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Bund will Preise für Hörgeräte senken

Den hohen Preisen für Hörgeräte geht es an den Kragen: Der Bund will mit einem Ausschreibungsverfahren Wettbewerb einführen.

Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) rechnet mit jährlichen Einsparungen von zehn bis 20 Millionen Franken. Die Hörgeräte-Branche kritisierte den Entscheid scharf.

Im heutigen System bezahlt die Invalidenversicherung (IV) den Hörbehinderten einen Beitrag an den Preis des Hörgeräts ihrer Wahl, plus eine Dienstleistungspauschale für die Akustiker. Die einzelnen Akustikgeschäfte erzielen beim Verkauf der Hörgeräte unterschiedlich hohe Margen und Rabatte, wie das BSV am Montag schreibt. Die Gewinne von bis weit über 1000 Franken pro Gerät stünden keinen Leistungen zu Gunsten der Hörbehinderten gegenüber. Eine Folge seien tendenziell zu hohe Hörgerätepreise im internationalen Vergleich, wie bereits die Preisüberwachung und die Eidgenössische Finanzkontrolle bemängelten.

Echten Wettbewerb einführen

Ab 2009 werden IV und AHV nun selber Grosskunden der Hersteller und können laut BSV vorteilhafte Konditionen für sich selbst aushandeln. Mit dem soeben eröffneten Ausschreibungsverfahren soll im Hörgerätemarkt ein echter Wettbewerb eingeführt werden. Damit könnten die Margen und Rabatte auf den Gerätepreisen, die ohne Gegenleistung der Hörgerätebranche zuflössen, eingespart werden. Das BSV geht von Einsparungen von zehn bis 20 Millionen Franken pro Jahr für Versicherung und Versicherte aus.

Das neue System soll aber auch die extrem breite Auswahl an Modellen reduzieren. Zurzeit gibt es rund 210 von der IV voll vergütete Geräte. Die künftige Palette werde aber breit genug sein, um die individuellen Bedürfnisse der Versicherten genügend abzudecken, schreibt das BSV. Die Pauschalen zur Abgeltung der Dienstleistung der Akustiker will die IV in einem nächsten Schritt neu aushandeln.

Scharfe Kritik der Hörgeräte-Branche

Harsche Kritik erntete der Entscheid des Bundes von der Hörgeräte-Branche. Statt auf ein Verhandlungsangebot der Branche mit höherem Sparpotenzial einzugehen, wolle der Bund ohne Rechtsgrundlage selber Hörgeräte einkaufen und über ein eigenes Logistikzentrum vertreiben. Das vom BSV geschätzte Einsparpotenzial sei unrealistisch hoch, schreibt hörenschweiz, der Zusammenschluss der Verbände der Hersteller und Dienstleister der Hörgerätebranche.

In allen Ländern mit Ausschreibungen seien monate- oder gar jahrelange Wartelisten entstanden. Zudem erhielten Menschen mit Hörproblemen veraltete Geräte. Die Branche will laut Mitteilung zusammen mit dem Schweizerischen Gewerbeverband beim Eidgenössischen Departement des Innern eine Aufsichtsbeschwerde gegen das BSV deponieren.

AP/bru

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