BP zahlt wegen «Deepwater Horizon» Rekordstrafe

Der Schadenersatz fällt höher aus als bisher bekannt: BP muss wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko von 2010 20,8 Milliarden Dollar zahlen.

Ölkatastrophe: Löschschiffe versuchen das Feuer auf der Bohrplattform unter Kontrolle zu bekommen (21. April 2010).

Ölkatastrophe: Löschschiffe versuchen das Feuer auf der Bohrplattform unter Kontrolle zu bekommen (21. April 2010). Bild: HO/AFP

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Fünfeinhalb Jahre nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko steht die Strafe für BP fest: Die Rekordsumme von 20,8 Milliarden Dollar wird der britische Energiekonzern der US-Regierung sowie betroffenen Bundesstaaten zahlen.

Dies gab die US-Justizministerin Loretta Lynch am Montag bekannt. Die Vereinbarung sei der höchste Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der US-amerikanischen Geschichte, sagte Lynch und erklärte: «Sobald sie per Gerichtsbeschluss gebilligt ist, wird diese Einigung eines der grössten Projekte zur Umweltsanierung in Gang setzen, die die Welt je gesehen hat.»

Der Schadenersatz fällt damit höher aus als bisher bekannt. Im Juli hatte BP noch von einer Strafzahlung an die US-Regierung und fünf Bundesstaaten von bis zu 18,7 Milliarden Dollar gesprochen.

«Gerechte Strafe»

Lynch sprach am Montag von einer «gerechten Strafe». Mehr als fünf Jahre nach der verheerenden Katastrophe mit elf Toten sind damit die offenen Forderungen der US-Regierung und der Bundesstaaten beigelegt.

Enthalten sind unter anderem 5,5 Milliarden Dollar für Verstösse gegen das Wasserreinhaltegesetz sowie 8,1 Milliarden Dollar an die Bundesregierung und die fünf betroffenen Bundesstaaten wegen Umweltverschmutzung.

Hinzu kommen 4,9 Milliarden Dollar Schadenersatz für die Bundesstaaten Alabama, Florida, Louisiana, Mississippi und Texas und eine weitere Milliarde Dollar für Gemeinden. BP hatte im Juli nach der vorläufigen Einigung Zahlungen in der Höhe von 18,7 Milliarden Dollar über 18 Jahre angekündigt.

Eines der grössten Ölförderungsunglücke

Die Explosion der «Deepwater Horizon» im April 2010 war eines der grössten Unglücke in der Geschichte der Erdölförderung auf See. Elf Menschen kamen ums Leben, 3,19 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl liefen nach Berechnung eines US-Gerichtes ins Meer. Erst nach vier gescheiterten Anläufen und 87 Tagen konnten Ingenieure eine Stahlglocke über die offene Quelle stülpen und den starken Strom aus dem Ölfeld stoppen. Mehr als 2000 Kilometer Küste wurden verschmutzt.

«Heute ist ein nüchterner Triumph», sagte die Direktorin der US-Umweltschutzbehörde EPA, Gina McCarthy. «Bei Gerechtigkeit geht es nicht darum, einen Haufen Geld abzuladen und davonzugehen.»

Justizministerin Lynch sprach von einer der grössten Anstrengungen zur Renaturierung aller Zeiten. Die vor allem auf Tourismus und Fischerei angewiesene Golf-Region werde «wiederhergestellt, bewahrt und geschützt».

Die Arbeit gehe aber weiter, sagte Handelsministerin Penny Pritzker. Investitionen in Höhe von 8,1 Milliarden Dollar sollen Lebensräume wiederherstellen, die Wasserqualität verbessern und Meeresressourcen schützen. Die Golfküste solle «noch besser» werden, als sie es vor dem Unglück war, sagte Landwirtschaftsminister Tom Vilsack.

In die Verlustzone

BP war wegen der milliardenschweren Entschädigungszahlungen zuletzt tief in die Verlustzone gerutscht. Unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein Verlust von 5,8 Milliarden Dollar, nach einem Gewinn von 3,4 Milliarden ein Jahr zuvor.

Die USA erliessen neue Schutzvorschriften, die sogenannte Blowout Preventer betreffen - ein Ventilsystem am Bohrloch, das als letzter Schutz vor Explosionen gilt. Dieses System hatte bei dem Unglück am 20. April 2010 versagt. (kko/sda)

Erstellt: 05.10.2015, 20:47 Uhr

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