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Bankenkrise: «Das dicke Ende kommt noch»

Die Finanzkrise könnte sich nochmals verschärfen: Neue Daten lassen weitere Katastrophen in der Bankenwelt befürchten.

Harte Milliardenabschreiber bei Finanzfirmen, die Aktienmärkte im Trudel, Bankrotte von Kleinbanken: Die heisseste Phase der Finanzkrise schien in den letzten Wochen überstanden - und immerhin hatte auch die UBS begonnen, wieder aus der Milliardenverlust-Zone zu kraxeln.

«A Big One»

Und jetzt das: Seit einigen Tagen häufen sich die Hiobsbotschaften und wecken die Befürchtung, dass es nochmals schlimmer kommen könnte. Die Grossbank Wachovia meldete enttäuschend rote Quartalszahlen, die amerikanischen Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae werden nach letzten Informationen wohl nur mit Staatshilfe überleben - für sehr teures Geld.

Öffentlich schwarz malten zudem anerkannte Experten. Ihr Tenor: Die Krise ist noch lange nicht unter Kontrolle, im Gegenteil. «Das Schlimmste kommt noch», meinte etwa Kenneth Rogoff, einst IWF-Chefökonom und jetzt Harvard-Professor: In den nächsten Wochen könnte eine Kreditbank oder eine Investmentbank - und zwar «a big one» - zusammenbrechen. Parallel dazu veröffentlichte die Investmentbank JPMorgan eine Einschätzung, wonach die Probleme des Finanzsystems noch lange nicht gelöst seien.

Erholung verschoben auf Frühjahr 2010

Also kein Licht am Ende des Tunnels? Selbst dies scheint jetzt unklar: «Es ist nicht transparent, wie viele faule Kredite noch in den Bilanzen der Banken stecken», sagt der Ökonom Walter Wittmann; und weiter: «In solchen Krisen kommt die dickste Überraschung in der Regel erst am Schluss.» Zwar seien die Zahlen aus dem US-Immobilienmarkt (also der Kernzone des Übels) nicht mehr ganz so dramatisch, aber die Indikatoren stellen klar: Hier dürfte die Erholung frühestens im Frühling 2010 spürbar sein.

«Die Immobilienmärkte - vor allem in den USA - lassen ahnen, dass es für das Finanzsystem hart bleibt», sagt auch Manuel Ammann, Professor für Finanzen an der Universität St. Gallen: «Man muss damit rechnen, dass noch einige kleinere und mittlere US-Banken die Krise nicht überstehen.»

Die Krise in Phase zwei

Die Einschätzungen decken sich: «Es ist nicht zu erwarten, dass nun alles vorbei ist», sagt Manuel Ammann; und in Zürich meint Hans Geiger, Professor für Bankwirtschaft: «Insgesamt ist das Schlimmste noch nicht überstanden». Die Krise sei einfach in eine neuen Phase getreten: Erst habe sie die Grossbanken getroffen, welche Subprime-Hypotheken und anderen dubiose Titel in ihren Handelsbeständen hatten. Nun seien verschärft die Institute damit konfrontiert, welche die faulen Kredite vor allem im normalen Kommerzgeschäft getätigt haben. Das heisst: Kleinere Banken (und dabei vor allem Banken in Amerika) spüren die Krise jetzt erst recht. In Washington hat die Bankgarantie-Behörde FDIC hat jetzt 90 Regionalbanken auf die Watchlist gesetzt - als Konkurs-Kandidaten.

Aus Schweizer Sicht jedoch - auch darin sind sich die Experten einig - gibt es immerhin Grund zur Hoffnung: Die Branche leidet, aber das System wird nicht zusammenbrechen. Oder wie es Bankenexperte Manuel Ammann formuliert: «In der Schweiz ist die akute Gefährdung vorbei. Aber das heisst nicht, dass die ganze Krise überstanden ist.»

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