Besenrein zum nächsten Topjob?

Laut Quellen will UBS-Bankchef Sergio Ermotti nur noch das Urteil im Pariser Berufungsprozess diesen Sommer abwarten.

Dass er geht, scheint klar – doch wann? UBS-Chef Sergio Ermotti. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Dass er geht, scheint klar – doch wann? UBS-Chef Sergio Ermotti. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kaum hat die Credit Suisse mit Thomas Gottstein einen neuen Chef, erhält auch die Nachfolgefrage an der Spitze der UBS neue Fahrt. Quellen bestätigten dieser Zeitung einen Bericht der Agentur Bloomberg, demzufolge Bankchef Sergio Ermotti bereits in diesem Jahr seinen Rückzug vom Posten des CEO bekannt geben dürfte. «Wir kommentieren keine Gerüchte über die Nachfolgeplanung», erklärte dazu die UBS.

Der Tessiner steht seit November 2011 an der Spitze der grössten Schweizer Bank. Und will Herr des eigenen Zeitplans sein. Ein wichtiges Datum bei seinen Überlegungen dazu ist offenbar der französische Strafprozess wegen Geldwäsche und Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Dem Vernehmen nach will Ermotti das Urteil im Berufungsprozess abwarten, der für Juni angesetzt ist.

4 Milliarden Franken Busse

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr verurteilte die 32. Kammer des Pariser Tribunal de Grande Instance die UBS wegen Geldwäscherei von Erträgen aus Steuerhinterziehung sowie illegaler Kundenanwerbung auf französischem Boden zu einer Busse von umgerechnet rund 4 Milliarden Franken zuzüglich Schadenersatz von über 800 Millionen Franken an den französischen Staat. Als Folge des Urteils verweigerten die Aktionäre der UBS der Bankführung die Decharge.

Sergio Ermotti hat Ambitionen, Axel Weber an der Spitze des Verwaltungsrats zu beerben.

Die UBS hat das Urteil weitergezogen und hofft beim Berufungsprozess im Juni auf einen Freispruch oder zumindest eine massive Reduzierung der Busse. Die Hoffnungen darauf basieren auf einem Urteil des Kassationshofs vom vergangenen September. Es legte fest, dass die Bussen bei systematischer Steuerhinterziehung auf Basis der hinterzogenen Steuern berechnet werden müssen. Und nicht – wie es die erste Instanz im UBS-Fall gemacht hat – auf Basis der hinterzogenen Vermögen. 

Besenreine Übergabe

Ermotti will dem Vernehmen nach diesen Fall noch zu einem glücklichen Ende  führen und das Urteil abwarten. Fällt es wie erhofft aus, wäre für ihn der Weg frei, im Sommer die UBS quasi besenrein einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin zu übergeben.

Weiterer Vorteil: Ermotti hat Ambitionen, Axel Weber an der Spitze des Verwaltungsrates zu beerben, heisst es. Doch der Ex-Chef der Deutschen Bundesbank ist auf eine vorbildliche Corporate Governance erpicht. Das heisst, ein direkter Wechsel Ermottis vom CEO zum VRP ist für Weber ausgeschlossen. Auch wenn dies nach Schweizer Recht legal wäre und bei Weltkonzernen wie Nestlé immer noch gelebte Realität ist.

Weber orientiert sich aber an den deutschen Vorschriften. Und diese sehen bei einem geplanten Wechsel des CEO an die Spitze des obersten Organs eine zweijährige Abkühlphase vor. Weber selbst erklärte in einem Interview mit Tamedia-Zeitungen, dass er bis 2022 im Amt bleiben wolle. 

Was wird aus Iqbal Khan?

Sprich: Geht Ermotti tatsächlich in diesem Jahr, würde 2022 seine Abkühlperiode enden, und er könnte Weber an der Spitze des Verwaltungsrates nachfolgen. Weber wiederum könnte seine verbleibende Amtszeit an der Spitze der UBS nutzen, um Ermottis Nachfolger auszusuchen und in dessen ersten Jahren zu begleiten. Auf diese Weise wäre die Stabilität an der Spitze der grössten Schweizer Bank gewahrt.

Dieses Szenario würde indes einem einst hochgehandelten Manager nicht in die Karten spielen: Iqbal Khan. Er hat erst im vergangenen Sommer bei der UBS angefangen und hätte damit nur rund ein Jahr Zeit, um einen Erfolgsausweis vorzuweisen. Was reichlich knapp erscheint. Ferner dürfte auch Khan eine Art Cooling-off-Zeit brauchen, um den Hickhack um die Beschattungsaffäre vergessen zu machen, deren Ursprung letztlich in einem Machtkampf zwischen Khan und seinem Ex-Chef Tidjane Thiam bei der Credit Suisse lag.

Beim letzten Umbau der UBS-Geschäftsleitung fiel die Beförderung von Sabine Keller-Busse ins Auge, die im vergangenen Oktober zur Präsidentin der Region Europa, Nahost und Afrika ernannt wurde. Genau diesen Posten hatte Sergio Ermotti inne, bevor er Chef der UBS wurde. Sie gilt gegenüber Ermotti als sehr loyal. 

Externe Kandidaten

Doch wer Sergio Ermotti am Ende nachfolgen wird, ist derzeit offen. Dies umso mehr, da der Verwaltungsrat offenbar weiterhin die Option eines externen Nachfolgers für Ermotti prüft. Die Idee ist in jedem Fall, die Nachfolge von Weber und Ermotti als Paketlösung anzugehen, heisst es aus der Teppichetage. 

Als Gegenbeispiel führen hochrangige UBS-Kreise den Fall der Grossbank HSBC an. Der langjährige CEO Stuart Gulliver hatte 2018 seinen treuen Mitstreiter John Flint als Nachfolger auserkoren. Doch der wurde nach nur 18 Monaten vom neuen Verwaltungsratspräsidenten Mark Tucker gefeuert, weil Flint die Bank nicht schnell genug auf Vordermann brachte. Weber und Ermotti sind im Willen geeint, der UBS solch einen Flop zu ersparen. 

Erstellt: 14.02.2020, 22:29 Uhr

Artikel zum Thema

Bericht: UBS-Chef hört noch dieses Jahr auf

Sergio Ermotti bereitet angeblich seinen Rückzug bei der Schweizer Grossbank vor. Das meldet Bloomberg. Mehr...

UBS gibt für Kleinsparer Entwarnung

Sergio Ermotti verspricht, dass es keine Strafzinsen auf kleinen Guthaben geben wird. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Mamablog Lust auf ein Sexdate, Schatz?

Sweet Home Lernen Sie besser wohnen

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Aufwändige Feier: Farbenfroh ist der Karneval in Macedo de Cavaleiros, Portugal. (25. Februar 2020)
(Bild: Octavio Passos/Getty Images) Mehr...