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Aktionäre servieren Glencore-Xstrata-Präsidenten John Bond ab

Bei der ersten Generalversammlung des fusionierten Rohstoffriesen ist es zu grösseren Umwälzungen gekommen. Für den Präsidenten John Bond übernimmt der ehemalige BP-Mann John Hayward.

Verlässt auf Druck der Aktionäre das Unternehmen: Sir John Bond, Verwaltungsratspräsident von Xstrata und ehemaliger Präsident von Vodafone.
Verlässt auf Druck der Aktionäre das Unternehmen: Sir John Bond, Verwaltungsratspräsident von Xstrata und ehemaliger Präsident von Vodafone.
Keystone
Milliarden-Deal: Nach der Fusion steigt das Unternehmen Glencore Xstrata zum viertgrössten Konzern der Rohstoffbranche aufsteigen – Glencore-Logo am Hauptsitz in Zug.
Milliarden-Deal: Nach der Fusion steigt das Unternehmen Glencore Xstrata zum viertgrössten Konzern der Rohstoffbranche aufsteigen – Glencore-Logo am Hauptsitz in Zug.
Reuters
Simon Murray, Verwaltungsratspraesident der Rohstoffhandelsfirma Glencore, Mitte, ist auf dem Weg zur ausserordentlichen Generalversammlung im Casino Zug, zur Fusion von Glencore und Xstrata, am Dienstag, 20. November 2012. Die Aktionaere vom Bergbaukonzern Xstrata entscheiden heute ueber das Uebernahmeangebot von Glencore. (KEYSTONE/Sigi Tischler)
Simon Murray, Verwaltungsratspraesident der Rohstoffhandelsfirma Glencore, Mitte, ist auf dem Weg zur ausserordentlichen Generalversammlung im Casino Zug, zur Fusion von Glencore und Xstrata, am Dienstag, 20. November 2012. Die Aktionaere vom Bergbaukonzern Xstrata entscheiden heute ueber das Uebernahmeangebot von Glencore. (KEYSTONE/Sigi Tischler)
Reuters
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80 Prozent der Aktionäre wollen ihn nicht: John Bond, Präsident des Zuger Rohstoffkonzerns Glencore Xstrata, wurde an der heutigen Generalversammlung aus seinem Amt gedrängt. Der 71-jährige Bond hätte als ehemaliger Xstrata-Präsident den fusionierten Konzern interimistisch leiten sollen. Nun wird Bond vorzeitig ersetzt. An seine Stelle tritt der frühere BP-Chef Tony Hayward: Er soll so lange im Amt bleiben, bis Glencore Xstrata einen definitiven VR-Präsidenten gefunden hat.

Bonds Abwahl setzt den Exodus von ehemaligen Xstrata-Kadern im neuen Glencore-Xstrata-Konzern fort. Bereits vor der heutigen GV war die Trennung von den ehemaligen Kupfer- und Aluminium-Divisionsleitern Charlie Sartain und Loutjie Smit, vom Konzernstrategen Thras Moraitis und vom Chefjuristen Benny Levene bekannt gegeben worden. Zusätzlich reichte das Verwaltungsratsmitglied Steve Robson heute Morgen seinen Rücktritt ein. Mit der Nichtwahl der ehemaligen Xstrata-Leute Ian Strachan, Con Fauconnier und Peter Hooley in den Verwaltungsrat setzten die Aktionäre von Glencore Xstrata heute ein Zeichen dafür, dass sie einen Konzern mit schlanken Strukturen wünschen. Von den vierzehn Spitzenjobs sind nur zwei von ehemaligen Xstrata-Leuten besetzt.

Köpferollen bei Glencore

Glencore hatte die 30 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Xstrata am 2. Mai abgeschlossen. Nach einem langen Tauziehen um die Modalitäten der Verschmelzung entstand aus dem Rohstoffhändler Glencore und dem Bergbauunternehmen Xstrata damit der viertgrösste Rohstoffkonzern der Welt. Nach dem Zusammenschluss setzte ein Köpferollen ein, welches der Eliminierung von Bürokratie und Doppelspurigkeiten dienen sollte. Die Leitung von Glencore Xstrata liegt beim CEO Ivan Glasenberg, der als ehemaliger Glencore-Chef zum neu geschaffenen Rohstoffriesen stiess. Der Übernahme voraus gegangen waren Unstimmigkeiten über ein Bonuspaket, welches vom heute entlassenen John Bond konzipiert worden war und grosszügige Entschädigungen für ehemalige Xstrata-Kadern vorgesehen hatte.

Mit der Ernennung eines dauerhaften Nachfolgers für Bond wird bis Jahreswechsel gerechnet. Die vorläufige Ernennung Tony Haywards dürfte den nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko weltweit kritisierten und dann aus der Öffentlichkeit weitgehend verschwundenen Manager wieder ins Rampenlicht in Grossbritannien zurückbringen. Der 55-jährige Brite ist seit 2011 Konzernchef bei Genel Energy, einem der grössten Ölproduzenten in den kurdischen Gebieten des Irak. Von seinem Posten bei BP war Hayward nach dem Ölleck auf der Plattform Deepwater Horizon im Oktober 2010 zurückgetreten.

Glencore Xstrata an der Schweizer Börse?

Seit dem Handelsbeginn am 2. Mai sind die Glencore-Xstrata-Papiere an der Londoner Börse um 7,7 Prozent gestiegen. Der fusionierte Rohstoffhändler und Bergbaukonzern Glencore Xstrata hat die ersten drei Monate des Geschäftsjahres 2013 im Rahmen der eigenen Erwartungen abgeschlossen, wie die Zahlen vom 13. Mai zeigten. Glencore verspricht sich durch den Zusammenschluss Einsparungen von rund 500 Millionen US-Dollar alleine in den Handelsaktivitäten. Schätzungen der Credit Suisse zufolge soll auch die Schliessung des Londoner Xstrata-Büros Kosten von 150 Millionen Dollar sparen. Auch den Hauptsitz von Xstrata in Zug will Glencore schliessen. Aufhorchen lässt Ivan Glasenberg mit einer Seitenbemerkung. Die Firma überlege sich, ihre Aktien zusätzlich an der Schweizer Börse listen zu lassen, so der Konzernchef auf die Frage eines Investors an der heutigen GV.

Von der Stiftung Ethik & Ökonomie (ethecon) erhielt Glencore Xstrata derweil einem Schmähpreis. Der «Black Planet Award» wurde heute an die Verantwortlichen des Konzerns für ihre «erschreckende Missachtung und Verletzung menschlicher Ethik» verliehen. Die durch den ehemaligen Nationalrat Josef Lang vertretene Stiftung kritisiert auch die Ernennung von John Hayward zum neuen Konzernchef. «Wer Hayward zum Chairman macht, dem liegt überhaupt nichts an der Schonung der Umwelt», heisst es in einem Communiqué.

(AWP/Bloomberg)

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