Bis zu 40 Rappen für einen Plastiksack

Auf Druck der Politik geben Migros, Coop und Co. die dünnen raschelnden Tüten an der Kasse künftig nicht mehr gratis ab. Das sind die – gewichtigen – Ausnahmen.

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Eigentlich wurden sie zum Tode verurteilt. 2012 beschloss das Schweizer Parlament, Einweg-Plastiksäcke zu verbieten. Lang passierte danach nichts, Termine verstrichen, und so raschelt es bis heute an den Ladenkassen. Nun wurden die dünnen Tüten offiziell begnadigt. Der Nationalrat beschloss nun, den vor vier Jahren angenommenen Vorstoss von Nationalrat Dominique de Buman ohne konkrete Umsetzung zu den Akten zu legen.

Umfrage

Wie viel sollen Plastiksäcke kosten?

Nichts, das soll so bleiben wie bisher.

 
42.7%

Plastiksäcke sollen verboten werden.

 
26.4%

Zehn bis 20 Rappen.

 
11.3%

20 bis 40 Rappen.

 
19.6%

1872 Stimmen


Die Kehrtwende der Politik bedeutet nicht, dass alles beim Alten bleibt. Der Detailhandel hat versprochen, im Gegenzug für einen Verzicht des Parlaments auf ein absolutes Verbot selbst etwas gegen den übermässigen Plastikverbrauch zu unternehmen. Jetzt hat die Branche ihren Vorschlag publik gemacht. Demnach sind an Kassen, an denen hauptsächlich Lebensmittel verkauft werden, Einweg-Plastiktüten künftig nicht mehr gratis. Migros, Coop und Co. müssen die Raschelsäcke den Kunden verkaufen. Noch ist nicht beschlossen, wie viel sie kosten werden. In der Branche spricht man von einem Preis zwischen 10 und 40 Rappen.

Reduktion um vier Fünftel

Bei der Lobby IG Detailhandel freut man sich. Die Ziele weniger Plastikabfälle und Schutz der Umwelt könnten so «ohne unverhältnismässige Regulierung seitens des Bundes» erreicht werden, schreibt sie. Zudem könne man diese Lösung verhältnismässig schnell und ohne hohe Kosten umsetzen, ergänzt Sprecher Patrick Marty. Sobald der Ständerat als Zweitrat die Motion Buman auch erledige, lege man mit der Umsetzung los. Die IG Detailhandel rechnet damit, die Menge an abgegebenen Säcken um 80 Prozent zu vermindern.

Mit «unverhältnismässiger Regulierung» meint die Branche das generelle Verbot von Einwegtüten, um das sie nun herumkommt. «Die letzten 20 Prozent an Raschelsäcken auszumerzen, hätte einen hohen Aufwand bedeutet, der in keinem Verhältnis zum Ziel steht», sagt Marty. Das findet auch der Bundesrat. In einer früheren Antwort auf den Vorschlag hielt dieser fest, dass Einkaufs­tüten weniger als ein halbes Prozent des schweizerischen Gesamtverbrauchs an Kunststoffen ausmachten.

Beim Verein Stopp, der die Plastikverschmutzung bekämpft, sieht man es anders. «Die Einfallslosigkeit und die Gier der Detailhändler geht zulasten der Umwelt und löst die Problematik nicht», schreibt er in einer Mitteilung. Plastik sei in vielen Formen giftig. Stopp fordert vom Detailhandel deshalb zumindest klare Angaben zu Menge und Zeitpunkt der Reduktionen.

Auch an Selfscanning-Kassen

Die IG Detailhandel hat in der Tat geschickt taktiert und auf Ausnahmen gepocht – und sie teilweise bekommen. So werden die boomenden Convenience-Shops von der neuen Regel ausgenommen. Tankstellenläden, Coop Prontos oder Migrolinos dürfen Raschelsäcke also auch weiterhin gratis abgeben. «Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass Kunden die Säcke dort auch nähmen, wenn sie etwas kosten würden», sagt Marty. Denn es gehe da um spontane Einkäufe. Das Ziel der Reduktion der Umweltbelastung könne man so nicht erreichen. Auch im Offenverkauf – etwa bei Gemüseregalen – sind die dünnen Säcke aus hygienischen Gründen weiter erlaubt. Zudem ist die einst vom Bundesamt für Umwelt ins Auge gefasste Kostenpflicht für die dickeren Mehrweg-Plastiktaschen weg vom Tisch.

Nicht überall hat sich der Detailhandel aber durchgesetzt. Ursprünglich wollte er auch Selfscanning-Kassen vom Verbot der Gratisabgabe ausnehmen. Davon ist die Branche abgerückt, auch weil sie so ihr eigenes Reduktionsziel wohl gefährdet hätte. «Wir werden da eine Lösung finden müssen», so Marty.

Der Verband Ocean Care ist ebenfalls wenig begeistert. Er appelliert an die Konsumenten, freiwillig ganz auf Wegwerfplastiksäcke zu verzichten.

Erstellt: 08.06.2016, 23:06 Uhr

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