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Alpiq baut 450 Stellen ab

Der Energiekonzern stellt für 2011 rote Zahlen in Aussicht. Zusätzlich gibt das Unternehmen die Entlassung von 450 Angestellten bekannt. Die Hälfte der Stellen wird in der Schweiz wegfallen.

Muss mehrere Millionen abschreiben: Alpiq-Schriftzug an einem Wasserkraftwerk.
Muss mehrere Millionen abschreiben: Alpiq-Schriftzug an einem Wasserkraftwerk.
Keystone

Der Energiekonzern Alpiq zieht wegen «fundamentaler Veränderungen in der Strombranche» die Notbremse. Das Unternehmen muss Milliarden abschreiben und baut 450 Stellen ab, davon die Hälfte in der Schweiz. Gestrichen werden Arbeitsplätze insbesondere im Stromhandel, im internationalen Vertriebsgeschäft sowie bei regionalen Supporteinheiten.

Ein Sozialplan werde ausgearbeitet, sagte der interimistische Alpiq-Chef Hans Schweickardt an einer Telefonkonferenz. Produktionsstätten sollen indes keine geschlossen werden. Der Konzern werde noch rund 5000 Personen in der Schweiz beschäftigen.

Weniger Geschäftsbereiche

Um Kosten zu senken, strafft Alpiq zudem die Organisation. Die Zahl der Geschäftsbereiche wird von fünf auf drei verkleinert. Die beiden Ausland-Sparten werden fusioniert, auch die Sparten Energieservice sowie Trading & Services werden zusammengelegt.

Ausserdem wird der Hauptsitz von Neuenburg nach Lausanne verlegt. Die Funktionen werden auf die bestehenden Standorte Olten und Lausanne aufgeteilt, gab die aus der Fusion der Oltener Atel und der Lausanner EOS entstandene Gruppe bekannt. Insgesamt will Alpiq die betrieblichen Kosten bis Ende 2012 um rund 100 Millionen Franken senken.

Gewinn bricht ein

Alpiq sieht sich mit rückläufigen Ergebnissen konfrontiert. In den ersten neun Monaten ging der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode von 10,5 Milliarden auf 10,2 Milliarden Fr. zurück. Das garstige Marktumfeld und die negativen Währungseinflüsse drückten das Betriebsergebnis um 39 Prozent auf 180 Millionen Franken.

Der Reingewinn ist gar um 57 Prozent auf 180 Millionen Fr. eingebrochen. Darin noch nicht berücksichtigt ist eine Sonderabschreibung von 35 Millionen Fr. auf das Projekt eines neuen Kernkraftwerks im Niederamt, das nach dem vom Parlament beschlossenen Atomausstieg keine Zukunft hat.

«Fukushima hat die Strombranche unter Druck gebracht, die Margen sind gesunken, der starke Franken hat uns im 2011 rund 100 Millionen Franken gekostet und der Ausblick ist ungewiss», klagte Schweickardt. Er rechnet für die Branche erst 2014 mit einer Besserung der Situation.

Milliarden-Abschreiber

Alpiq will die Bilanz wieder ins Lot bringen und die Nettoverschuldung bis Ende 2014 um 1,5 bis 2,0 Milliarden Fr. abbauen. «Wir werden das Investitionsprogramm von 2012 bis 2014 um 0,7 Milliarden auf 1,3 Milliarden Franken kürzen», sagte Finanzchef Kurt Baumgartner.

Gekürzt werden unter anderem Investitionen in erneuerbare Energien. Weiter sollen einige Ausbauprojekte verschoben werden. Schwer wiegen zudem Wertberichtigungen auf weitergeführte Aktivitäten und Rückstellungen von 1,7 Milliarden Franken zulasten des Jahresergebnisses 2011. Die Internationalisierungsstrategie sei nicht ganz erfolgreich gewesen, räumte Schweickardt ein.

Abgewertet werden muss etwa ein Gaskraftwerk, das in der Spitze der Preisentwicklung gebaut wurde und nun 20 Prozent weniger Wert hat. «Die Preise haben sich nicht so entwickelt, wie wir erwartet haben», räumte Finanzchef Baumgartner ein.

Um zu Geld zu kommen, will der Energieriese überdies «entbehrliche Aktive» verkaufen. Dazu gehören etwa die deutsche Alpiq Anlagetechnik (AAT) und die italienische Edipower. Zudem ist geplant, nicht strategische Unterbeteiligungen abzutreten. Damit will Alpiq Mittelzuflüsse von 1,5 bis 1,8 Milliarden Fr. zwischen 2012 und 2014 generieren.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Der Konzern beschränkt sich auf den Kernmarkt Schweiz und profitable Nischen in Europa. In der Schweiz will das Unternehmen die Laufzeiten der bestehenden Energieanlagen ausschöpfen und sich auf den Ausbau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien fokussieren, insbesondere auf Wasserkraft.

Alpiq sieht «grosses Wachstumspotenzial» bei der Energieeffizienz. Derzeit arbeiten weltweit gemäss den Angaben rund 3700 Mitarbeiter in diesem Bereich.

Der Stellenabbau und das Massnahmenpaket war von Alpiq bereits nach den schwachen Halbjahreszahlen angekündigt, aber noch nicht beziffert worden. In der Folge ist Ende September Konzernchef Giovanni Leonardi abrupt zurückgetreten, weil er den Umbau nicht mittragen wollte und es dafür eine neue Persönlichkeit brauche.

(SDA)

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