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Airbus dringt in das Territorium von Boeing

In fast allen Erdteilen befindet sich Airbus mit seinem Modell A320 auf Expansionskurs. In den USA hat der europäische Luftfahrtkonzern hingegen klar das Nachsehen gegenüber Boeing. Das soll sich nun ändern.

Erste Fabrik soll im US-Bundesstaat Alabama zu stehen kommen: Airbus-Geschäftsleiter Fabrice Bregier (links) beim Händedruck mit Gouverneur Robert Bentley. (2. Juli 2012)
Erste Fabrik soll im US-Bundesstaat Alabama zu stehen kommen: Airbus-Geschäftsleiter Fabrice Bregier (links) beim Händedruck mit Gouverneur Robert Bentley. (2. Juli 2012)
Keystone

Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus fordert mit einem neuen Flugzeugwerk in den USA den Konkurrenten Boeing in dessen Heimatland heraus. Die neue Airbus-Fabrik in der Stadt Mobile im Bundesstaat Alabama soll ab 2018 bis zu 50 Stück des Kurz- und Mittelstreckenjets A320 herstellen, wie der Vorstandsvorsitzende Fabrice Bregier heute in Mobile mitteilte. «Wir bauen ein grosses modernes Werk», kündigte Bregier an. Nach unbestätigten Berichten investiert Airbus umgerechnet 475 Millionen Euro.

Bisher baut Airbus das Erfolgsmodell A320 in Toulouse, Hamburg und einem kleinen Werk in China. Hamburg ist mit 23 Stück pro Monat das Leitwerk des Modells, vor Toulouse mit 15 und Tianjin in China mit 3. Das neue US-Werk wird etwa die Grösse der chinesischen Fabrik haben.

Mit dem Bau der US-Produktionsstätte auf einem alten Militärflugplatz soll im Sommer 2013 begonnen werden. Die Montage läuft voraussichtlich 2015 an, Auslieferungen sollen ab 2016 erfolgen. Airbus sieht ab 2018 eine Produktion zwischen 40 und 50 Flugzeugen pro Jahr der Typen A319, A320 und A321 vor und schafft 1000 Arbeitsplätze in der Fabrik.

Markt für 4600 Flugzeuge

Airbus rechnet mit einem starken Wachstum in diesem Flugzeugsegment mit Maschinen für 100 bis 200 Passagiere. Bei den Flugzeugen der A320-Grösse hat Airbus weltweit einen Anteil von 50 Prozent. In den USA liegt der Anteil bei 20 Prozent, denn der örtliche Konkurrent Boeing hat den Markt mit seinem Erfolgsmodell 737 fest im Griff.

«Die USA sind der weltweit grösste Markt für Single-Aisle-Flugzeuge mit einem vorausgesagten Bedarf von 4600 Flugzeugen in den nächsten 20 Jahren. Diese Montagelinie bringt uns unseren Kunden näher», sagte Bregier. Single Aisle bedeutet Flugzeuge mit Mittelgang, wie eben die A320-Familie oder das Konkurrenzmodell Boeing 737.

Zurzeit gehen bei Airbus mehr Aufträge für neue Flugzeuge ein, als Airbus herstellen kann, deshalb wächst der Auftragsstau. Mit einem US-Werk könnten die Europäer in einem der grössten Flugzeugmärkte der Welt besser angreifen: Airbus würde sich freimachen von Wechselkursschwankungen. Zudem gelten US-Konsumenten als patriotisch eingestellt, was etwa beim Autokauf eine Rolle spielt. Mit Flugzeugen aus US-Produktion könnte Airbus seinen Kunden, den Fluglinien, ein derartiges Argument liefern.

Die Produktionskosten in Alabama sind voraussichtlich auch niedriger als in Hamburg und Toulouse, denn in den Südstaaten der USA sind die Gewerkschaften traditionell schwach.

Airbus unterhält in Mobile bereits eine Zulieferfabrik und ein Technikzentrum. Ausserdem sollte in Mobile die Produktion der Tankflugzeuge angesiedelt werden, die Airbus an die US-Streitkräfte verkaufen wollte. Der Auftrag ging aber an Boeing.

dapd/mrs

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