Grossinvestoren setzen Klimasünder unter Druck

Über 200 Grossanleger wollen die Konzerne mit dem höchsten Treibhausgas-Ausstoss in die Verantwortung nehmen. Darunter sind auch Schweizer Firmen.

LafargeHolcim ist ins Visier einer Klima-Initiative von Grossinvestoren geraten, obgleich der Zementhersteller zu den effizientesten seiner Branche zählt (unser Bild zeigt das Werk in Siggenthal AG).

LafargeHolcim ist ins Visier einer Klima-Initiative von Grossinvestoren geraten, obgleich der Zementhersteller zu den effizientesten seiner Branche zählt (unser Bild zeigt das Werk in Siggenthal AG). Bild: Christian Hartmann/Reuters

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Zwei Jahre ist es her seit der historischen Einigung auf das Pariser Klimaabkommen. Aus Anlass dieses Geburtstags haben sich diese Woche rund 225 Grossanleger rund um den Globus zur «Klima-Aktion 100+» zusammengeschlossen. Mit dieser auf fünf Jahre befristeten Initiative wollen die Unterzeichner jene 100 Konzerne mit den weltweit grössten Emissionen an Treibhausgasen – die sogenannten Fokus-Unternehmen – zu einem klimaverträglicheren Geschäftsgebaren verpflichten. Im Idealfall sollen die Fokus-Unternehmen ihre Ausrichtung so weit ändern, dass sie mit dem Klimaziel einer Erderwärmung um deutlich weniger als 2 Grad vereinbar ist. Dies soll durch einen kontinuierlichen Dialog mit den Konzernspitzen und einem koordinierten Abstimmungsverhalten an den Aktionsärsversammlungen geschehen.

Der «Klima-Aktion 100+» angeschlossen haben sich Pensionskassen, Versicherungen sowie Vermögensverwalter, die zusammen Vermögenswerte von über 26 Billionen Dollar verwalten. Mit dabei sind einige der weltweit grössten Kapitalsammelstellen wie Calpers, die Nummer eins unter den US-Pensionsfonds, oder auch Pimco, Amundi und HSBC Global Asset Management. Aus der Schweiz gehören rund ein Dutzend Akteure zu den Unterzeichnern der Initiative, darunter UBS Asset Management, Pictet Asset Management, Axa Investment Manager, die Ethos-Stiftung, die Pensionskasse des Kantons Waadt und jene der Stadt Winterthur.

Der Dialog soll helfen

«Investoren können ihre Stimme über eine gute Zusammenarbeit mit den Unternehmensführungen noch viel stärker zum Ausdruck bringen und im Rahmen dieser Initiative den Übergang zu einer Wirtschaft mit geringerem CO2-Ausstoss fördern», sagt Eric Borremans, Leiter Nachhaltige Investitionen von Pictet Asset Management. Laut Susanne Jäger, Geschäftsführerin der Aargauischen Pensionskasse (APK), ist vorgesehen, dass jeweils einzelne Unterzeichner der «Klima-Aktion 100+» mit einem der 100 im Fokus stehenden Konzerne in einen Dialog treten (die APK hat sich im Rahmen des «Engagement Pool International» der Ethos-Siftung an der Klima-Initiative beteiligt).

«Die Ethos-Stiftung wird im Rahmen ihres Engagement-Pools die Führung von zwei bis drei solchen Dialoge übernehmen», sagt Jäger. Die konkrete Zuteilung der Fokus-Unternehmen sei aber noch nicht bestimmt worden. Wie Borremans ergänzt, haben sich die Unterzeichner der Klima-Aktion verpflichtet, mit mindestens einem der Fokus-Unternehmen einmal pro Jahr während der fünfjährigen Dauer zusammenzutreffen. Darüber hinaus müssen sie die anderen Beteiligten der Klima-Initiative über die erzielten Fortschritte und die geplanten nächsten Schritte informieren.

Mit Dialog und Druck will die «Klima-Aktion 100+» die ausgewählten Fokus-Unternehmen auf drei Ebenen zu einer Änderung ihrer Politik drängen. Erstens soll die Verantwortlichkeit für die mit der globalen Klimaänderung einhergehenden Risiken und Chancen für das Unternehmen ganz klar auf der obersten Führungsebene verankert werden. Zweitens sollen die Firmen angehalten werden, den Ausstoss an Treibhausgasen über ihre gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu senken. Und schliesslich sollen die Firmen zu einer offeneren Informationspolitik verpflichtet werden, sodass sich Anleger ein besseres Bild über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Geschäftsgang machen können.

Drei Schweizer Firmen auf der Liste

Die Liste der 100 Fokus-Unternehmen umfasst naturgemäss die weltgrössten Öl- und Kohlekonzerne wie Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell, BP und Coal India. Ferner sind die bedeutendsten Strom-, Auto- und Flugzeughersteller, Chemiekonzerne sowie Bergbaufirmen aufgelistet. Drei Namen mit Schweizer Bezug stechen dabei ins Auge: der Nahrungsmittelriese Nestlé, der Zementkonzern LafargeHolcim und der Rohwarenhändler Glencore.

LafargeHolcim habe die Liste und die Forderungen der «Climate Action 100+»-Initiative «mit Interesse zur Kenntnis genommen», sagt Mediensprecher Eike Christian Meuter. Man nehme dies «sehr ernst» und sei sich der Verantwortung im Bereich Klimaschutz «seit Jahren bewusst». Der Zementhersteller, der laut Meuter bereits jetzt zu den effizientesten seiner Branche gehört, hat sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoss bis 2030 um 40 Prozent unter den Stand von 1990 zu senken. Dabei strebe man nicht nur eine Verringerung der Treibhausgasemissionen in der Produktion an. Darüber hinaus werde angestrebt, Lösungen zu entwickeln, die verringerte Emissionen bei Gebäuden und Infrastrukturbauten ermöglichen.

Die «Klima-Aktion 100+» will künftig einen Jahresbericht veröffentlichen, in dem ausgeführt wird, wie sich die Fokus-Unternehmen im Einzelnen auf den Dialog mit den Initiativmitgliedern eingelassen haben. Zugleich werden die Prioritäten aufgelistet, welche sich die Investoren fürs neue Jahr gesetzt haben. Kommt der Steuerungsausschuss der Klima-Initiative zum Schluss, dass ein Fokus-Unternehmen hinreichende Fortschritte in Richtung Klimaverträglichkeit gemacht hat, kann dieses von der Liste entfernt werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.12.2017, 17:19 Uhr

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