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Bremsspuren im Ländle

Der Finanzplatz Liechtenstein spürt die Folgen des Steuerskandals: Verunsicherte Kunden ziehen Gelder ab.

Es war ein Paukenschlag mit Nachhall: Vor laufenden Kameras wurde der Chef der Deutschen Post von Steuerdetektiven abgeführt; Hans Zumwinkel, so der Vorwurf, habe über eine Tochter der liechtensteinischen LGT-Bank Millionen hinterzogen. Die Fahnder stützten sich an diesem Februarmorgen auf eine CD mit tausenden Kontodaten, die ihnen über den Geheimdienst BND zugespielt worden war. Noch ungemütlicher wurde die Lage der Liechtensteiner Banken, als Kundendaten eines anderen Instituts, der LLB, bei Erpressern landeten - und als auch Steuerfahnder in Frankreich, England oder Amerika Zugriff erhielten auf die rausgesickerten Geheimkonto-CDs.

Erst Milliarden, jetzt ein Klacks

Jetzt, ein halbes Jahr später, lässt sich eine erste Schadensbilanz ziehen, und die wird zu denken geben im Ländle. Heute veröffentlichte die Liechtensteiner VP Bank ihre Halbjahreszahlen - und meldete einen Netto-Neugeldabfluss von 99 Millionen Franken; im Vorjahr waren noch 1,8 Milliarden Franken ins Institut geflossen. Die Bank verwaltet derzeit knapp 35 Milliarden Franken an Kundengeldern: Das sind 9,3 Prozent weniger als noch im Dezember.

Bereits am Montag zeigte die grösste Bank im Ländle ähnliche Bremsspuren. Die LGT - also das Haus der Fürstenfamilie und Geldhort für Post-Chef-Zumwinkel - konnte im ersten Halbjahr zwar einen Neugeldzufluss verbuchen: Er betrug 335 Millionen Franken. Aber verglichen mit den 6,2 Milliarden, welche im ersten Halbjahr 2007 in die LGT geflossen waren, war das ein Klacks.

Lieber Singapur als Vaduz

Dass die Zu- oder Abflüsse von Neugeld - unter anderem - das Kundenvertrauen spiegeln, ist eine Binsenwahrheit im Bankbusiness. Und sichtbar wird, dass die wohlhabende Kundschaft in aller Welt dem Finanzplatz Liechtenstein nicht mehr ganz traut: Die LGT meldet, vor allem Offshore-Gelder in Liechtenstein seien abgezogen worden (aber weniger die Gelder aus ihren Auslands-Filialen, beispielsweise in der Schweiz oder Deutschland). Und die VP Bank blies heute in ein ähnliches Horn: Sie betont, dass sie derzeit vor allem im Mittleren und Fernen Osten investiert. Kurz: Es wird für die Liechtensteiner immer wichtiger, Millionäre in Dubai oder Singapur zu betreuen - und nicht in Vaduz.

Dass viel Luft draussen ist, lassen auch neue Daten aus der Finanzmarktaufsicht von Liechtenstein ahnen: Nach ersten provisorischen Zahlen sank das verwaltete Kundenvermögen bei den Banken auf 149 Milliarden Franken - Ende 2007 waren es noch 153 Milliarden gewesen.

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