Amazon hängt Apple und Google ab

Der Onlinehändler ist neu die wertvollste Marke der Welt. Die Schweiz ist im internationalen Ranking bemerkenswert übervertreten.

Öffnet seine Firma für neue Bereiche: Amazon-CEO Jeff Bezos in einer futuristischen Arbeitsstätte in Seattle.

Öffnet seine Firma für neue Bereiche: Amazon-CEO Jeff Bezos in einer futuristischen Arbeitsstätte in Seattle. Bild: Keystone

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Der Aufstieg von Amazon sucht seinesgleichen: 1995 fing die Firma von Jeff Bezos als kleiner Buchladen an, heute ist sie das weltweit umsatzstärkste Internetunternehmen und Bezos der reichste Mann der Welt. Amazon ist nicht mehr nur ein Onlinehändler, sondern produziert selber Elektronik und ist in den Bereichen Versand, Musik und Videostreaming präsent.

Auch beim Ranking des Beratungsunternehmens Brand Finance, das jährlich die 500 wertvollsten Marken der Welt bewertet, hat Amazon einen Aufwärtstrend hinter sich wie kaum eine andere Firma. 2011 schaffte sie es noch nicht einmal in die Top 30, doch seither ging es steil bergauf. Gut 150 Milliarden US-Dollar ist die Marke Amazon laut dem neusten Bericht von Brand Finance wert – und damit erstmals mehr als diejenige der Konkurrenten Apple und Google.

Um ganze 42 Prozent steigerte Amazon seinen Markenwert im Vergleich zum Vorjahr. Apple und vor allem Google, die das Ranking zusammen mit Samsung jahrelang dominierten, konnten mit diesem Wachstum nicht Schritt halten. «Es deutet alles darauf hin, dass die Marke Amazon weiter unbegrenzt und exponentiell wachsen wird», glaubt David Haigh, CEO von Brand Finance. Die Stärke und der Wert der Marke erlaube es dem Unternehmen, sich unaufhaltsam in neue Branchen und Gebiete auszudehnen.

Die Zukunft von Apple hingegen sieht laut dem Bericht «düster» aus. Das Unternehmen hat es demnach verpasst, sich zu diversifizieren und von den Verkäufen seines Aushängeschilds iPhone unabhängiger zu machen, das für zwei Drittel des Umsatzes verantwortlich ist. Der zunehmende Fokus von Apple auf Luxusgüter könnte die Marke Anteile am globalen Markt kosten. Auch Google wird von Brand Finance vorgeworfen, sich zu sehr auf bestimmte Branchen zu konzentrieren, anstatt wie Amazon das volle Potenzial seiner Marke auszuschöpfen.

Solche Kritik ist allerdings relativ. Denn beide Unternehmen haben es auf das Podest der Liste der wertvollsten Marken geschafft, die zunehmend vom Technologiesektor dominiert wird. Zum ersten Mal überhaupt bestehen die Top 5 ausschliesslich aus Technologiefirmen. Insgesamt machen solche fast ein Viertel des Rankings aus. Und die Dominanz des Digitalbereichs dürfte in den kommenden Jahren noch zunehmen.

Den zweitgrössten Anteil in der Rangliste hat der Bankensektor, was auch mit Schweizer Beteiligung zu tun hat. Unter den 500 wertvollsten Marken der Welt befinden sich 16 hiesige Unternehmen. «Die Schweiz ist bemerkenswert übervertreten», sagt Brand-Finance-CEO Haigh auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Obwohl das Land nur 0,1 Prozent der Weltbevölkerung stelle, sei es für 1,9 Prozent des Gesamtwerts der grössten Marken verantwortlich.

«Die entscheidende Stärke der Schweiz ist die Vielfalt ihrer grossen Brands.»David Haigh, CEO Brand Finance

Der Bericht zeigt, dass die Schweiz Standort einer Reihe von bedeutsamen Firmen aus ganz unterschiedlichen Sektoren ist. Die zehn wertvollsten Unternehmen kommen aus sieben verschiedenen Bereichen. Mit Abstand am höchsten bewertet Brand Finance die Marke Nestlé mit 19,4 Milliarden US-Dollar.

Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der Wert der grössten Schweizer Unternehmen durchschnittlich 3 Prozent. Angetrieben wurde diese Entwicklung in erster Linie vom Uhrenhersteller Cartier und vom Energiekonzern ABB. Nestlé konnte seinen Markenwert nicht verbessern, besitzt aber gleich drei weitere Firmen, die es ins Ranking schafften: Purina, Nescafé (Platz 330) und S-26 (Platz 471).

In einem Bereich hinkt die Schweiz allerdings hinterher. Sie hat keine grossen Brands im Technologiebereich, der das Ranking heute dominiert und wohl auch in den kommenden Jahren am stärksten wachsen wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2018, 12:55 Uhr

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