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Bei Daimler & Co. geht die Angst um

Finanzkrise und Kursrutsch an der Börse machen selbst grosse Konzerne zu Schnäppchen. So fordern jetzt auch deutsche Schwergewichte härtere Regeln für unwillkommene Aktionäre.

Es ist vollbracht: Nach dem trickreichen Einstieg der Familie Schaeffler beim Autozulieferer Continental übernimmt jetzt faktisch auch der Clan Porsche und Piëch die Kontrolle bei einem deutschen Schlüsselkonzern. Sportwagenhersteller Porsche sicherte sich die Mehrheit auf der VW-Hauptversammlung, indem er seinen Anteil am grössten europäischen Autobauer auf 35,14 Prozent aufstockte. Bald sollen es mehr als 50 Prozent sein. Damit ist der Streit zwischen den Cousins Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch um die Macht im künftigen Autoimperium zwar ebenso wenig gelöst wie die Frage nach den Mitspracherechten der VW-Arbeiter in der Porsche Holding. Die Fälle Schaeffler und Porsche zeigen aber beispielhaft auf, wie selbst altehrwürdige Familien die modernen Möglichkeiten der Kapitalmärkte nutzen und über nicht meldepflichtige Vereinbarungen mit Banken unbemerkt Einfluss auf die im wichtigsten deutschen Aktienindex DAX gelisteten Grossunternehmen gewinnen können.

Bei anderen DAX-Schwergewichten klingeln da die Alarmglocken. Unter den Finanzchefs von Daimler bis Siemens geht die Angst vor ungeliebten Anschleichern um. Die Gefahr ist reell: Seit Ausbruch der Finanzkrise hat etwa Autobauer Daimler rund die Hälfte seines Börsenwertes eingebüsst. Profitierte der Konzern nach der Abspaltung von Chrysler zuerst von steigenden Kursen, wird er jetzt wegen des weltweiten Konjunkturrückgangs und des labilen Automarkts zum Schnäppchen. Daimler, Siemens & Co. sind überdies weitgehend im Streubesitz; es fehlen mächtige, langfristig interessierte, nicht rein renditeorientierte Ankeraktionäre, die Angreifer abschrecken könnten.

Schweiz hat schärfere Meldepflichten

Sorgen machen den deutschen Finanzchefs vor allem auch die Schlupflöcher in den Kapitalmarktgesetzen. So konnte sich Schaeffler unbemerkt über ein kompliziertes Swap-Geschäft mit einer Investmentbank an Conti heranpirschen. Der Familienbetrieb verstiess laut Finanzaufsicht BaFin nicht gegen die Meldepflichten. In der Schweiz wäre dieses Vorgehen nach Revision der Offenlegungs- und Meldepflichten unmöglich: «Setzt ein potenzieller Übernehmer ungewöhnliche Finanzinstrumente ein, um sich unbemerkt an ein Unternehmen anzuschleichen, würde dies als rechtsmissbräuchlich sanktioniert werden», sagt Tobias Lux von der Eidgenössischen Bankenkommission. Von den schärferen Meldepflichten werden also auch Swaps oder Call-Optionen ohne Realerfüllung (Cash Settlement) erfasst. Nach den Angriffen von Investoren auf Sulzer oder Implenia ist es in der Schweiz mit den härteren Regeln etwas ruhiger geworden.

Die deutschen Finanzchefs jedoch treibt die Angst um: In einem Brief forderten sie Finanzminister Peer Steinbrück auf, das Anschleichen von Investoren zu verhindern und die Meldepflichten zu verschärfen. Zu den Unterzeichnern sollen nach Informationen des «Handelsblatts» Manager von Daimler über Siemens, Bayer bis Münchner Rück gehören. Institutionelle Anleger diskutieren derweil öffentlich die Vorteile einer Zerschlagung von Daimler.

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