Starbanker geht – Vontobel steigert Gewinn

Der Abgang von Rajiv Jain führte zu einem starken Rückgang von verwalteten Vermögen. Auch die Personalkosten in seiner Abteilung sanken massiv.

Das Aushängeschild ging nach 22 Jahren: Rajiv Jain leitete das Fondsgeschäft der Privatbank Vontobel.

Das Aushängeschild ging nach 22 Jahren: Rajiv Jain leitete das Fondsgeschäft der Privatbank Vontobel.

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Die Bank Vontobel hat ein sehr erfolgreiches erstes Halbjahr hinter sich. So konnte die Bank trotz des schwierigen Marktumfeldes den Gewinn um 8 Prozent auf 105,7 Millionen Franken steigern. Entsprechend euphorisch zeigte sich Vontobel-Chef Zeno Staub an der Medienkonferenz am Dienstag in Zürich. «Wir sind sehr glücklich mit dem Resultat», sagte er. Dabei hat diesem Glück auch ein aussergewöhnlicher Sondereffekt nachgeholfen.

Der Gewinn der Privatbank ist nämlich vor allem darum so stark gestiegen, weil mit dem freiwilligen Abgang des Star-Fondsmanagers Rajiv Jain im Mai die Kosten markant gesunken sind. Ohne diesen Zusatzschub hätte Vontobel den Gewinn gegenüber dem Vorjahr vermutlich nicht steigern können. Vermutlich darum, weil das die Bank nicht genau ausweist.

Personalkosten sinken um 27 Prozent

Sie schreibt zwar im Zusammenhang mit dem personellen Wechsel von einer einmaligen Verbesserung des Gewinns um 5 Millionen Franken. In der Medienkonferenz erklärte Staub jedoch, dass es sich dabei nur um den Wegfall von aufgeschobenen Vergütungen für den Fondsmanager handelt. Den positiven Effekt durch tiefere Kosten beziffert die Bank dagegen nicht.

Diese sind wahrscheinlich jedoch beträchlich. So sind die Personalkosten im Asset Management, in dem Jain tätig war, innert Jahresfrist um 30,1 Millionen Franken oder 27 Prozent auf 80,5 Millionen Franken gesunken. Der gesamt Geschäftsaufwand der Bank hat sich um 5 Prozent auf 367,1 Millionen Franken reduziert.

Abgang führte zu Geldabfluss

Profitiert vom Abgang des Starbankers hat Vontobel jedoch nur, weil mit dem Wegbleiben von Jain die Einnahmen nicht im Gleichschritt mit den Kosten zurückgegangen sind. Der Betriebsertrag ist im Asset Management lediglich um 4 Prozent und in der gesamten Bank um 2 Prozent zurück gegangen. Staub betonte denn auch, dass die Bank den personellen Wechsel erfolgreich über die Bühne gebracht habe. Die Bank habe sämtliche anderen Investment-Spezialisten und Händler halten können.

Diesen bleibt jetzt, die negativen Effekte des Abgangs bei den verwalteten Vermögen rückgängig zu machen. Ein Teil der Kunden ist nämlich mit Jain weitergezogen. So sind die betreuten Kundengelder (AuM) um 10 Prozent auf 84,9 Milliarden Franken geschrumpft. In der von Jain betreuten so genannten Quality Growth Boutique haben Kunden unter dem Strich 11,8 Milliarden Franken abgezogen.

Staub erwartet in diesem Zusammenhang keine weiteren Abflüsse. Sämtliche Investoren mit einer Ausstiegsklausel hätten ihre Vermögen bereits verschoben, sagte er. Diesen Sondereffekt herausgerechnet meldet Vontobel einen Netto-Neugeldzugang von 3,1 Milliarden Franken nach einem Zufluss von 6,4 Milliarden Franken im Vorjahr.

Weiter gesunkene Margen

Vor allem dank dem Abgang von Jain hat das Asset Management, das Geschäft mit institutionellen Kunden, den Vorsteuergewinn um 26 Prozent auf 85,3 Millionen Franken steigern können. Im Investmentbanking dagegen gab es einen Rückschlag. Hier fällt der Vorsteuergewinn mit 37,6 Millionen Franken um 19 Prozent tiefer aus, was gemäss dem Geschäftsbericht auf die geringe Kundenaktivität zurückzuführen ist.

Im Geschäft mit reichen Privatkunden, dem Private Banking, konnte Vontobel den Vorsteuergewinn um 4 Prozent auf 26,6 Millionen Franken steigern. Trotz der Gewinnsteigerung musste Vontobel jedoch auch in diesem Geschäftsbereich ein weiteres Absinken der Profitabilität hinnehmen. So sank der Ertrag auf dem investierten Kundenfranken beim Private Banking innert Jahresfrist von 73 auf 69 Basispunkte. Beim Asset Management sank diese Quote von 51 auf 46 Basispunkte.

Vontobel leidet hier wie alle Finanzinstitute unter der geringen Handelsaktivität der Kunden und den Negativzinsen. Im Private Banking konnte die Bank diesen Gegenwind zum Teil mit einer Steigerung der verwalteten Vermögen kompensieren.

Raiffeisen-Kooperation als Wachstumstreiber

Beim Ausblick bekräftigte Staub vor allem, dass Vontobel trotz Gegenwind auf dem Wachstumspfad bleiben werde. So soll unter anderem die neue Zusammenarbeit mit Raiffeisen, die die Übernahme der Raiffeisen-Tochter Vescore beinhaltet, sich als Wachstumstreiber erweisen. Für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahr dämpfte der Vontobel-Chef jedoch die Erwartungen. Das zweite Halbjahr sei bei Finanzinstituten bekanntlich schwächer als das erste, sagte er.

Das schreckte die Anleger jedoch nicht davon ab, Vontobel-Aktien zu kaufen. Das Papier legte bis Mittag um 3,5 Prozent zu – in einem Markt, in dem sich insgesamt wenig bewegte. (sep/sda)

Erstellt: 26.07.2016, 09:29 Uhr

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