Bergbahnen verschmähen Swiss Pass

In diesem Winter können Besitzer eines Swiss Pass erstmals Tageskarten für Skigebiete auf ihre Karte laden. Nur: Viele Bergbahnen machen nicht mit.

Auch mit dem Abo auf dem Swiss Pass müssen Skifahrer wie hier auf der Riederalp  vor dem Lift Schlange stehen. Aber nicht mehr an der Kasse.

Auch mit dem Abo auf dem Swiss Pass müssen Skifahrer wie hier auf der Riederalp vor dem Lift Schlange stehen. Aber nicht mehr an der Kasse. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich gäbe es schon viele Swiss-Pass-Besitzer: knapp 600'000. Über ein Drittel aller GA-Inhaber und fast ein Fünftel aller Halbtax-Abonnenten haben inzwischen mit ihrem neu gelösten Abo eine Swiss-Pass-Karte erhalten, die seit drei Monaten erhältlich ist. Vor wenigen Tagen zogen die Verantwortlichen Bilanz. Bis in drei Jahren werden alle alten GA- und Halbtax-Karten durch den Swiss Pass ersetzt sein. Mit der neuen Karte ist es beispielsweise auch möglich, eine Tageskarte eines Skigebiets zu lösen.

Doch heute können Benutzer, die mit dem Swiss Pass online ein Skiabo kaufen wollen, nur aus einem kleinen Angebot wählen. Erst 23 Bergbahnen und Skigebiete haben einen entsprechenden Vertrag. Dazu gehören die Jungfrau-Skiregion, Gstaad, Meiringen-Hasliberg und Flumserberg (siehe Kasten). Insgesamt gibt es in der Schweiz um die 200 Skigebiete.

Vor allem in der Westschweiz sind die Vorbehalte gegenüber dem Swiss Pass gross. Denn jedes im Internet verkaufte Skiabo und jedes Bergbahnticket kostet die Bergbahnen eine Kommission von sechs Prozent. Der Verband Seilbahnen Schweiz betont auf Anfrage: «Die aktuellen Konditionen für die Teilnahme der Bergbahnen am Swiss Pass erachten wir als massiv zu hoch.»

Nur bei Online-Buchungen

Die Lenk-Bergbahnen verzichten aus diesem Grund auf einen Vertrag. Geschäftsführer Nicolas Vauclair sagt: «Wir könnten die Kosten nicht auf die Kunden überwälzen.» Er betont: «Wir machen nur beim Onlineverkauf nicht mit. An der Kasse laden wir auf Wunsch jedem Swiss-Pass-Besitzer das Skibillett auf die Karte.» Die Erklärung dafür ist, dass die Gebühren lediglich bei Skipässen anfallen, die online gelöst werden. An der Lenk betrage dieser Anteil weniger als ein halbes Prozent, hält Vauclair fest.

Die Bergbahnen Flumserberg dagegen machen mit. Bruno Good, Mitglied der Geschäftsleitung, sagt: «Wir haben gute Anbindungen an den öffentlichen Verkehr, die uns im Sommer wie im Winter viele Gäste bringen.» Deshalb nehme man die Swiss-Pass-Gebühren für Onlinebuchungen in Kauf. «Das ist es uns im Moment wert.» Er hält aber fest, dass man sich nur für zwei Jahre verpflichtet habe.

Auch Urs Kessler, Chef der Jungfraubahnen, meint: «Man kann die Gebühren ja neu verhandeln.» Er wolle von Anfang an beim neuen Angebot mit dabei sein, weil er vom grossen Marktpotenzial überzeugt sei.

Arbeitsgruppe sucht Lösung

Die Bergbahnen entrichten die Kommission an die SBB. Diese verwalten das Swiss-Pass-System im Auftrag des Verbands öffentlicher Verkehr (VÖV). Die Höhe der Gebühren habe die Branche gemeinsam festgelegt, sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer. Sechs Prozent seien angesichts der Kosten gerechtfertigt: Die Verwaltung der Onlineportale koste Geld, ebenso die Weiterentwicklung des Systems. «Wenn dagegen jemand am Schalter der Bergbahn ein Abo löst, bedeutet dies für uns keinen Aufwand, weil der Swiss Pass lediglich als Trägerkarte dient.»

Der Verband Seilbahnen Schweiz hat mittlerweile bei den SBB interveniert. Die beiden haben eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die in den kommenden Wochen ihre Arbeit aufnehmen und «Lösungsansätze erarbeiten soll, die von beiden Seiten als fair und zukunftsfähig beurteilt werden».

Bruno Good von den Bergbahnen Flumserberg sagt: «Ich bin optimistisch, dass wir uns schon im nächsten halben Jahr auf tiefere Kommissionsgebühren einigen können.» Dann, meint er, würden bald mehr Bergbahnen den Swiss Pass akzeptieren. Neben den Kosten müssen auch noch technische Details geklärt werden. Dazu gehört etwa die Frage, wie anfallende Daten genutzt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.11.2015, 10:17 Uhr

Skigebiete mit Swiss Pass

Bislang machen 23 Skigebiete und Bergbahnen mit. In folgenden Regionen können Wintersportler ab dieser Wintersaison ihr Skiabonnement online direkt auf ihre Swiss-Pass-Karte laden:


  • Arosa Lenzerheide

  • Braunwald (Standseilbahn sowie Sportbahnen)

  • Engelberg Titlis

  • Flumserberg

  • Gstaad Mountain Rides

  • Jungfrau-Skiregion

  • Klewenalp-Stockhütte

  • Lauchernalp-Lötschental

  • Meiringen-Hasliberg

  • Melchsee-Frutt

  • Pizol

  • Saas-Fee/Saastal

  • Sörenberg

  • Stoosbahnen

  • Bergbahnen Wildhaus

  • Toggenburg Bergbahnen – Chäserugg

  • Gornergrat-Bahn

  • Disentis

  • Rigi

  • Skiarena Andermatt-Sedrun

  • Sportbahnen Elm

  • Splügen

  • Hoher Kasten

Artikel zum Thema

«Auch das Ski-Ticket lässt sich auf den Swiss Pass laden»

Video Was kann das neue E-Ticket, was nicht – und wer profitiert? Dazu Jeannine Pilloud von den SBB im Video-Interview. Mehr...

«Eine gute Idee, aber...»

Vor drei Monaten hat der SwissPass das Halbtax und GA abgelöst. Welche kritischen Stimmen verstummt sind – und welche nicht. Mehr...

«SwissPass» wird kundenfreundlicher

Der Protest der Konsumentenschützer hat gewirkt: Die neue ÖV-Karte der SBB verlängert sich nicht automatisch, wenn Kunden dies wünschen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...