution ergreifen». Nun wird der Bereich doch verkauft. Und der Verkaufserlös wird nicht etwa in die verbleibenden Geschäfte von ABB reinvestiert, sondern soll zu 100 Prozent den Aktionären ausgeschüttet werden.

Diese Kehrtwende erklärt sich allein mit dem Druck durch Aktionäre wie der Beteiligungsgesellschaft Cevian. Der Grossaktionär drängt seit Jahren auf eine stärkere Fokussierung von ABB. Doch statt ein Kursfeuerwerk zu zünden, drehte die ABB-Aktie am Tag der lang erwarteten Verkaufsankündigung sogar kurz in die Verlustzone. Die erhoffte Entlastung von der Kritik durch den Spartenverkauf dürfte für die Konzernführung also von kurzer Dauer sein.

Damit Anleger wieder Vertrauen in ABB fassen, muss Spiesshofer das seit langem versprochene Wachstum liefern. Das Wachstumsziel von 3 bis 6 Prozent zu erreichen, gelang ABB in einer Phase der weltweiten Hochkonjunktur nur punktuell. Es wird spannend sein, zu sehen, wie das Ziel nun in einer Phase der globalen Abkühlung erreicht werden kann. Der Verkauf des traditionsreichen Geschäfts mit Hochspannungsleitungen ist jedenfalls keine Antwort auf die Wachstumszweifel an ABB.

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