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Der Begriff «Pop-up» macht aus irgendwas irgendwas Trendiges. Das glauben zumindest die, die ihn verwenden.

Auch das gabs mal: Pop-up-Golf auf der Engstlingenalp. Foto: Bernard van Dierendonck
Auch das gabs mal: Pop-up-Golf auf der Engstlingenalp. Foto: Bernard van Dierendonck

Das Problem «Pop-up» lässt sich anhand eines (unfreiwilligen) Selbstversuches treffend erörtern. In den vergangenen Sommerferien schien tagtäglich die Sonne – wir sehen uns gezwungen, für Schatten zu sorgen, und kaufen eine Pop-up-Strandmuschel. Die Vorzüge: 100 Prozent ­UV-Schutz, klein verpackt, im Nu aufgebaut, kein lästiges Stangengebastel, kein mühsames Einfädeln. Das kleine Zelt springt am Strand förmlich aus seiner Hülle. Pop-up ist gut!

Das denken neben Strandgängern seit einiger Zeit auch Ladenbesitzer, Gastronomen, Galeristen. Sie lassen Shops, Restaurants und Galerien aufpoppen, dass es eine Freude ist – in vielen Fällen macht es Sinn, denn sie nutzen Nischen und Räume, bereichern einen Moment die Stadt, bis sie wieder abtauchen. Das Kurzlebige, das Einmalige, hat seinen Reiz.

Ein Stempel für alles

Inzwischen ist aus dem Konzept ein lästiges Marketingphänomen geworden. Pop-up trifft den Zeitgeist derart, dass man alles mit diesem Label stempelt. Als (vorerst) letzte ist vergangene Woche sogar eine Genossenschaft auf den Trend aufgesprungen. Auf ihrem Land plant sie «Pop-up-Häuschen» für Flüchtlinge. Das tönt viel besser als Baracke, Container, Provisorium – auch wenn diese Häuschen am Ende nicht sehr viel mehr sein werden als die Holzkisten in der Messehalle Oerlikon. Das Label zeigt implizit auch, was man sich von den Häuschen erhofft: dass sie (und mit ihnen die Flüchtlinge) innert nützlicher Frist wieder verschwinden.

Was ist eine nützliche Frist (denken wir bloss an das Globus-Pop-up von 1960 auf der Bahnhofbrücke)? Da wären wir zurück beim Problem – und bei der Strandmuschel. Irgendwann muss das Zelt verstaut werden. Zum Pop-down aber steht in der Bedienungsanleitung nichts. So wird das Zelt bloss halb eingepackt und in den Kofferraum gewurstelt. Bei jeder Bodenwelle öffnet es sich ein bisschen mehr. Zu Hause angekommen poppt das Zelt – zack – aus dem Auto heraus. Erst eine Google-Suche löst das Problem.

Bei den Pop-up-Stores, -Galerien, -Flüchtlingshäuschen ergibt die Suchanfrage leider keinen Treffer. Im Gegenteil: Im Browser öffnet sich ein Pop-up-Fenster, das Strandferien «zu Hammerpreisen» anpreist.

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