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Banken-Bankrotte: Schweizer sparen riskanter

Europas Regierungen versprechen Milliarden und garantieren die Bankeinlagen ihrer Bürger. In der Schweiz soll es keinen Grund dazu geben. Tatsächlich?

Auch in der Schweiz stürzen Banken: September 1991, Thun - Anleger der Spar- und Leihkasse versuchen, ihre Ersparnisse zu retten. Wenig später wird das zahlungsunfähige Institut geschlossen.
Auch in der Schweiz stürzen Banken: September 1991, Thun - Anleger der Spar- und Leihkasse versuchen, ihre Ersparnisse zu retten. Wenig später wird das zahlungsunfähige Institut geschlossen.
Keystone

Letzte Woche waren es Irland und Griechenland, am Sonntag folgte Deutschland, und heute verabreichte Österreich seinen Kleinsparern die Beruhigungspille: Der Staat stehe für die Einlagen den Bankkunden gerade – so jeweils die Erklärung aus dem Finanzministerium.

Offenbar brennt es in Europa. Quer durch den Kontinent bauen die Regierungen ein Sicherheitsdispositiv auf, um einen Massenansturm der Sparer auf die Banken zu verhindern – denn dieser Sturm würde die Finanzkrise vollends zur Katastrophe ausarten lassen.

Ebenfalls heute kündigte die Regierung in Kopenhagen an, dass ein neuer Kollektivfonds der Banken das Geld der dänischen Sparer garantieren soll. Und in Grossbritannien hievte die Finanzaufsicht FSA den staatlichen Einlagenschutz am Freitag von 35'000 auf 50'000 Pfund, also auf gut 100'000 Franken.

100'000 statt 30'000 Franken

Die Botschaft ist jeweils klar: kein Grund zur Panik, der Bürger soll ruhig bleiben. Und in der Schweiz? Bleibt all das Privatsache. Wenn eine Bank bankrott geht, können ihre Kunden auf die so genannte Einlagensicherung hoffen – einen von den Banken gemeinsam geschaffenen Fonds, welcher jedem Kunden die Ersparnisse bis 30'000 Franken garantieren soll. Hinzu kommt die faktische Staatsgarantie, welche Kantonalbanken sowie die (vom Bund gesicherte) Post geniessen.

Anders als in den Nachbarländern kam in der Schweiz bislang auch keine politische Bewegung in die Sache – einmal abgesehen von einem Vorstoss des Solothurner CVP-Parlamentariers Pirmin Bischof, der den Einlegerschutz von 30'000 auf 100'000 Franken pro Person erhöhen will. Doch bis diese Motion, eingereicht vorletzte Woche, umgesetzt und wirksam würde, hätte jede Finanzkrise die Berner Gesetzesmühlen längst überrollt.

Geld fliesst in sichere Häfen

Die helvetische Untätigkeit gehört zum System, sie gründet aber auch in der aktuellen Wirtschaftslage: «Die Situation hier ist nicht vergleichbar mit Belgien, Deutschland oder Irland», sagt Thomas Sutter von der Bankiervereinigung: «Abgesehen von der UBS ist der Finanzplatz Schweiz kaum verstrickt mit dem amerikanischen Subprime-Markt; die Schweizer Wirtschaft läuft immer noch gut; und eine Immobilienblase wie beispielsweise in Irland haben wir hier auch nicht.»

Freilich: Wenn ein Land nach dem andern die Staatsgarantien aufrüstet, bringt es die anderen unter Zugzwang – zumal wenn ein Wirtschaftsriese wie Deutschland mitmacht. Der britische Handelsminister Peter Mandelson ärgerte sich bereits öffentlich über den gestrigen Vorstoss der Regierung Merkel: Wenn ein Land nach dem anderen einseitig Staatsgarantien abgebe, so Mandelson, begründe dies eine neue Welle des «ökonomischen Nationalismus». Die konkreten Folgen begann Madnelson bereits zu ahnen: Nach Irlands Staatsgarantie der letzten Woche verlagerten erste britische Sparer ihr Geld auf die Nachbarinsel.

Dass ein ähnlicher Effekt auch hier wirksam wird, bezweifelt Thomas Sutter vom Bankierverband: Er nehme nicht an, dass die Schweizer Kundschaft jetzt vermehrt Geld ins Ausland verlagere. «Die Leute sehen, dass der Finanzplatz auch so stabil ist.»

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