Das sind die neuen Insektenburger

Coop bringt als erster Detailhändler Insekten in die Regale. Wann ziehen andere nach? Und: Wie teuer sind die Burger?

Gesund, nachhaltig, und auch lecker? Passanten in Zürich testen die neuen Insektenprodukte. (Video: Lea Blum und Lea Koch)

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Wo gibt es in der Schweiz Insekten zu kaufen?

Coop ist der erste Detailhändler, der Insekten in die Verkaufsregale bringt. Vorerst allerdings erst in sieben Verkaufsstellen, darunter Filialen in Zürich, Basel, Bern, Winterthur oder Lugano. Die Migros hat noch keine essbaren Insekten im Sortiment, sie interessiert sich laut einem Sprecher aber «für neue Lebensmittelkonzepte und verfolgt spannende Projekte, welche die Ernährung auf längere Frist verändern könnten». Konkurrentin Manor plant ebenfalls, Insekten «in getrockneter und würziger Form» zu verkaufen. Ein konkretes Einführungsdatum gebe es aber noch nicht.

Bildstrecke – Die Insektenburger

Die «Insect Balls» und der «Insect Burger» von Coop kosten 8.95 pro Packung. Billig ist das nicht, wie ein Vergleich zeigt. Die Insekten werden in Packungen von je 170 Gramm verkauft, das ergibt 5,25 Franken pro 100 Gramm – also mehr, als Bio-Rinds-Geschnetzeltes auf Coop@Home derzeit kostet (4,20 Franken pro 100 Gramm).

Insekten sind schon seit dem 1. Mai als Lebensmittel zugelassen. Warum kommen sie erst jetzt in die Läden?

Eigentlich hätte der Verkauf im Mai starten sollen. Doch wegen Problemen beim Import verzögerte sich die Einführung, wie die «Handelszeitung» berichtete. Es seien keine Insekten verfügbar, die als Lebensmittel zugelassen seien, weder aus der Schweiz noch aus der EU, sagte Christian Bärtsch damals. Er ist Mitgründer des Start-ups Essento, das Insektenprodukte für Coop entwickelt. Die Migros musste ausserdem einen Insekten-Kochkurs in ihrer Klubschule absagen, der am 26. Mai hätte starten sollen. Er wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auch die Webseite Gourmetbugs.ch, auf der man Gläslein mit Mehlwürmern, Grillen oder Heuschrecken kaufen kann, konnte die Geschäfte offenbar noch nicht starten. «Sobald die Zulassungen geregelt sind, kannst du hier essbare Insekten essen und kaufen», ist dort vermerkt.

Warum gab es Probleme beim Import?

Wer in der Schweiz Insekten zu Lebensmittelzwecken herstellen, verarbeiten, behandeln, lagern oder abgeben will, braucht eine Bewilligung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Momentan sind das laut einer Liste des BLV nur Essento und der Luzerner Insektenproduzent Entomos. Zweiterer greift für die Produktion auch auf Insekten aus der EU zurück. Um diese importieren zu dürfen, ist auch eine Bewilligung der Lebensmittelbehörde im Exportland nötig. Doch in den meisten EU-Ländern sind Insekten bisher nicht als Lebensmittel zugelassen.

Coop hat es nun aber offenbar geschafft, die Lieferprobleme zu lösen. Die neuen Produkte kommen am 21. August in die Regale.

Welche Insekten können Schweizer jetzt essen?

Coop führt zwei Produkte ein: Insekten-Fleischbällchen und -Burger. Insekten in verarbeiteter Form also, die als solche nicht mehr erkennbar sind. Zulieferer Essento bietet Insekten aber nicht nur in Mehlform an, sondern auch gefroren und gefriergetrocknet.

Der Insektenproduzent Entomos verkauft über seine Webseite Leckerbissen wie Wüstenheuschrecken, Mehlwürmer, Wachsmaden oder Waldschaben. Er hat auch einen Verkaufsladen, in dem die Tierchen direkt bezogen werden können.

Gibt es auch schon Restaurants, die mit Insekten kochen?

Einer der Entomos-Kunden ist der Luzerner Gastronom Daniel Bisten. Er führt den Gasthof Engel in Hüswil und tüftelt seit Längerem an Gerichten mit Insekten. «Ich habe schon vor über 20 Jahren zum ersten Mal Insekten gegessen, als ich als Koch in Asien gearbeitet habe», sagt Bisten. Als er von den Plänen des Bundes hörte, den Verzehr von Insekten in der Schweiz zu erlauben, setzte er sich mit Entemos in Verbindung. «Wir bieten in unserem Restaurant auch indonesische Gerichte an. Darunter ein Menu Surprise, das wir auf Wunsch mit Insekten anreichern.» Auch eine Vorspeiseplatte mit kleineren Snacks – Grillen-Omeletten zum Beispiel oder Mehlwurm-Nachos – könnte Bisten anbieten.

Mit Betonung auf könnte – denn auch Bisten leidet unter den Lieferschwierigkeiten. «Bis jetzt konnte ich noch keine zertifizierten, lebensmittelechten Insekten bestellen.» Weil Coop hier scheinbar schon weiter ist, hofft auch Bisten, dass er bald zum Zug kommt.

Wie gross ist das Marktpotenzial von Heuschrecken und Co.?

Das ist schwierig zu sagen. «Es wird sicher einige Zeit dauern, bis wir abschätzen können, wie gross das Interesse an solchen Gerichten in der Schweiz ist», sagt Gastronom Daniel Bisten. Denkbar sei, dass sie zu Delikatessen für spezielle Angelegenheiten werden. «Vielleicht kaufen die Leute sich eines Tages aber auch kleine Säcklein voller gerösterer Heuschrecken oder Grillen, als Snacks für zwischendurch.»

Und was wird aus dem Insektenburger von Coop? Dass er zum Verkaufsrenner wird, hält Christine Schäfer, Food-Expertin beim Gottlieb-Duttweiler-Institut, für eher unwahrscheinlich. «Die Schweizer Konsumenten sind zurückhaltend und vorsichtig, wenn es um neue Produkte geht. Ausserdem sind sie preissensibel», sagte Schäfer im letzten Dezember, als der Bund die Erlaubnis für Insekten-Gerichte verkündete. Die Insektenburger dürften deshalb nicht viel teurer sein als normale.

Erstellt: 14.08.2017, 18:25 Uhr

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