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Börsencrash bremst Chinas Aufstieg in die Währungselite

Dollar, Euro, Pfund und Yen: Was dem Yuan im Weg steht, zum auserlesenen Quartett der Weltwährungen zu gehören.

Eine Währung auf dem Vormarsch: Eine Händlerin in Hongkong mit bündelweise Yuan in den Händen.
Eine Währung auf dem Vormarsch: Eine Händlerin in Hongkong mit bündelweise Yuan in den Händen.
Keystone

Es wäre ein Triumph, eine Anerkennung des Aufstiegs der chinesischen Wirtschaft in der Welt. Erstmals hat China die Chance, dass der Yuan (Renminbi) in den Eliteclub der globalen Reservewährungen aufgenommen wird. Aber ob der Internationale Währungsfonds (IWF) bis Ende des Jahres die Aufnahme des Yuan in seinen Währungskorb beschliesst, wird zunehmend fraglich.

IWF-Chefin Christine Lagarde, die im Frühjahr noch verkündet hatte, es sei nicht die Frage «ob, sondern wann», scheint beim Zeitplan etwas zurückzurudern. Ein Grund könnten die jüngsten Börsenturbulenzen in der zweitgrössten Volkswirtschaft sein.

Zwar versicherte Lagarde, dass Chinas Wirtschaft «stark genug» sei, um das Auf und Ab an den Aktienmärkten auszuhalten. Die IWF-Chefin verteidigte auch die massiven staatlichen Interventionen in den noch «jungen Aktienmärkten» Chinas und versicherte, dass die Börsenkrise die Prüfung nicht beeinflusse.

Doch unterstrich Lagarde, wie nötig die «sehr wichtigen Reformen» der chinesischen Finanzmärkte seien. Die Reformen könnten China helfen, «eines Tages, wenn die Zeit kommt, sobald alle Signale positiv gestimmt sind, den Renminbi in den Korb der Sonderziehungsrechte einzuschliessen», sagte Lagarde. «Eines Tages» klingt nicht gerade nach Herbst oder bis Jahresende.

Ringen um Freigabe

Es geht um eine Ausweitung des IWF-Währungskorbs, in dem bisher neben dem US-Dollar und dem Euro das britische Pfund und der japanische Yen enthalten sind. Daraus setzen sich sogenannte Sonderziehungsrechte (SZR) zusammen, eine künstliche Währungseinheit des IWF. Dafür muss China bestimmte Kriterien erfüllen.

Allen voran muss der Yuan «frei einsetzbar» sein – was aus Sicht Chinas weitgehend erfüllt ist, aber viel Raum für Interpretation bietet.

Bis heute reglementiert China seine Kapitalströme, ist der Yuan nicht wirklich frei konvertierbar. Doch stieg der Anteil des Handels, der mit Yuan bezahlt wird, von 0,02 Prozent 2009 auf derzeit fast 25 Prozent. Als Zahlungsmittel im weltweiten Handel rangiert der Yuan inzwischen auf Platz fünf.

29 Zentralbanken haben Währungstauschvereinbarungen mit China geschlossen, darunter die Schweizerische Nationalbank (SNB). Auch konnte eine Grundsatzvereinbarung für die Einrichtung eines Renminbi-Clearings in der Schweiz unterzeichnet werden, was bilaterale Handelsgeschäfte und Investitionen erleichtern soll.

Trotzdem macht der Handel in Yuan (Renminbi) weltweit vorerst nur einen kleinen Teil des Aussenhandels des Exportweltmeisters aus, der gerne unabhängiger vom Kurs des US-Dollars werden möchte.

Nicht mehr unterbewertet

Auch an anderer Stelle macht China Fortschritte: Dem Vorwurf der USA, dass China seine Währung künstlich niedrig halte, folgt der IWF längst nicht mehr. Nach einer Inspektion Ende Mai verkündete Vizedirektor Markus Rodlauer in Peking, «dass der Wechselkurs nicht mehr unterbewertet ist». Das IWF-Team drängte China gleichwohl, den Wechselkurs «innerhalb von zwei bis drei Jahren» freizugeben.

Die Eingriffe an den Aktienmärkten seit den Kursrutschen Mitte Juni stärken aber Zweifel an Chinas Willen zur Öffnung. «Die Intervention demonstriert die Bereitschaft, Kapitalkontrollen zu verhängen», sagt Jerry Nickelsburg von der University of California (Los Angeles) der Deutschen Presse-Agentur in Peking.

Damit wurde beschränkt, wer handeln und was gehandelt werden durfte. «So etwas reduziert den Wert des Yuan als Reservewährung, weil Kapitalkontrollen eine Währung weniger liquide und weniger nützlich machen», sagt Nickelsburg.

Vertrauen entscheidend

Aus seiner Sicht ist aber nicht die Aufnahme in den IWF-Währungskorb entscheidend, sondern die Frage, ob andere Länder den Yuan für attraktiv und wertstabil halten, um einen Teil ihrer Devisenreserven auch darin anzulegen. Hier hat er Zweifel. «Der IWF mag den Yuan vielleicht zur Reservewährung erklären, aber der Schlüssel ist, ob er auch so behandelt wird wie der US-Dollar, Euro oder Yen.»

So hätte ein Aufstieg des Yuan zur Weltreservewährung zunächst auch nur geringe Auswirkungen. Aber es wäre eine Art «Reifezeugnis» – eine symbolische Anerkennung: «Heute ist China eine der wichtigsten Volkswirtschaften mit beträchtlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft», sagt der Pekinger Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou.

Eine Einstufung als Reservewährung würde auch die Marktwirtschaft in China voranbringen, glaubt der Professor. «Es würde die Wirtschaft fördern, weil mehr ausländische Investitionen flössen und es einfacher für China würde, im Ausland Geschäfte zu machen.»

Es gebe aber auch Risiken einer weiteren Öffnung durch künftige Währungsreformen. «Der Zufluss von ‹heissem Geld› könnte die Blasen am Immobilien- und Aktienmarkt noch verschärfen.»

SDA

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