Beleidigung der Mitarbeiter – Disney-Erbin geisselt Managerlöhne

Abigail Disney wirft dem Chef des Konzerns vor, zu viel zu verdienen und den Angestellten Jammerlöhne zu bezahlen.

Hat gemäss eigenen Angaben beim Konzern ihrer Vorväter «nichts zu sagen»: Abigail Disney. Foto: Imago/David Edwards

Hat gemäss eigenen Angaben beim Konzern ihrer Vorväter «nichts zu sagen»: Abigail Disney. Foto: Imago/David Edwards

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Es muss mächtig gegärt haben in Abigail Disney. Nach einem kurzen Hinweis, dass sie nur für sich und keinesfalls für die ganze Familie spreche, explodierte ihr Twitter-Account diese Woche. 34 Kurznachrichten setzte sie ab, und in keiner kommt das Management des Disney-Konzerns, den ihr Grossonkel Walt und ihr Grossvater Roy vor fast hundert Jahren gegründet hatten, gut weg.

Dabei geht es der Firma glänzend – so glänzend, dass sich Vorstandschef Robert Iger im vergangenen Jahr mit einem Gesamtsalär von 65 Millionen Dollar belohnte. «Ich mag Bob Iger», schrieb Disney im ersten ihrer fast drei Dutzend Tweets. Ein Gehalt aber, das jenes eines einfachen Mitarbeiters um mehr als das Tausendfache übersteige, sei schlicht «Wahnsinn».

Damit trifft die Konzernerbin einen Nerv. Umfragen zufolge finden drei von vier US-Arbeitnehmern, dass Firmenchefs zu viel verdienen. Das ist in einem Land, in dem es lange eine Tugend war, reich zu werden, erstaunlich. Doch die Zahlen sind eindeutig: Firmenchefs in den USA verdienen im Schnitt 254-mal so viel wie ihre mittleren Beschäftigten, mancherorts – bei Disney, Starbucks und Oracle etwa – sind die Quoten noch fünfmal höher.

Was sie bei der Gehalts­debatte umtreibt, sind vor allem die Jammerlöhne von Sekretärinnen, Hausmeistern und Putzfrauen.

Dass sich nun ausgerechnet Abigail Disney zu Wort meldet, ist kein Zufall. Die 59-Jährige, die beim Konzern ihrer Vorväter nach eigenen Worten «nichts zu sagen hat» und nur noch ein kleines Aktienpaket besitzt, hat sich einen Namen als Dokumentarfilmerin, Philanthropin und Aktivistin für soziale Belange und Frauenrechte gemacht. Was sie bei der Gehalts­debatte umtreibt, sind gar nicht die Millionenzahlungen an die Manager, sondern die Jammerlöhne von Sekretärinnen, Hausmeistern und Putzfrauen. Firmenchef Iger sei sicher «brillant», aber er beleidige Menschen, wenn er ihnen so wenig zahle, dass sie von ihrem Job nicht leben könnten. Wer in Vollzeit zum Erfolg einer profitablen Firma beitrage, «sollte nicht hungrig nach Hause gehen, nicht seine Insulindosis rationieren und nicht im Auto schlafen müssen».

Dass Abigail nach dem Studium an den Elite-Unis Yale, Stanford und Columbia ins Filmgeschäft einstieg, erscheint bei jemandem, der ihren Namen trägt, nur folgerichtig. Doch sie konnte nie viel anfangen mit lustigen Cartoons, träumerischen Märchen und seichten Familiendramen. In ihrem ersten grossen Dokumentarfilm folgte sie einer Gruppe liberianischer Frauen, die mit gewaltlosen Protesten und Sexstreiks für Frieden in dem kriegszerrissenen Land kämpften. Für «The Armor of Light» aus dem Jahr 2015, in dem es um die Waffengewalt in den USA geht, erhielt sie einen Emmy, den bedeutendsten Fernsehpreis des Landes.

Genauso wichtig sind Disney jedoch ihre Stiftungen und Organisationen, mit denen sie weltweit Frauen hilft. Dass sie seit ihrer Tweet-Serie in den sozialen Medien als Heuchlerin beschimpft wird, als reiches Töchterchen, das sich über andere Reiche erhebe, lässt sie nach eigenem Bekunden kalt. «Nehmen Sie es mir ruhig übel. Das stört mich nicht, es ist nur natürlich», schrieb sie am Mittwoch. Sie habe im Laufe ihres Lebens mehr als 70 Millionen Dollar gespendet. «Und ich verbringe meine Tage damit, herauszufinden, wie ich auch den Rest noch loswerden kann.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 26.04.2019, 06:26 Uhr

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