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Beleidigte Finanzbetrüger

Zwei britische Banker, die im Zuge des Enron-Skandals Geld veruntreut hatten, wurden 2006 in die USA ausgeschafft und verurteilt. Nach ihrer Haftentlassung machen sie der US-Justiz schwere Vorwürfe.

Packen aus: Gary Mulgrew (links) und David Bermingham (rechts) während des Gerichtsprozesses in Houston im November 2007.
Packen aus: Gary Mulgrew (links) und David Bermingham (rechts) während des Gerichtsprozesses in Houston im November 2007.
Reuters

David Bermingham, Gary Mulgrew und Giles Darby, alle drei Angestellte der britischen Bank NatWest, veruntreuten im Zuge des Enron-Skandals 7,3 Millionen Dollar. 2006 wurden sie dafür in die USA ausgeliefert, wo sie sich für schuldig bekannten. Vor dem texanischen Gericht entschuldigten sie sich für ihre Handlungen, die «unter jeglichem Niveau waren». Zu 36 Monaten Gefängnis wurden die «NatWest Three» 2008 verurteilt.

Nach ihrer vorzeitigen Haftentlassung zeigen sich Bermingham und Mulgrew weniger reumütig als noch vor Gericht. Obwohl sie ihren Betrugsfall noch immer als zumindest «fragwürdig» bezeichnen, machen sie schwere Vorwürfe an die US-Justiz. Es sind Worte von zwei Männern, die sich tief verletzt fühlen.

In einem Video auf Ungagged.net, das sich mit den Verfahrensmängeln des Enron-Kollapses beschäftigt, beklagte sich Mulgrew über den Druck der US-Justiz, der sich wie «Folter» anfühlte. Sowohl Mulgrew wie auch Bermingham behaupten nun, dass ihre Geständnisse erzwungen wurden. Von einem «Missbrauch der Staatsanwaltschaft» spricht Bermingham und vergleicht das US-Justizsystem mit «Stalins Russland».

Ständige Prozessverschiebung

Man habe sie von ihrer Heimat, ihrer Familie, den Kindern und den Freunden weggerissen. Die Kontakte wurden auf einem Minimum gehalten. Das Verfahren zog sich zwei Jahre hin. «Folter kann viele Formen annehmen», sagt Mulgrew im Video. «Der Prozess wurde immer und immer wieder verschoben. Es war die Trumpfkarte des Justizministeriums.» Am Ende sei ihnen gesagt worden, dass sie sowieso nicht mit einem Freispruch rechnen könnten.

Denn Enron war das Hassobjekt schlechthin zu jener Zeit. Das grösste US-Energieunternehmen manövrierte sich mit gezielten Bilanzfälschungen 2001 in den Kollaps. Der Skandal hinterliess Spuren bis nach Washington. Die drei britischen Banker hätten es deshalb vorgezogen, ein Geständnis abzulegen. Denn damit sei ihnen auch garantiert worden, einen Teil ihrer Strafe in Grossbritannien absitzen zu können.

Kritik des Anwalts

Ihr Anwalt, Mark Spragg, kritisiert im «Guardian» die Möglichkeit, britische Staatsbürger in die USA ausschaffen zu können: «Hier werden Finanzleute unter massivem Druck in die USA ausgeschafft und gezwungen, sich schuldig zu bekennen, damit sie möglichst schnell wieder nach Hause können.»

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