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Brasilien eröffnet Strafverfahren gegen Glencore, Trafigura und Vitol

Die drei grössten Schweizer Rohstofffirmen werden von der Staatsanwaltschaft bezichtigt, Mitarbeiter des brasilianischen Staatskonzerns Petrobras bestochen zu haben.

Rund 15 Millionen Dollar sollen die drei Schweizer Firmen an Petrobras bezahlt haben – im Bild eine ihrer Bohrplattformen. Foto: Reuters
Rund 15 Millionen Dollar sollen die drei Schweizer Firmen an Petrobras bezahlt haben – im Bild eine ihrer Bohrplattformen. Foto: Reuters

«Korruption von Giganten des internationalen Ölmarktes»: Der Titel der Pressemitteilung, welche die brasilianische Staats­anwaltschaft gestern veröffentlichte, liest sich wie die Schlagzeile eines Revolverblatts. Im Text erklären die Ermittler genau, wer hier gemeint ist: Glencore, Vitol und Trafigura – die drei grössten Rohstoffkonzerne der Schweiz.

Es geht um den Korruptionsskandal rund um die staatliche brasilianische Ölgesellschaft Petrobras – einen Verbrechenskomplex, der bereits schwerwiegende Auswirkungen auf den Schweizer Finanzplatz hatte. Die Bundesanwaltschaft hat in der Sache bereits 100 Strafverfahren eingeleitet und 1,1 Milliarden Dollar gesperrt. 43 Schweizer Banken sind betroffen.

Vor einem Monat schrieb diese Zeitung, dass Brasiliens Top-Ermittlerin Erika Marena auch die Schweizer Rohstoffgiganten ins Visier nehme. Ans Licht kam das durch einen Bericht der beiden NGOs Public Eye und Global Witness. Jetzt haben Marena und Co zugeschlagen. Man ermittle wegen der Zahlung von Schmiergeldern in der Höhe von 31 Millionen ­Dollar an Mitarbeiter von Petrobras zwischen 2009 und 2014, schreibt die brasilianische Staatsanwaltschaft. Die Bestechungsgelder seien von grossen Firmen im Öl- und Derivate­geschäft gezahlt worden. «Unter den internationalen Firmen sind auch Giganten wie Vitol, Trafigura und Glencore», heisst es in der Medienmitteilung. Es werde vermutet, dass Vitol 6,1, Trafigura 5,1 und Glencore 4,1 Millionen Dollar bezahlt hätten. Dabei sei es um mehr als 160 einzelne Geschäfte gegangen. Die Ermittler schreiben: «Die Beweise zeigen, dass es ein System gab, bei dem die Unternehmen, gegen die ermittelt wird, Schmiergelder an Petrobras-Angestellte bezahlten, um vorteilhafte Preise und mehr Aufträge zu erhalten.» Die Zahlungen flossen demnach über Banken in den USA, Grossbritannien, Schweden – und auch in der Schweiz.

Untersuchungen zeigen erst die Spitze des Eisbergs

Trafigura sagt, man kooperiere vollumfänglich mit den Behörden. Vitol richtet aus: «Wir haben eine Nulltoleranzpolitik bezüglich Bestechung und Korruption.» Man habe stets mit den Behörden in den Ländern kooperiert, in denen das Unternehmen aktiv sei. Glencore, die grösste Firma der Schweiz, wollte sich nicht äussern. Die Brasilianer fahren in ihren Ermittlungen gegen die drei Firmen schweres Geschütz auf. Sie nennen das Ganze «Operation grenzenlos», weil sie gegen internationale Firmen vorgehen. Elf Haftbefehle habe der 13. Bundesgerichtshof ausgestellt, dazu auch noch 27 Durchsuchungsbefehle.

Die Ermittler schreiben, es sei möglich, dass Schmiergelder bis in jüngster Zeit bezahlt wurden. Die Untersuchungen hätten bis jetzt erst «die Spitze des Eisbergs» gezeigt. Allein Trafigura habe zwischen 2004 und 2015 insgesamt 966 Geschäfte abgewickelt – mit einem Umsatz von 8,7 Milliarden Dollar. Ein früheres Mitglied der Trafigura-Geschäftsleitung wurde im Frühling in Brasilien wegen Korruption schuldig gesprochen, allerdings nicht im Zusammenhang mit ­seiner Arbeit für Trafigura. ­Abschliessend drohte Staatsanwalt Ribeiro Costa gestern den Grosskonzernen unverhohlen an: «Jede illegale Handlung wird bestraft.»

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