Alpiq ist vollständig in Schweizer Hand

Die Führung des Stromkonzerns begrüsst den Wechsel im Aktionariat. Damit soll auch eine Unsicherheit wegfallen.

Ende des Doppelmandats in Sicht? Jens Alder, VR-Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats von Alpiq. (4. März 2019)

Ende des Doppelmandats in Sicht? Jens Alder, VR-Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats von Alpiq. (4. März 2019) Bild: Alexandra Wey/Keystone

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Der Stromkonzern Alpiq geht vollständig in Schweizer Hände über. Die Electricité de France (EDF) verkauft ihren Anteil von 25 Prozent an die bisherigen Aktionäre Primeo Energie und EOS, die die Aktien an eine Schweizer Anlagegesellschaft weiterreichen werden. Die Publikumsaktien sollen von der Börse genommen werden.

Der Kaufpreis für die EDF-Beteiligung beträgt rund 489 Millionen Franken oder 70 Franken je Alpiq-Aktie. Nach der Transaktion halte das Konsortium der Schweizer Aktionäre 88 Prozent an Alpiq, betonte Conrad Amman, CEO der Baselbieter Primeo Energie am Freitag vor den Medien. «Wir sind sehr froh, dass wir eine Schweizer Lösung gefunden haben.» Bei den verbleibenden 12 Prozent handelt es sich um die an der SIX kotierten Titel.

Transaktion über Wandeldarlehen

Beim Ausstieg der EDF handelt es sich um keine Überraschung. Der französische Energieversorger hatte bereits im vergangenen August die Konsortialvereinbarung der Alpiq-Gründungsaktionäre per September 2020 gekündigt. Nun werde die Vereinbarung mit dem Vollzug der Transaktion vorzeitig enden, hiess es.

Die Primeo Energie sowie die Westschweizer EOS Holding kaufen der EDF nun zunächst ihren Anteil paritätisch ab. Finanziert wird der Kauf mit einem Pflichtwandeldarlehen der CSA Energie-Infrastruktur, einer Anlagegesellschaft, in der 135 Schweizer Pensionskassen investiert sind. Das Wandeldarlehen soll in bis zu einem Jahr fällig werden, womit die Alpiq-Aktien in den Besitz der CSA übergehen.

Investor für Energie-Infrastruktur

Beim künftigen neuen Alpiq-Grossaktionär handelt es sich um den «grössten institutionelle Investor in die Schweizer Energie-Infrastruktur», wie Dominik Bollier, Managing Partner der von der Credit Suisse verwalteten CSA Energie-Infrastruktur vor den Medien sagte. Die Investitionsschwerpunkte liegen bei Übertragungs- und Verteilnetzen sowie bei der Grosswasserkraft.

Die CSA investiere dabei mit einem unbefristeten Anlagehorizont. «Aufgrund unserer langfristigen Ausrichtung sehen wir uns als Finanzierungspartner der öffentlichen Hand», so Bollier. Bei den Teilnehmern handle es sich ausschliesslich um Schweizer Vorsorgeeinrichtungen: Das garantiere, dass die Alpiq in Schweizer Hand bleibe.

Kein Pflichtangebot

Aufgrund eines «Opting-outs» löst die Transaktion laut der Mitteilung kein Pflichtangebot an die anderen Aktionäre aus. Aber die Vertreter der Alpiq-Aktionäre bekräftigten die Absicht, das Unternehmen von der Börse zu nehmen, wollten aber zu Bedingungen und Zeitpunkt keine Angaben machen. Diese dürften erst nach dem Abschluss der Transaktion folgen, erklärte CSA-Vertreter Dominik Bollier. Man werde aber sicherlich «alle Aktionäre gleich behandeln».

Der Preis von 70 Franken, zu dem die EDF ihren Anteil verkauft, dürfte auch die Richtgrösse für die Kleinaktionäre sein. «Es wäre falsch, auf einen höheren Preis zu spekulieren», sagte Bollier. Keine Aussagen gab es auch dazu, wer die Publikumsaktien zurückkaufen würde - also etwa einer der Aktionäre oder Alpiq selbst. Das sei derzeit «in Verhandlung».

Stark verkleinert

Alpiq hatte im vergangenen Jahr eine tiefgreifende Restrukturierung durchlaufen und dabei sein Dienstleistungsgeschäft mit fast 7'700 Mitarbeitenden an den französischen Baukonzern Bouyges verkauft. Mit der Fokussierung des Geschäftsmodells werde Alpiq «vermehrt langfristige Abnahmeverträge abschliessen», hiess es am Freitag. In der Schweiz werde sich Alpiq zudem vor allem auf die Erhaltung und Weiterentwicklung der Wasserkraft konzentrieren.

Alpiq-Präsident Jens Alder, der das Stromunternehmen derzeit auch operativ führt, begrüsste vor den Medien den Wechsel im Aktionariat: Damit falle eine Unsicherheit weg und Alpiq erhalte einen Investor, der an das Geschäftsmodell glaube. Die neuen Strukturen könnten auch den Weg für das Ende seines Doppelmandats ebnen, sagte er gegenüber der AWP: Er habe immer gesagt, dass er dieses nur während einer «Stabilisierungsphase» wahrnehmen wolle.

Erstellt: 05.04.2019, 16:31 Uhr

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