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Anti-Terror-Software gegen die eigenen Mitarbeiter

Exzesse und Betrügereien bringen Banken an den Abgrund. Die Finanzhäuser setzen nun auf Systeme, die auch die US-Armee nutzt.

Wäre seine Kommunikation ausgewertet worden, wären seine überbordenden Spekulationen wohl aufgedeckt worden: Ex-UBS-Banker Kweku Adoboli, hier vor einem Gerichtstermin im Jahr 2011.
Wäre seine Kommunikation ausgewertet worden, wären seine überbordenden Spekulationen wohl aufgedeckt worden: Ex-UBS-Banker Kweku Adoboli, hier vor einem Gerichtstermin im Jahr 2011.
Sang Tan, Keystone
Jérôme Kerviel hat seinem Arbeitgeber, der Société Générale, mit Sepkulationsgeschäften hohe Verluste beschert. Hier auf dem Weg zu einer Gerichtsverhandlung im Jahr 2012.
Jérôme Kerviel hat seinem Arbeitgeber, der Société Générale, mit Sepkulationsgeschäften hohe Verluste beschert. Hier auf dem Weg zu einer Gerichtsverhandlung im Jahr 2012.
Remy de la Mauviniere, Keystone
Mit der Auswertung von E-Mail- und Chatkonversationen und der Überwachung von Telefongesprächen sollen nicht regelkonforme respektive sogar illegale Machenschaften von Bankmitarbeitenden rechtzeitig erkannt werden (Symbolbild).
Mit der Auswertung von E-Mail- und Chatkonversationen und der Überwachung von Telefongesprächen sollen nicht regelkonforme respektive sogar illegale Machenschaften von Bankmitarbeitenden rechtzeitig erkannt werden (Symbolbild).
Boris Roessler, Keystone
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Wenn die eigenen Händler zu hohe Risiken eingehen, kann das für die Bank sehr teuer werden. Die Grossbank UBS musste das schmerzlich erfahren, als ihr der Investmentbanker Kweku Adoboli mit seinen Handelsspekulationen einen Schaden von über 2 Milliarden Dollar zufügte. Bei der französischen Bank Sociéte Général sorgte Jérôme Kerviel mit seinen Spekulationsgeschäften gar für einen Verlust von über 4,8 Milliarden Euro.

Banken haben also ein grosses Interesse daran, möglichst früh auf Mitarbeiter aufmerksam zu werden, die zu hohe Risiken eingehen. Das Gleiche gilt für Mitarbeitende, die betrügerische Geschäfte tätigen, indem sie beispielsweise Insiderwissen für eigene Transaktionen ausnutzen.

Mittlerweile werfen die grossen Finanzinstitute Hunderte von Millionen Franken auf, um sicherzustellen, dass sich all ihre Mitarbeiter an alle Regeln und Gesetze halten. Zum Einsatz kommt dabei auch selbstlernende Software, die einst für die Jagd nach Terroristen entwickelt wurde.

Denn die Schwierigkeit der Überwachung der eigenen Mitarbeiter besteht darin, dass die zu verarbeitenden Daten – von Telefongesprächen über E-Mails bis hin zu Chatprotokollen – unglaublich gross sind und beispielsweise die reine Suche nach Stichwörtern viele Fehlalarme auslöst. Software, wie sie laut Berichten in englischsprachigen Medien unter anderem bei der UBS und bei Goldman Sachs zum Einsatz kommt, sucht in den Daten dagegen nicht nur bloss nach Stichwörtern, sondern sie analysiert die Sprachmuster der Kommunikation.

US-Armee wurde auf Start-up aufmerksam

Ein Unternehmen, das solche Software entwickelt, ist Digital Reasoning. Die US-amerikanische Firma wurde 2000 gegründet. Die Idee der Gründer: Software zu schreiben, die Texte und deren Kontext verstehen kann. Nach den Attentaten vom 11. September 2001 wurde die US-Armee auf das Start-up aufmerksam. Mithilfe der Software machte sie dann Terrornetzwerke über deren Onlinekommunikation ausfindig.

Die Technologie wurde seither nicht nur ständig weiterentwickelt – das Unternehmen konnte seine Technologie der Datenanalyse mehr und mehr auch für kommerzielle Zwecke verkaufen, zum Beispiel eben an Banken.

Textanalysesysteme sind allerdings nur ein Mittel im Kampf gegen nicht regelkonforme respektive sogar illegale Machenschaften von Bankmitarbeitenden. Zum Einsatz kommt beispielsweise auch Software, die von der Norm abweichende Telefongespräche erkennen kann. Überwacht wird damit je länger, je mehr nicht nur das, was die Angestellten in den Handelsräumen tatsächlich tun, sondern auch der emotionale Zustand der Mitarbeitenden.

Laut Berichten in Fachmedien soll etwa schon bald ein mit Sensoren bestückter Badge in der Praxis getestet werden. Der Badge zeichnet alle Aktivitäten seines Trägers auf. Denkbar ist aber auch der Einsatz von Armbändern, wie sie bei Fitness-Apps gang und gäbe sind. Die so anfallenden Daten können wiederum auf auffällige Verhaltensmuster hin abgesucht werden. Immer mit dem Ziel, Fehlverhalten von Bankern möglichst frühzeitig zu erkennen und zu stoppen. Allenfalls parallel dazu aber auch, um die Produktivität der Mitarbeiter zu überwachen. (rj)

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