Künftiger UBS-Präsident legt Salär offen

Der Deutsche Axel Weber sollte ursprünglich höchster Banker Europas werden. Jetzt fischt ihn die UBS. Josef Ackermann wird kaum Freude daran haben.

Wurde als EZB-Chef sowie auch als möglicher Nachfolger von Josef Ackermann bei der Deutschen Bank gehandelt: Axel Weber.

Wurde als EZB-Chef sowie auch als möglicher Nachfolger von Josef Ackermann bei der Deutschen Bank gehandelt: Axel Weber. Bild: Keystone

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Damit haben wohl nicht viele gerechnet: Die UBS schlägt den Deutschen Axel Weber als Nachfolger von Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger vor. Die Wahl soll an der Generalversammlung 2012 erfolgen, wie die Bank am Freitag mitteilte. Weber soll Villiger 2013 ablösen. Bleibt Oswald Grübel bis dann im Amt des CEO, würde die Schweizer Bank dannzumal von zwei Deutschen geführt. An der Börse reagierte der Kurs der UBS-Aktie am Freitagmorgen kaum auf die Ankündigung. Das Papier notierte kurz nach Handelseröffnung 0,3 Prozent höher.

Die UBS teilte später am Morgen mit, Weber werde ab 2012 zunächst 1,5 Millionen Franken jährlich als Grundsalär erhalten. Weiter beinhalte sein Entschädigungspaket 150'000 Aktien, die jeweils auf vier Jahre gesperrt seien. Bei der Ablösung Villigers als Präsident zum Jahr 2013 werde er eine Einmalzahlung von 2 Millionen Franken und 200'000 auf ein Jahr blockierte Aktien erhalten. Das anschliessend bezahlte Jahressalär beträgt laut UBS 2 Millionen Franken und 200'000 auf vier Jahre gesperrte Aktien. Beim aktuellen Kurswert der UBS-Aktie von 15.40 Franken summiert sich dieser Anteil auf rund 3 Millionen Franken. Als Begründung für die Kommunikation teilte die Bank mit, Weber wolle von Anfang an Transparenz über seine Anstellungsbedingungen schaffen.

Axel Weber war von 2004 bis Ende April 2011 Präsident der deutschen Notenbank. Er war lange im Gespräch als Nachfolger des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet. Nun ist aber der Italiener Mario Draghi als Nachfolger Trichets nominiert worden.

Als Nachfolger bei der Deutschen Bank gehandelt

Seit seinem überraschenden Rücktritt bei der Deutschen Bundesbank war er immer wieder als möglicher Kandidat für die Nachfolge von Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank gehandelt worden. Insbesondere Ackermann selbst soll Weber als neuen Chef im Auge gehabt haben.

Weber sorgte diesen Frühling in der deutschen Politik für einigen Wirbel, als er plötzlich seinen Verzicht auf eine Nomination zum EZB-Chef verkündete. Kanzlerin Merkel hatte fest damit gerechnet, dass er auf Jean-Claude Trichet folgen und die Spitze der EZB so in deutsche Hände gelangen würde.

Warum Weber nicht EZB-Chef wurde

Weber gilt als geldpolitischer Hardliner. So kritisierte er denn auch die EZB, weil diese Staatspapiere von maroden Euro-Mitgliedern aufzukaufen begann. Es wurde gemutmasst, dass ihm diese Haltung den Weg an die EZB-Spitze vermasselt hat.

Axel Weber, Jahrgang 1957, hatte vor seinem Posten bei der Deutschen Bundesbank als Professor für Wirtschaftstheorie und internationale Ökonomie an diversen Universitäten in Deutschland doziert. Zudem war Axel Weber Direktor des Center for Financial Studies in Frankfurt am Main. Er ist Ehrendoktor der Universitäten Duisburg-Essen und Konstanz.

Villiger: Ein Mann von internationalem Format

UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger sagt laut UBS-Communiqé zur Nominierung Webers: «Es freut mich, dass ich mit der Nominierung von Axel Weber eine starke Persönlichkeit von internationalem Format als vollamtlichen Verwaltungsrat und zukünftigen Präsidenten vorstellen kann. Er verfügt über eine ausserordentlich breite Expertise im internationalen Finanz- und Bankwesen sowie stark ausgeprägte Führungserfahrung. Mit seiner Wahl werden eine reibungslose Nachfolge sowie Stabilität sichergestellt. Ich bin überzeugt, dass sein Erfahrungsschatz und seine Fähigkeiten für die UBS äusserst wertvoll sein werden.»

Alt-Bundesrat Kaspar Villiger war im April 2009 anstelle von Peter Kurer an die Spitze des UBS-Verwaltungsrats gerückt. Der Luzerner übernahm dieses Amt nach der existenzbedrohenden Krise der grössten Schweizer Bank. Villiger war von 1989 bis 2003 Mitglied der Landesregierung gewesen.

Weber: «Langfristige strategische Ausrichtung»

Axel Weber sagt zu seiner Nomination: «UBS ist ein dynamischer weltweit tätiger Finanzdienstleister mit traditionellen europäischen Wurzeln. Die Zukunft der Bank mitgestalten zu können, ist für mich eine attraktive Perspektive, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat, dem Management-Team und CEO Oswald Grübel. Dabei müssen Stabilität und eine langfristige strategische Ausrichtung im Zentrum stehen. Der eingeschlagene erfolgreiche Weg, die starke globale Kundenbasis und das ausgewogene Geschäftsmodell sind sehr gute Voraussetzungen.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.07.2011, 07:11 Uhr

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Sagt der UBS per Ende 2012 adieu: VR-Präsident Kaspar Villiger. (Bild: Keystone )

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