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Aldi schikaniert sein Personal – sagt Syna

Testkäufe mit Betrugsversuch, intransparente Erfassung der Arbeitszeit, nicht eingehaltene Pausen: Die Gewerkschaft spricht von einem vergifteten Arbeitsklima.

Harte Arbeit, karger Lohn: Gewerkschaften gehen mit Aldi hart ins Gericht.
Harte Arbeit, karger Lohn: Gewerkschaften gehen mit Aldi hart ins Gericht.
Keystone

Der deutsche Harddiscounter Aldi führt in der Schweiz bereits 79 Filialen. An einem Mediengespräch der Gewerkschaft Syna haben erstmals zwei frühere Aldi-Angestellte über ihre Erfahrungen berichtet. Ihre Namen werden verändert angegeben.

Die alleinerziehende Sandra K. hat fast zwei Jahre für Aldi Suisse gearbeitet. Sie war zu 50 Prozent angestellt, arbeitete aber 80, oft auch 120 bis 140 Prozent. Von ihr wurde maximale Flexibilität bezüglich Arbeitseinsatz erwartet, womit sie die Kinder ihrem Ex-Mann überlassen musste.

Vor anderen blossgestellt

Regelmässig seien Testkäufe durchgeführt worden. Da habe der Testkäufer zum Beispiel teure Weinflaschen in einen Karton mit Billigwein geschmuggelt. Wenn die Kassiererin den Betrugsversuch nicht aufdeckte, sei sie vor den Augen des restlichen Personals an den Pranger gestellt worden. Die Einhaltung des Gesetzes, wonach kein Alkohol an Jugendliche verkauft werden durfte, habe man mit Fonduepackungen getestet. Die Syna spricht von «schikanösen Arbeitsbedingungen», mit denen Aldi unbequeme Angestellte gehäuft kontrolliere und sie gezielt unter Druck setze und rausekle.

Aldi-Sprecher Sven Bradke bestätigt den Einsatz von Testkäufern, bestreitet aber, dass auf diese Weise Entlassungsgründe gesucht würden. «Tests sind Teil der Ausbildung und gerade beim Alkohol auch eine präventive Massnahme.» In der Regel werde das Testresultat unter vier Augen besprochen, aber es sei nicht auszuschliessen, dass einzelne Filialleiter dies anders handhabten. «Dann ergibt sich ein Lerneffekt für alle Angestellten.»

Kaum Pausen

Eine Zumutung waren für Sandra K. die Pausen. «Kaum einmal wird man in Ruhe gelassen, meistens wird man vor Ablauf der Zeit wieder rausgeklingelt, um im Laden anzupacken.» Am Samstag habe man die Mittagspause sowieso selten beziehen können. Wasser habe man dafür nur im Pausenraum trinken dürfen - nie im Lager oder an der Kasse.

Mira F., ein Jahr lang bei Aldi, ärgert sich vor allem über die gängige Praxis, die Leute zu 50 Prozent anzustellen, aber 60 bis 80 Prozent arbeiten zu lassen. Laut Carlo Mathieu von der Gewerkschaft Syna müssen die Angestellten vertraglich einwilligen, Überstunden ohne Zuschläge zu leisten. Die Arbeitszeit wird von der Filialleitung manuell erfasst, Stempeluhren fehlen. «Nur wer selber minutiös über die Einsätze Buch führt, kann kontrollieren, ob richtig abgerechnet wird», sagt Mathieu. Angestellte erhielten nur das Stundentotal zur Unterschrift, eine Kontrolle sei so nicht möglich. Die Gewerkschaft fordert nun vollständige Transparenz.

Einzelfälle oder generelles Malaise?

Die Syna hat Aldi Suisse angeboten, Gespräche über grundsätzliche Fragen zu führen. Darauf stieg Aldi bisher nicht ein. Sprecher Bradke kontert, man habe die Gewerkschaft erst kürzlich aufgefordert, die ihr bekannten neuen Fälle zu melden. Das sei in der Vergangenheit geschehen, sagt Mathieu, aber Aldi habe diese Fälle bisher stets als Fehlleistungen einzelner Vorgesetzter abgetan. «Jetzt bieten wir dazu nicht mehr Hand.»

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