Die Fifa braucht Profis statt Amigos

Die jüngsten Enthüllungen offenbaren, wie unprofessionell der Weltfussballverband geschäftet.

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Am Donnerstagabend ging alles schnell. Am späten Nachmittag hatten internationale Medien, darunter Tagesanzeiger.ch/Newsnet, undurchsichtige Vorgänge bei Deals mit WM-Tickets publik gemacht. Dreimal neunzig Minuten später war Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke suspendiert. Da der Franzose aber formell Verbandsangestellter bleibt, kann gegen ihn intern ermittelt werden – was getan wird.

Dies zeigt, dass Profis am Werk sind: Die Fifa untersucht und ahndet fragwürdiges Verhalten ihrer Akteure.

Doch abgesehen von mutmasslichen Vergehen und Verbrechen gibt die Geschäftsbesorgung im organisierten Fussball Anlass zur Sorge. In ihrem Kerngeschäft operierte die Fifa jahrzehntelang dilettantisch. Dies zeigen die jüngsten Enthüllungen aus dem Milliardenunternehmen deutlich.

  • Beispiel 1: Eine frisch gegründete Marketingfirma bekommt einen höchst lukrativen Hospitality-Auftrag für die WM 2006. Der Handkuss geht an einen mächtigen japanischen Sportmarketing-Manager, dessen Freundschaft mit Sepp Blatter 1979 begann.
  • Beispiel 2: Generalsekretär Valcke vergibt begehrte Kontingente für WM-Tickets nach ein paar persönlichen Treffen und mit ein paar saloppen E-Mails.
  • Beispiel 3: Ein enger Mitarbeiter Blatters schreibt ein Schmähporträt des Uefa-Präsidenten Michel Platini und bietet es Zeitungen zur Publikation an.

Möglich ist dies in einer Betriebsatmosphäre, in der sich PR-Berater mit Methoden aus dem letzten Jahrtausend im Krisenmanagement für den Fifa-Boss versuchen. Die Verbandsspitze will geltend machen, auch sie sei das Opfer einer alten Garde korrupter Funktionären aus fernen Ländern. Doch die Señores, die zurzeit die Zürcher Bezirksgefängnisse bevölkern, sind nur eines der Fifa-Hauptprobleme. Ein anderes ist das Alltagsgeschäft.

Ehrliche Unter­gebene tun einem leid

Für die Spitze des Weltfussballs braucht es neben internen Ermittlungen und Strafverfahren vor allem eines: Profis statt Amigos. Sonst müssen einem ehrliche und engagierte Unter­gebene in Blatters schrumpfendem Reich weiter leidtun. Denn sie sehen auch, dass ganz oben Deals so abgewickelt werden, wie es dem Vorstand des abstiegsgefährdeten Zweitligisten FC Visp nie durchgelassen würde.

Erstellt: 18.09.2015, 23:39 Uhr

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