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Aufstand gegen die Lohnpolitik der ABB

Die ABB-Aktionäre sagten diese Woche nur ganz knapp Ja zum Vergütungsbericht. Die Gründe für das schlechte Ergebnis – und wieso es beinahe untergegangen wäre.

Das mit Abstand schlechteste Resultat der Geschichte: Nur gerade 51 Prozent der vertretenen Aktionäre genehmigten den Vergütungsbericht der ABB.
Das mit Abstand schlechteste Resultat der Geschichte: Nur gerade 51 Prozent der vertretenen Aktionäre genehmigten den Vergütungsbericht der ABB.
Keystone

Es könnte einfach nur Zufall sein. Einer, der dazu geführt hat, dass zweimal hintereinander kaum über ABB geschrieben wurde – obwohl es Grund dazu gegeben hätte. Und zufälligerweise ging es beide Male um dasselbe: die Löhne.

Den ersten Anlass für Schlagzeilen hätte der Vergütungsbericht geliefert, den ABB Anfang März publizierte. An einem Freitagabend nach US-Börsenschluss – als alle Welt bereits im Wochenende war. Der zweite wäre die ABB-Generalversammlung vom Mittwoch ge­wesen. Dem Tag vor dem arbeitsfreien 1. Mai, als die Aktionäre die Topsaläre absegnen sollten – und das um ein Haar nicht getan hätten. In der ABB-Mitteilung findet sich dazu dieser Satz: «Der Vergütungsbericht wurde in einer nicht bindenden Abstimmung genehmigt.»

Tatsächlich genehmigten nur gerade 51 Prozent der vertretenen Aktionäre diesen Bericht – das mit Abstand schlechteste Resultat der Geschichte. Bei der ersten Abstimmung 2009 waren es über 92 Prozent Ja-Stimmen gewesen, ein Anteil, der Jahr für Jahr bröckelte und 2013 noch 82 Prozent erreichte.

Die Beinahe-Ablehnung ist einer seltenen Konstellation geschuldet: Für einmal waren sich alle drei Schweizer Stimmrechtsberater – Ethos, Actares und zCapital – sowie die amerikanische ISS einig. Sie stimmten geschlossen dagegen – wegen grundsätzlich zu hoher Löhne, Sonderzahlungen und unzeitgemässer Zusatzleistungen.

3,1 Millionen für die ABB-Chefjuristin

Konkret schüttete ABB letztes Jahr 48 Millionen Franken an aktuelle und ehemalige Mitglieder der Konzernleitung aus. Allein Ulrich Spiesshofer – erst seit Mitte September Konzernchef – erhielt bei einem Basissalär von 1,1 Millionen eine Entschädigung von insgesamt 5,8 Millionen. Der variable Anteil betrug also mehr als das Vierfache des Grundlohns. Ein Hebel, den die Stimmrechtsberater scharf kritisieren – zumal er auf fast das Fünffache steigen kann. «Das ist gemäss unseren Kriterien ein viel zu grosser Faktor», sagt etwa Ethos-Direktor Dominique Biedermann. «Zumal nur ein Teil dieser variablen Entschädigung von Leistungskriterien abhängt.» Das ist allerdings schon lange so – weshalb Ethos den Bericht seit Jahren ablehnt.

Neu ist hingegen ein Sonderbonus von 3,1 Millionen für die ABB-Chefjuristin. «Dieser Sonderbonus ist für uns unter keinem Titel nachvollziehbar – zumal Diane de Saint Victor auch so sehr gut bezahlt wird», sagt der Ethos-Direktor. ABB-Sprecher Thomas Schmidt argumentiert, der Bonus soll die «begehrte Chefjuristin» für drei Jahre an ABB binden. Biedermann hält dem entgegen: «Für ihren regulären Lohn von 3,6 Millionen fände man auf dem Markt problemlos eine qualifizierte Nachfolgerin.»

Dass sich ein Unternehmen mit Geld keine Treue kaufen kann, zeigt das Beispiel des von Carrefour abgeworbenen neuen Personalchefs. ABB entschädigt Jean-Christophe Deslarzes mit 3,6 Millionen für gesperrte Aktien beim früheren Arbeitgeber. «Diese Praxis treibt das Instrument der langfristigen Entschädigung ad absurdum», sagt Biedermann. Die Manager profitierten auf jeden Fall, notfalls zahle der neue Arbeitgeber, «auf Kosten von uns Investoren».

Gregor Greber von zCapital kritisiert zudem die teils «exotischen Vergütungskomponenten» von ABB: Unter dem Posten «andere Zusatzleistungen» zahlt ABB seinen Topmanagern die Steuerberatung, die Krankenkassenprämien und die Ausbildungskosten für die Kinder. Je nach Manager macht das zwischen 200 000 und 1 Million Franken aus.

ABB-Präsident Hubertus von Grünberg reagierte noch an der Generalversammlung auf das knappe Ja zum Entschädigungsbericht und das harsche Votum von Brigitta Moser-Harder, einer Mitinitiantin der Abzockerinitiative. «Wir werden alle nötigen Anstrengungen unternehmen, um in Zukunft ein besseres Ergebnis zu erzielen.»

In den letzten drei Jahren veröffentlichte ABB den Bericht übrigens donnerstags. Und die Generalversammlung fand erstmals am 30. April statt.

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