Baselworld geht gegen Preiswucher vor

Nach dem Abgang wichtiger Aussteller versucht die Uhrenmesse, Gäste mit Preisgrenzen für Hotelzimmer anzulocken.

Führt eine Preislimite während der Baselworld ein: Das 5-Stern-Hotel Trois Rois in Basel.

Führt eine Preislimite während der Baselworld ein: Das 5-Stern-Hotel Trois Rois in Basel. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die berühmte Basler Uhrenmesse Baselworld steckt in der Krise: Mit der Swatch Group hat der weltgrösste Uhrenhersteller der Messe den Rücken gekehrt. Ab 2019 werde man nicht mehr an der Uhrenmesse teilnehmen, teilte Chef Nick Hayek im Juli der «NZZ am Sonntag» mit. Ein Tiefschlag für die Messe: Der Aktienkurs der Baselworld-Organisatorin MCH Group brach ein. Während Jahren hatte die Swatch Group mit fast allen 18 Marken wie Omega, Breguet, Longines, Tissot und Certina teilgenommen.

«Heute ist alles transparenter, schnelllebiger und spontaner geworden», erklärte Hayek damals. «Die traditionellen, jährlichen Uhrenmessen sind darum für uns nicht mehr sinnvoll.» Auch andere kritische Stimmen häufen sich in der Industrie, die nach neuen Ansätzen bei der Messe rufen.

Weitere Absage für 2019

Bereits dieses Jahr beteiligten sich an der Uhrenmesse nur noch halb so viele Marken wie 2017. Marken wie Hermès, Ulysse Nardin oder die Movado-Gruppe blieben fern. Die MCH Group sah sich gezwungen, die Messe um zwei Tage zu verkürzen, Messehallen mussten geschlossen werden. Zuletzt gab mit Corum eine weitere Schweizer Luxusmarke bekannt, 2019 nicht an der Messe teilzunehmen. Man wolle sein Budget anders einsetzen.

Jetzt versucht der Organisator an einem anderen Ort zu punkten: bei den Übernachtungspreisen. Die Baselworld präsentiert eine Hotelpartnerschaft, die nach eigenen Angaben für mehr als zwei Drittel der Basler Hotelkapazitäten gilt. Diese Übereinkunft beinhaltet Maximalgrenzen für Hotelpreise. Im Gegenzug will die Baselworld mitmachende Hotels an Aussteller und Besucher empfehlen.

Maximalpreis von 1290 Franken

Die Hotelpreise hatten in den letzten Jahren immer wieder für Ärger bei den Gästen und für Negativschlagzeilen gesorgt. Zimmerpreise erreichten teils astronomische Höhen.

Insgesamt machen beim neuen Partnerprogramm 40 Hotels mit. Sie hätten die Wichtigkeit der Baselworld für den Standort Basel erkannt und wollten ihren Teil dazu beitragen, die Show für die Stadt und auch das Umland nachhaltig zu sichern, lässt sich Michel Loris-Melikoff, Managing Director der Baselworld zitieren. Um mitmachen zu können, müssen die Hotels einen Maximalpreis für ein Standarddoppelzimmer einhalten. Ausserdem dürfen sie keinen Mindestaufenthalt und keine Preiserhöhung gegenüber der Messe 2018 verlangen.

Dreimal so hoch

Für ein 5-Stern-Hotel bedeutet die neue Absprache, dass ein Doppelzimmer maximal 1290 Franken pro Nacht kosten darf. Im 1-Stern-Hotel beträgt der Maximalpreis 200 Franken pro Nacht und Zimmer.

Diese Preissetzung wird vom Branchenmagazin «Watch Pro» kritisiert. Die Preise seien immer noch bis zu dreimal höher als sonst, schreibt das Portal. Ein Doppelzimmer im 5-Stern-Hotel Trois Rois, welches als Partner mitmacht, kostet derzeit inklusive Frühstück rund 720 Franken. Das Hotel Wettstein, ein 3-Stern-Hotel, darf an der Baselworld maximal 550 Franken pro Nacht verlangen. Derzeit kostet ein Doppelzimmer dort um die 170 Franken – also ein Drittel des Messepreises.

Airbnb-Lösung soll her

Ebenfalls ungeklärt ist, wie es mit den Preisen bei Airbnb und anderen privaten Anbietern von Zimmern oder Wohnungen, wie etwa Basellodging, aussieht. Einwohner, die ihre Wohnungen oder Zimmer über die Plattform anboten, konnten in den letzten Jahren massiv von der Uhrenmesse profitieren. Vor allem in Messenähe wurden Zimmer und ganze Wohnungen für exorbitante Preise vermietet.

Die Vereinbarung der Baselworld bezieht sich vorerst aber nur auf Hotels. Sprecher Christian Jürgens sagt dazu, das Hotelprogramm sei ein erster und wichtiger Schritt. «In einem zweiten möchten wir mit Portalen wie Airbnb und Vermietungen wie Basellodging ins Gespräch kommen und auch hier nach gemeinsamen Lösungen suchen.»

Fraglich ist, ob so eine Übereinkunft überhaupt nötig ist oder ob sich die Preise für Hotels ohnehin nach unten korrigieren werden. Mit weniger Ausstellern und weniger Messetagen dürften künftig auch weniger Gäste während der Baselworld nach Basel kommen. Bereits in diesem Jahr berichten Medien, dass es auf Plattformen wie Airbnb zur Zeit der Messe noch preisgünstige Angebote gegeben habe.

Gemäss Baselworld-Sprecher Christian Jürgens nahmen an der Messe in diesem Jahr allerdings noch 106'000 Besucher teil und damit nur leicht weniger als im Jahr 2017. Mit deutlich weniger Ausstellern im Jahr 2019 könnte sich dies ändern.

Millionenverlust

Neben der Absprache mit den Hotels will sich die Baselworld auch selbst verändern. Für die Messe 2019 soll in ein neues Konzept investiert werden, 2020 wird dieses dann grundlegend überarbeitet. So soll der durch den Abgang von Swatch frei gewordene Platz für ein grösseres Cateringangebot genutzt werden. Die Schmuckhersteller erhalten zudem eine Showbühne.

Eine tiefgreifende Transformation sei denn auch nötig angesichts der schwierigen Situation, in der sich MCH seit etwa einem Jahr befinde, sagte denn auch Interimschef Hans-Kristian Hoejsgaard vor kurzem der Nachrichtenagentur AWP. MCH erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Verlust in bis zu dreistelliger Millionenhöhe. Wegen der Absage von Swatch müssen weitere Wertberichtigungen für die Messehallen in Basel getätigt werden. Schon 2017 hatte MCH aufgrund des Bedeutungsverlusts von Baselworld über 100 Millionen Franken auf dem Messegebäude abgeschrieben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2018, 15:01 Uhr

Artikel zum Thema

2500 Franken für ein Airbnb-Zimmer in Basel

Airbnb-Hosts versuchen, aus der Kunstmesse in Basel Profit zu schlagen. Die Kritik an der Plattform wächst. Mehr...

Der tiefe Fall der Baselworld

Analyse Jahrzehntelang war die Messe ein Muss für die Uhrenbranche. Jetzt kehrt Swatch dem Anlass den Rücken, die Aktie bricht ein. Wie konnte es so weit kommen? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...