«Bedenkliche Mängel» – Deutsche Bank versagt im US-Stresstest

Der Finanzriese ist im zweiten Teil ihres Stresstests bei der Fed durchgefallen. Was bemängelt wird.

Das Geldhaus hat noch einiges zu verbessern: Logo der Deutschen Bank am Hauptsitz in Frankfurt.

Das Geldhaus hat noch einiges zu verbessern: Logo der Deutschen Bank am Hauptsitz in Frankfurt. Bild: DANIEL ROLAND/AFP

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Die Deutsche Bank hat den wichtigsten Teil des amerikanischen Bankenstresstests nicht bestanden. Der Test habe teilweise «weitreichende und bedenkliche Mängel» bei der US-Tochter der Bank ergeben, bemängelt die Notenbank Fed in einem am Donnerstag in Washington veröffentlichten Bericht. Mit seinem US-Geschäft sei das grösste deutsche Geldinstitut in seinen Planungen und internen Abläufen nicht ausreichend auf Krisensituationen vorbereitet, heisst es darin. Die New Yorker Abteilung der Bank muss sich nun jeden Kapitaltransfer an den Mutterkonzern von der Fed genehmigen lassen und an den festgestellten Defiziten arbeiten. Sie fiel als einziges von 18 Instituten in der zweiten Stufe des Tests durch.

Damit häufen sich die Probleme der Bank mit den Aufsichtsbehörden in den Vereinigten Staaten. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass die Fed das Institut im vergangenen Jahr mit einem schlechten Rating versehen hatte. Die Börsenaufsicht FDIC hatte es daraufhin auf eine Liste von Problembanken gesetzt.

Der erneute Rückschlag trifft die Bank in einer ohnehin schwierigen Lage, das Vertrauen der Investoren schwindet zusehends. Im Lauf der Woche hatte die Deutsche-Bank-Aktie ein Rekordtief erreicht und war erstmals seit der existenzbedrohenden Krise im Herbst 2016 unter die Marke von neun Euro gefallen. Nachdem die Ratingagentur S&P kürzlich die Kreditwürdigkeit des Instituts herabgestuft hatte, drohte zuletzt auch deren Konkurrent Fitch mit einem solchen Schritt.

Die zwei Stufen des Tests

Mit ihren nach der Finanzkrise eingeführten Stresstests untersucht die Fed regelmässig, wie krisenfest die systemrelevanten Banken sind. Er verläuft in zwei Teilen: Die erste Runde des diesjährigen Tests, veröffentlicht vor einer Woche, hatte die Deutsche Bank wie alle 34 anderen untersuchten Häuser noch bestanden. Dabei untersuchen die Aufseher, ob die Banken selbst bei einem schweren Konjunktureinbruch und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf zehn Prozent noch immer Geld an Unternehmen oder Privathaushalte verleihen könnten.

Die zweite Stufe ist wesentlich wichtiger, weil von ihr regulatorische Auflagen abhängen. Sie ist eher qualitativer Natur, die Fed schaut sich dabei vor allem an, ob die Institute «starke interne Kontrollen haben» und ob «das Top-Management und der Verwaltungsrat das Geschäft effektiv beaufsichtigen können». Dort sieht die Bankenaufsicht gravierende Mängel bei der Deutschen Bank und beklagt unter Anderem eklatante Schwächen in der Datenverarbeitung und der Kapitalplanung.

Die Deutsche Bank erklärte, sie habe umfangreich investiert, um ihre Kapitalplanung sowie ihre Kontrollen und Infrastruktur zu verbessern. Die DB USA Corporation habe dabei «bereits Fortschritte erzielt.» Darauf aufbauend werde sie ihre Anstrengungen fortsetzen und dabei «weiterhin konstruktiv mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um ihren eigenen und den Erwartungen der Regulatoren gerecht zu werden.»

Schon zweimal – 2015 und 2016 – waren die US-Aktivitäten der Bank bei den dortigen Aufsehern durchgefallen. In diesem Jahr musste die Deutsche Bank erstmals fast ihr gesamtes US-Geschäft prüfen lassen, das sie in den vergangenen Jahren unter einer neuen Holding zusammengefasst hatte. Bei früheren Tests hatte die Fed einen wesentlich kleineren Teilbereich untersucht, der nur 15 Prozent der Vermögenswerte in den USA ausmachte.

Vor wenigen Wochen sah sich der erst seit April amtierende Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing nach einer Serie schlechter Nachrichten gezwungen, die Finanzstärke des grössten deutschen Geldhauses zu betonen. «Auf Konzernebene steht unsere Finanzstärke ausser Frage», sagte er. «Unsere Kredit- und Marktrisiken sind so gering wie selten.» Mit einem verschärften Sparkurs will der neue Chef den Konzern nach dem dritten Verlustjahr in Folge wieder zum Erfolg führen.

Ob das funktionieren wird, ist fraglich. Analysten erwarten schlechte Ergebnisse im zweiten Quartal. Sollte die Bank im weiteren Jahresverlauf nicht wesentlich mehr Erträge erzielen, droht ihr das schwächste Geschäftsjahr seit der Finanzkrise.

Erstellt: 29.06.2018, 06:52 Uhr

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