«Air France könnte verschwinden»

Turbulenzen bei Air France-KLM: CEO weg, Aktie abgestürzt – und die Regierung deutet an, die Airline nicht retten zu wollen.

In Schwierigkeiten: Air France.

In Schwierigkeiten: Air France. Bild: Robin Utrecht/Keystone

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Air France-KLM kämpft mit dem Chaos. Bei der Airline, die auch ab Zürich, Basel und Genf fliegt, wird seit Wochen gestreikt. Am Montag wurden rund 15 Prozent aller Flüge gestrichen, und auch heute erwartet die Airline, dass ein Fünftel aller Flüge ausfallen dürften.

Nachdem sich der Arbeitskampf zugespitzt hatte, kündigte CEO Jean-Marc Janaillac seinen Rücktritt an – nach nicht mal zwei Jahren im Amt. Er hatte ein Mitarbeitervotum über das Lohnangebot des Managements verloren. Zwischen den Gewerkschaften und dem Management herrscht seitdem Funkstille. Die Aktie des französisch-niederländischen Konzerns brach zeitweise um bis zu 14 Prozent ein.

Überleben der Airline steht auf dem Spiel

Jetzt sorgen Kommentare der Regierung, die 14,3 Prozent an dem Unternehmen hält, für Unruhe. Air France müsse sich reformieren, oder das Überleben der Airline stehe auf dem Spiel, hiess es. «Wenn Air France nicht die notwendigen Anstrengungen unternimmt, wettbewerbsfähig zu bleiben und dieses nationale Flaggschiff auf dem gleichen Niveau wie Lufthansa oder andere grosse globale Fluggesellschaften zu halten, wird Air France verschwinden», warnte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire im französischen TV-Sender BFMTV.

Er fügte hinzu: «Ich rufe jeden auf, verantwortungsvoll zu sein: das Flugpersonal, das Bodenpersonal, die Piloten, die ungerechtfertigte Lohnerhöhungen fordern.» Und er warnte, dass von der französischen Regierung nicht erwartet werden sollte, dem Unternehmen einen Rettungsschirm zu bieten.

Mehr Wettbewerb, steigender Ölpreis

Der Börsenwert von Air France-KLM hat sich in diesem Jahr bereits halbiert. Air France-KLM steht unter Druck: Sowohl der Wettbewerb mit Billiganbietern als auch mit Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten, die im hochpreisigeren Segment operieren, hat zugenommen. Hinzu kommt der gestiegene Ölpreis, der die Kerosinpreise in die Höhe treibt.

Die andauernden Streiks drücken zusätzlich aufs Ergebnis: Diese haben die Airline bereits rund 300 Millionen Euro gekostet. Trotz eines Gewinns von 60 Millionen Euro im ersten Quartal blieb dadurch unterm Strich ein Verlust von 118 Millionen Euro. Für 2018 hat die Fluggesellschaft die Gewinn- und Wachstumserwartungen bereits zurückgeschraubt.

Schicksal wie bei Alitalia

Analysten zufolge liegt Air France-KLM weit hinter der Konkurrenz, wenn es um nötige Restrukturierungen geht. British Airways und Lufthansa haben in den letzten Jahren massive Kosteneinsparungen durchgeführt. Ausserdem habe die Airline nichts getan, um die kontinuierlichen Verluste anzugehen. «Die Airline steht jetzt ohne Chef, ohne Lohnabkommen da in einem andauernden Konflikt mit Gewerkschaften, die jetzt umso weniger bereit sein werden, von ihrer Forderung abzurücken», schrieben die Branchenexperten von Bernstein.

Ein Aktienhändler befürchtete ein Schicksal wie bei Alitalia, die durch den Streit von Gewerkschaften und Management im vergangenen Jahr zur Insolvenz getrieben wurde.


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Erstellt: 08.05.2018, 13:23 Uhr

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