Hintergrund

Aufruhr beim «Blick»

«Blick»-Chefin Andrea Bleicher soll kurz vor der Ablösung durch Wirtschaftsjournalist René Lüchinger stehen. Doch in einem internen Schreiben stellt sich das Team hinter Bleicher.

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Die von der «NZZ am Sonntag» genährten Gerüchte, dass René Lüchinger bei «Blick» den Chefsessel übernehmen soll, haben in der Redaktion des Newsroom zu Unmut geführt. Zwar sei das Gerücht bereits länger im Umlauf gewesen, aber man habe es nicht wahrhaben wollen, sagt eine redaktionsinterne Quelle.

Fruchtbare Aufbruchsstimmung

Am Dienstag dann ist das Redaktionskader zur Tat geschritten. Dem «Tages-Anzeiger» liegt ein an Ringier-CEO Marc Walder adressierter Brief vor, den die gesamte Redaktionsleitung von «Blick», «SonntagsBlick» und «Blick online» unterschrieben hat. Darin drückt die Redaktionsleitung ihr Unverständnis über den zu erwartenden Entscheid der Unternehmensleitung aus. Und stellt sich nachdrücklich hinter Andrea Bleicher. Zwar wurde Bleicher im Februar nur zur Chefin ad interim ernannt. Doch die Nichtbestätigung könne man sich weder erklären, noch sei sie gerechtfertigt.

Bleicher habe dem «Blick» eine fruchtbare Aufbruchsstimmung gebracht, schreibt die Redaktionsleitung, lobt das gute Arbeitsklima unter ihrer Führung sowie ihre Kompetenz. Unter Bleicher sei es dem «Blick» gelungen, mit Recherchen nationale Geschichten zu lancieren und Diskussionen zu prägen. Ausserdem habe sie ein neues Team aufgebaut, Strukturen und Abläufe reorganisiert und gestrafft. Es sei ihr gelungen, sich in einem Umfeld zu bestätigen, das sich seit Jahren in der Krise befindet.

Zu jedem Preis

Vor allem aber zeigen sich die Unterzeichnenden müde. Man habe bereits alles Mögliche ausprobiert: «linken» Boulevard, Tabloid-Format, zwei Chefredaktoren aus Deutschland. Das alles, schreibt die Redaktion, habe man mitgetragen. Mit dem geplanten Wechsel sei die Grenze des Verständnisses erreicht. «Wir halten ihn für ein abermaliges Experiment mit ungewissem Ausgang», heisst es. Vor allem, da der Newsroom zum ersten Mal richtig in Fahrt gekommen sei. Und dies sei unter anderem auch Andrea Bleichers Verdienst.

Ringier-Pressesprecher Edi Estermann sagte zu den Gerüchten um den geplanten Wechsel an der «Blick»-Spitze: «Wir kommentieren das Thema extern derzeit nicht.» Zum Brief habe die Unternehmensleitung auch keine Stellung genommen, heisst es aus internen Quellen. Von dort ist aber zu erfahren, dass die Einsetzung Lüchingers bereits im Juli hätte erfolgen sollen. Als Andrea Bleicher ankündigte, sie werde Ringier verlassen, wenn man sie nicht bestätige, habe man noch zugewartet, was die Unternehmensleitung überrascht habe. Die Unternehmensleitung versuche, sie um jeden Preis zu halten. «‹Jeder Preis› ist dabei wörtlich zu verstehen», sagt eine interne Quelle.

Über die Gründe, warum Ringier Bleicher absetzen will, wird derweil weiter spekuliert. Sie sei mit Frank A. Meyer, einer Art Chefpublizist im Hause und langjähriger Vertrauter von Verleger Michael Ringier, zwar «häufig und intensiv» in telefonischem Kontakt gestanden. Sie habe sich aber «betont unabhängig» gegeben, heisst es. Meyer wiederum habe die «politischen Gespräche» vermisst, die er jeweils gern mit den «Blick»-Chefs führt. Gemäss weiteren redaktionsinternen Quellen wirft die Unternehmensleitung Bleicher zudem vor, sie habe sich zu wenig um die Bewirtschaftung der lukrativen Gewinnspiele – zum Beispiel das Käfer-Spiel – gekümmert. Dadurch seien dem Verlag massive Mindereinnahmen entstanden.

Erstellt: 14.08.2013, 17:58 Uhr

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