Umstrittenes Sponsoring führt zum Verkauf von Rimuss

Eine finanzielle Unterstützung wurde dem Getränkehersteller zum Verhängnis.

Bei der Bündner Holding Davaz freut man sich darüber, eine derart bekannte Getränkemarke kaufen zu können. Foto: PD

Bei der Bündner Holding Davaz freut man sich darüber, eine derart bekannte Getränkemarke kaufen zu können. Foto: PD

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Das Frauenteam des FC Neunkirch sorgte letztes Jahr für eine der grössten Sensationen des Schweizer Sportjahres. Die Equipe aus dem 2000-Seelen-Dorf in der Schaffhauser Provinz gewann die Schweizer Meisterschaft und den Cup. Doch schon bei der rauschenden Siegesfeier war klar, dass die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Clubs vorbei war. Denn bei der Rimuss- und Weinkellerei Rahm aus dem wenige Kilometer entfernten Weinbaudorf Hallau fehlte Geld – viel Geld.

Der Hersteller des bekannten Kinderschampus Rimuss war ein wichtiger Unterstützer des erfolgreichen Frauenteams. Offenbar floss aber weit mehr Geld von der Weinkellerei zum Club, als beim Getränkehersteller bekannt war. Es soll sich um einen hohen sechsstelligen Betrag handeln. Ein Kadermitarbeiter von Rimuss, der sich als Sportchef auch jahrelang für den Fussballverein engagierte, hatte sich deshalb bereits im Frühjahr bei den Behörden selbst angezeigt. Das Verfahren gegen ihn ist noch nicht ab­geschlossen.

Die Affäre um den umtriebigen Sportchef sorgt nun dafür dass die Weinkellerei nach mehr als 70 Jahren im Besitz der Familie Rahm verkauft werden soll. Die Bündner Davaz Holding hat gestern bekannt gegeben, dass sie den Schaffhauser Betrieb übernehmen will.

Davaz will keine Altlasten

Die Firma Davaz gehört mit einem Umsatz von 32 Millionen Franken laut eigenen Angaben zu den grössten Weinbau- und Weinhandelsunternehmen der Schweiz. Die Bündner werden aber nur die Produktion mitsamt den 45 Mitarbeitenden der Schaffhauser Weinkellerei übernehmen. Die Aktiengesellschaft der Rimuss- und Weinkellerei Rahm ist weiterhin ein Teil der Familienstiftung der Gründerfamilie Rahm. Damit würden auch die Altlasten, wie das wohl aussichtslose Verfahren gegen den ehemaligen Mitarbeiter und einstigen Sportchef des FC Neunkirch, bei der Stiftung verbleiben.

Bei Davaz freut man sich darüber, eine derart bekannte Getränkemarke kaufen zu können. Rimuss gehöre bei den Edeltraubensäften in der Schweiz zu den ganz Grossen, sagt Andrea Davaz, Eigentümer der Davaz Holding.

Der Betrugsfall habe bei der Schaffhauser Weinkellerei einen Handlungs­bedarf ausgelöst, heisst es aus dem Umfeld der Firma. Auch habe der immer grössere Margendruck im Detailhandel dazu geführt, dass sich die Eigner von Rimuss über einen Verkauf Gedanken gemacht hätten.

Die Marke Rimuss war jedoch nicht nur positiv besetzt. Der vor zwei Jahren verstorbene Firmenpatron Emil Rahm prägte das Unternehmen über Jahrzehnte. Er trat auch als Publizist von ­verschwörungstheoretischen Texten auf. Dafür, dass sein Verlag ein antisemitisches Buch vertrieb, wurde er 1997 verurteilt.

Ein ominöser «stiller Gönner»

Der Aufstieg des Frauenteams des FC Neunkirch wurde in der Schweizer Fussballszene kritisch beäugt. Die Erfolge des Clubs ermöglichten nämlich vor allem starke ausländische Spielerinnen. Sie trainierten, ganz untypisch für einen kleinen Verein, unter professionellen Bedingungen. Hauptberuflich waren sie nicht als Fussballerinnen tätig, sondern arbeiteten für die Weinkellerei Rimuss.

Wie sich der kleine Club diesen Aufwand finanzierte, wurde nie öffentlich kommuniziert. Vonseiten des Vereins hiess es jeweils, dass ein «stiller Gönner» für den Betrag geradestehe. Der Sportchef und Rimuss-Kadermann zeigte sich indes für die sportlichen Erfolge des Vereins verantwortlich – und wohl auch für die finanziellen Mittel.

Mit seinem Abgang endete auch das Fussballmärchen des FC Neunkirch. Im Sommer gab der Verein den Rückzug des Frauenteams aus der höchsten Schweizer Spielklasse bekannt. Gleichzeitig verabschiedete sich auch der «stille Gönner» vom Club.

Die neu formierte Frauenequipe spielt nun in der 2. Liga, der vierthöchsten Spielklasse. Der Saisonstart ist nicht gut verlaufen. Aus sechs Spielen resultieren nur gerade zwei Unentschieden und vier Niederlagen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2017, 22:58 Uhr

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