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Bank sucht: Kundenberater mit Weissgeld-Portefeuille

Bei Neueinstellungen bleiben Banken vorsichtig. «Der Fuss ist noch auf der Bremse», sagt ein Headhunter.

Kundenberater sind bei den Banken zwar gesucht – aber noch nicht allzu sehr.
Kundenberater sind bei den Banken zwar gesucht – aber noch nicht allzu sehr.
Nicola Pitaro

Bei den Grossbanken sind mehr offene Stellen in der Schweiz zu besetzen als auch schon. Die CS sucht gegenwärtig gut 300 Leute, die UBS gar 500. Und vor allem: Ein Drittel der offenen Stellen bei der UBS betrifft neu geschaffene Posten und hat nichts mit normalen Abgängen zu tun. Der selektive Wiederaufbau nach der Krise hat begonnen. Und man müsste meinen, das Jobkarussell fange erneut an zu drehen.

Zurückhaltung bei Privatbanken

Doch dem ist nicht so, vor allem nicht für Kundenberater. «Der Fuss ist nicht weg von der Bremse», sagt Marco Feuerstein von Schillingpartners, spezialisiert auf die Vermittlung von Führungskräften. «Die Unsicherheit in der Branche ist noch immer beträchtlich, gerade in der Vermögensverwaltung.» Gleich klingt es beim Personalvermittler Jaeger: «Es herrscht eine grosse Verunsicherung», sagt Ralph E. Jaeger. Vielen Banken sei es wegen des politischen und juristischen Drucks, zuerst aus den USA, jetzt aus Deutschland, unwohl geworden in der Vermögensverwaltung.

Auch Privatbanken üben Zurückhaltung. Bevor man an den Ausbau denkt, werden lange juristische Gutachten erstellt, die Strategie komplett überdacht. Besonders mutig ist niemand. «Die Banken sind vorsichtig, sie wollen keine Risiken wegen undeklarierter Gelder einkaufen», so Feuerstein. Bankberater für deutsche Kunden etwa seien gegenwärtig wenig interessant, vor allem wenn nicht garantiert ist, dass sie nur Weissgeld-Kunden betreuen.

100 Millionen reichen kaum

Dabei möchten die Banken durchaus neue Kundenberater gewinnen. Sowohl die CS wie die UBS, aber auch einzelne Privatbanken suchen hier Verstärkung. Das Problem ist nur: Was man sich wünscht, sind Kundenberater mit astreinem Weissgeld-Portefeuille. Das beteuern zwar alle Berater von sich, doch die Banken sind vorsichtiger geworden.

Hinzu kommt die ökonomische Betrachtung: Bringt ein Berater 100 Millionen Franken an verwalteten Vermögen mit, dann generiert das 1 Million an Erträgen. Davon abzuziehen sind 50 bis 80 Prozent an Kosten, die der Berater verursacht – durch Lohn, Büro und anderes. Der Bank würden also unter dem Strich 200'000 bis eine halbe Million Franken bleiben.

Kleine Fische

Doch heutzutage können Berater ihre Kunden und deren Vermögen nicht mehr so einfach von einer Bank zur andern zügeln. Hier haben die Institute in ihre Verteidigung investiert. Ein Berater kann normalerweise noch 20 bis 30 Prozent der Gelder mitnehmen. Und so bleiben der anwerbenden Bank unter dem Strich in diesem 100-Millionen-Beispiel vielleicht noch 50'000 bis 100'000 Franken an Reinertrag. Kleine Fische, mässig interessant. Und deren Klientel müsste auch noch in die Kundenstruktur der Bank passen. (Wer allerdings 200 oder 300 Millionen Vermögen verwaltet, der kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen.) Heute kaufen die Banken zudem lieber ganze Teams ein, um damit einen bestimmten Markt integral abdecken zu können.

Keine Lohnsprünge mehr

All das spüren die Kundenberater. «Es wird zwar abgeworben, aber nie mehr so wie früher», sagt Headhunter Björn Johansson. Das hat auch Folgen für die Löhne: «Grosse Lohnsprünge gibt es nicht», so Johansson, «ausser die Bank suche gezielt einen Spezialisten.» Und auch Feuerstein bestätigt: «Das Lohnniveau steigt vorderhand nicht massiv nach oben. Für viele Banker in der Schweiz reicht es gegenwärtig, wenn ihr Arbeitgeber einen interessanten Job und Sicherheit anbietet.»

Anders sieht es bei Kundenberatern in den Filialen der Boom-Region Asien aus: Zuletzt hatten die Banken oftmals Leute aus dieser Region angeworben. Nun steigert der Asien-Hype auch deren Marktwert. In der Branche heisst es, sie könnten inzwischen ihren Lohn diktieren. Und Analysten beginnen, die Gewinnprognosen von Banken wegen anziehender Personalkosten zu senken.

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